HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
50 Jahre Militärkomm anden

Obst Christian Fiedler, Obst Gerhard Schweiger

50 Jahre Militärkommando Steiermark

Das Militärkommando Steiermark sieht sich als unbürokratische, direkte Ansprech- und Servicestelle für die in der Steiermark dislozierten Verbände und das zivile Umfeld in der Steiermark. Es ist Garant für die professionelle Führung und Durchführung von Assistenzeinsätzen und der territoriale Dienstleister für in- und ausländische Soldaten. Es wirkt auf Augenhöhe mit den korrespondierenden zivilen Ansprechstellen und ist der Tradition und den Partnern verbunden.


Von der Gründung bis heute
Die Heeresgliederung 1962 ordnete den Militärkommanden sowohl territoriale Aufgaben als auch die Aufstellung von Grenzschutzund Sicherungstruppen zu. Die Heeresgliederung 1972 sah eine Einteilung des Bundesheeres in die Bereitschaftstruppe, die Landwehr und die Heeresfliegerkräfte vor. 1976 entstand die Raumverteidigung: starke Kräfte in entscheidenden Räumen und Sicherung des übrigen Staatsgebietes durch raumgebundene Landwehrkräfte. Am 1. April 1978 wurden unter dem MilKdoST vier Landwehrstammregimente aufgestellt. Sie formierten die Landwehr. Die 5. Jägerbrigade wäre österreichweit zum Einsatz gekommen. Insgesamt war das MilKdoST für die Führung von 33.000 Soldaten verantwortlich. Allein in der Sperrorganisation verfügte das Militärkommando über 45 Feste Anlagen (verbunkerte Panzerabwehrstellungen) und 150 vorbereitete Sperren. Das für die Neuordnung in Europa entscheidende Jahr 1989 brachte das Ende der Raumverteidigung. Die derzeitige Gliederung des MilKdoST ist ein Ergebnis der Bundesheerreform 2010 – „Verkleinerung der Militärkommanden unter Beibehaltung der Territorialaufgaben“.

Sicherungseinsatz 1991 zu Jugoslawien
Der Sicherungseinsatz 1991 war der erste Einsatz in der Zweiten Republik zur militärischen Landesverteidigung im Sinne des Gesetzes. Im Juni 1991 kam es zu einer Reihe von Luftraum- und Grenzraumverletzungen durch die Jugoslawische Volksarmee, die den Einsatz unter Führung des MilKdoST begründeten. GenMjr Heinrich Winkelmayer war damals ein junger Generalstabsoffizier: „Die Situation war brenzlig.“ Die Zwischenfälle reduzierten sich aber schlagartig, je entschlossener das Bundesheer auftrat, um die Grenze und den Luftraum zu sichern.

Assistenzeinsätze – Kernkompetenz des MilKdoST
Der erste Katastropheneinsatz und Auftakt für zahlreiche Einsätze erfolgte bereits 1963 für das noch junge Militärkommando beim Hochwasser im Feistritztal. Ein signifikanter Anstieg der Assistenzleistungen ist seit dem Jahr 2005 zu beobachten:
Von 2005 bis 2012 waren in jedem Jahr ein oder mehrere größere Assistenzeinsätze zu bewältigen. Allein in diesen acht Jahren wurden in der Steiermark 698.000 Std. Katastrophenhilfe geleistet. Darunter fallen Einsätze in Gasen/Hochwasser 2005, Mariazellerland/Schneekatastrophe 2006, Wildalpen/Sturmschaden „Kyrill“ 2007, Weiz - Voitsberg - Graz-Umgebung/Sturmschaden „Paula“ 2008, Feldbach - Fürstenfeld - Graz-Umgebung/Hochwasser 2009, Sölktäler, Kleinsölk - Großsölk/Hochwasser und Murenabgänge 2010, Oberwölz/Hochwasser 2011, Treglwang - Gaishorn - St. Lorenzen/Hochwasser 2012. Auch beim Grubenunglück von Lassing 1998 waren Soldaten unter dem MilKdoST im Einsatz.

Vorreiterrolle bei der Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit (ZMZ)
Im Jahr 2003 begann die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines gemeinsamen Planspieles im Rahmen der Katastrophenschutzvorsorge. Im Planspiel „Naturgewalten“ wurden 2003 alle steirischen Bezirke eingebunden. Auf viele der damals gewonnen Erkenntnisse konnte bei den großen Assistenzeinsätzen der Jahre 2005 bis 2012 zurückgegriffen werden. Mit der Übung „Koralm-Schutz 2008“, einer Katastrophenmanagementübung mit der Bezirksverwaltungsbehörde Deutschlandsberg, wurde eine neue Ära von ZMZ-Übungen eröffnet. In Deutschlandsberg wurde gemeinsam mit den Einsatzorganisationen das Krisenmanagement trainiert. Dabei wurde auch erstmals der Führungssimulator der Theresianischen Militärakademie in eine zivile Katastrophenschutzübung eingebunden. Fortsetzend mit 2009 wurde alljährlich mit den Bezirken Leibnitz, Leoben, Murtal und Südoststeiermark in Planspielen geübt.

Miliz und MilKdoST – eine Erfolgsgeschichte
Das Jägerbataillon Steiermark „Erzherzog Johann“ und die Pionierkompanie Steiermark bilden die selbstständig strukturierte Miliz des MilKdoST. Zusätzliche engagierte Milizsoldaten verstärken gegebenenfalls den Stab und die nachgeordnete Organisation. Das Jägerbataillon mit dem Traditionsnamen „Erzherzog Johann“ trainiert v.a. den Schutz von wichtigen Gebäuden und Einrichtungen sowie den sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz. Es dient als formierte Reserve bei Inlandsaufgaben des Bundesheeres und ist ein wesentlicher Personalbereitsteller für Auslandseinsätze. Die Pionierkompanie ist das wichtigste „Back-up“, wenn die präsenten Kräfte im Katastrophenfall nicht reichen. Ihre Bedeutung steigt angesichts der spürbaren Auswirkungen der Klimaveränderung.

Fliegerhorste und AIRPOWER – wichtiger Beitrag des MilKdoST
In Aigen im Ennstal betreibt das Bundesheer den wichtigen zentralen Hubschrauberstandort. Der Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg wiederum ist der größte Militärflugplatz des Bundesheeres und größter Arbeitgeber im Oberen Murtal. Wenngleich der Flugbetrieb keine Aufgabe des Militärkommandos ist – die Auswirkungen betreffen das Militärkommando mannigfaltig: Baumaßnahmen, Behördenverfahren, militärische Sicherheit, Öffentlichkeitsarbeit etc. Demzufolge ist es nur logisch, dass auch die Organisation und Durchführung der mittlerweile zu einer der besten, v.a. aber sichersten Airshows in Europa zählenden AIRPOWER in territorialen und sicherheitsrelevanten Angelegenheiten durch die Mitarbeit des MilKdoST zu dieser erfolgreichen Großveranstaltung geworden ist.

Der TÜPl Seetaler Alpe
Der Truppenübungsplatz Seetaler Alpe kann auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Er wird im Zuge der Bestrebungen zur Bundesheerreform als erster Übungsplatz des Österreichischen Bundesheeres ohne Rekruten betrieben. Die Sicherheitsbereiche und Gefahrengebiete beim Schießbetrieb werden durch eine elektronische Absperrung/Warnanlage voll elektronisch überwacht. Der TÜPl bietet Unterkunft für 420 Soldaten, in Zimmern mit acht Betten.

Das MilKdoST – eine Servicestelle im Bundesland
Für das Land Steiermark, Bürger unserer Gesellschaft, Institutionen, Bildungseinrichtungen, Vereine, Wehrpflichtige des Präsenz- und Milizstandes sieht sich das MilKdoST als leistungsfähige, unbürokratische, direkte Ansprech- und Servicestelle im Bundesland. Das MilKdoST ist als territorial vorgesetzte Dienststelle in dieser Funktion die alleinige Ansprechstelle für den Landeshauptmann, die Landesregierung, sämtliche Bundes-, Landes-, und Gemeindebehörden, deren Organe sowie private Einschreiter. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist daher die Bedeutung ihrer Leistungen bewusst: Das MilKdoST ist dadurch ein unverzichtbarer föderaler Bestandteil des Bundesheeres. Das Militärkommando bietet Serviceleistungen für die Truppen im Bundesland, ebenso Host Nation Support für ausländische Truppen: Verpflegung, Unterkunft, Bekleidung, militärische Sicherheit, Personalergänzung, Infrastruktur, soziale Betreuung und Seelsorge, Kommunikation. Im Süden der Steiermark steht dafür das Element Stabskompanie und Dienstbetrieb zur Verfügung. Es beinhaltet neben der Verwaltungsorganisation auch zwei Pionierzüge und die Militärmusik Steiermark. In der Obersteiermark wird durch ein weiteres Element Dienstbetrieb v.a. der Flugbetrieb in Zeltweg und Aigen unterstützt.

Gelebte Partnerschaft
Eine Aufgabenreduktion ist zufolge der bundes- bzw. landesgesetzlichen Bestimmungen auf weite Sicht nicht festzustellen. Das Militärkommando muss daher die Dimension von Zusammenhängen auf Landesebene erkennen. Die Vertretung der Interessen des Bundesheeres erstreckt sich dabei nicht nur auf den formalen Bereich. Wichtig ist auch die informelle Ebene. Das erfordert neben detaillierten Kenntnissen der Zivilgesellschaft und dem persönlichen Kontakt auch ein fundiertes politisches und militärisches Wissen sowie das entsprechende „Fingerspitzengefühl“. Seit 1982 verbindet das Land Steiermark und das MilKdoST eine in gegenseitiger Wertschätzung gelebte Partnerschaft. „Dem MilKdoST ist es ein ehrliches Anliegen, gesellschaftspolitisch als Institution im Land Steiermark und bei der Bevölkerung integriert zu sein“, stellt Militärkommandant Bgdr Heinz Zöllner mit Stolz fest. Und: „Das MilKdoST konnte in 50 Jahren bei zahlreichen Einsätzen, Übungen und Veranstaltungen seine Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft eindrucksvoll unter Beweis stellen. Dieses Ergebnis ist die Summe von guten Leistungen vieler Mitarbeiter.“

Militärkommando Steiermark Geschichte:
1956 bis 1963: Dem Kdo der 5. GebJgBrig obliegt auch die territoriale Kommandoführung im Befehlsbereich 5
1956 bis 1958: BrigKdt Obst Svetozar Adamovic
1958 bis 1962: BrigKdt Obst Hans Ludwig Pommer Sitz des Kommandos im Kommandogebäude Graz, Glacisstraße. Am 1. Jänner 1963 wird die 5. GebJgBrig in die 5. JgBrig übergeleitet
Im Zuge der Heeresgliederung 78 wird die 5. JgBrig von einer präsenten Brigade JgBrig/mob übergeleitet, 20 Jahre danach durch die Einnahme der Heeresgliederung 98 aufgelöst
1963: Das Militärkommando Steiermark wird mit der Heeresgliederung 1962 aufgestellt
1963 bis 1981: Sitz des Militärkommandos im Kommandogebäude Graz, Glacisstraße
Seit 1981: Sitz des Militärkommandos im Stabsgebäude in der Gablenz-Kaserne in Graz
1978 bis 2004: Das Militärkommando Steiermark ist ein Truppen-führendes Kommando
Die Heeresgliederung 1986 sah einen Mobilmachungsrahmen für das ÖBH von 250.000 Soldaten vor, das Militärkommando Steiermark war für die Truppenführung von 33.000 Soldaten verantwortlich. Durch die Heeresgliederung 1987 wurde der weitere Ausbau des Mobilmachungsrahmens gestoppt
Die Heeresgliederung 1992 und die Strukturanpassung 1998 führten zu weiteren Kräftereduzierungen bei den Militärkommanden
2004 bis 2010: Zunehmende Entbindung von Truppenführungsaufgaben wegen Änderung der militärstrategischen Gesamtlage
Seit 2010: Territorial führendes Kommando, Führung von Assistenzeinsätzen

Die Militärkommandanten der Steiermark:
1963 bis 1971: Bgdr Hans Ludwig Pommer
1971 bis 1980: ObstdG Alexius Battyan
1980 bis 1992: Divr Hubert Albrecht
1992 bis 2000: Divr Arno Manner
2000 bis 2007: GenMjr Mag. Heinrich Winkelmayer
2007 bis dato: Bgdr Mag. Heinz Zöllner

Das Militärkommando Steiermark:
Gliederung nach ÖBH 2010

Kommando (Graz)
Stabsabteilung 1 bis 4, Stabsabteilung 6 und 8, Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Ergänzungsabteilung
Stabskompanie & Dienstbetrieb (Graz)
Dienstbetrieb (Zeltweg)
Truppenübungsplatz Seetaler Alpe

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 17/2013 vom 11. September

Drucken