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Ausbildung

Obst Wilfried Tilg, MBA, MPA

Ausbildung im Heer lohnt sich

1. Konferenz der Ausbilder der Streitkräfte in Innsbruck von 10. bis 12. September

Die Volksbefragung 2013 hat ein deutliches Votum zur allgemeinen Wehrpflicht ergeben. Durch dieses Ergebnis hat das Bundesheer im Allgemeinen und die Streitkräfte im Besonderen eine massive Stärkung in seiner Akzeptanz erfahren. Dieser Vertrauensvorschuss ist aber auch eine klare Verpflichtung, den Wehrdienst insgesamt so zu reformieren, dass er sowohl den gesetzlichen Aufgaben der Streitkräfte als auch den Erwartungen der Auszubildenden gerecht wird.


„Die Ausbildung muss daher neben der Einsatzvorbereitung und dem Einsatz selbst den höchsten Stellenwert im Aufgabenspektrum der Streitkräfte einnehmen“, so der Kdt der Streitkräfte, GenLt Mag. Franz Reißner, MSc. Der Stellenwert der Ausbildung und damit des Ausbildungspersonals spiegelt sich daher zu einem großen Teil im Umgang miteinander und insbesondere im Umgang mit den jungen Soldat/-innen wider. In den Streitkräften wird sowohl im Corporate Identity (CI)-Prozess als auch im „Vertrag von Iselsberg“ die Kommunikation der Mitarbeiter/-innen thematisiert und unter der Formel von W I M – Wertschätzung - Information - Motivation – gelebt. Die in dieser Art erstmals durchgeführte Konferenz der Ausbilder hatte als Zielsetzung die Vorstellung und Verankerung der in einer Arbeitsgruppe erarbeiteten Leitsätze (Core Values). Die Anwendung dieser Core Values im Dienst, aber auch persönlich, ist der Zweck. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sich die Mitarbeiter/-innen in den Streitkräften im Umgang miteinander an den Leitsätzen orientieren und zu einem zeitgemäßen, gesellschaftlich verständlichen und akzeptierten Corporate Behavior beitragen.

„Was Spaß macht, fühlt sich nicht wie Arbeit an“
Im Vorfeld der praktischen Umsetzung stand ein Impulsreferat des Milizoffiziers und in führender Position eines Konzerns tätigen Obstlt Alexander Undesser. Er berichtete über den Nutzen der Ausbildung beim Heer für eine Verwendung in der Privatwirtschaft. Ebenso legte Obstlt Undesser in seinem Referat die Gewichtung auch auf den Umgang mit Mitarbeitern im Betrieb am Beispiel eines Konzerns. Der Milizoffizier brachte es in wenigen aussagekräftigen Erkenntnissen seiner beruflichen Laufbahn auf den Punkt. „Was Spaß macht, fühlt sich nicht wie Arbeit an.“ Mitarbeiter brauchen Anerkennung, Wertschätzung, eine Gemeinschaft, in der sie gern gesehen und ernst genommen werden. Innerbetriebliche Kommunikation, Begegnung und Weiterbildung kann sich in Zukunft nicht mehr einseitig auf die mentale Seite des Menschen beschränken, sondern wird den ganzen Menschen ansprechen und erfassen, annehmen und fördern müssen. Obstlt Undesser legte mit seinen Aussagen eigentlich das Fundament für diese Ausbilderkonferenz, die unter dem Motto „Ausbildung im Heer lohnt sich“ steht.

„Wir Streitkräfte – unsere Leitsätze“
Im Rahmen eines feierlichen Festakts wurden zum Abschluss der ersten Ausbilderkonferenz der Streitkräfte deren Leitsätze an die Kommandanten und Ausbilder überreicht. GenLt Franz Reißner zog in seiner Ansprache ein mehr als positives Resümee über die letzten drei Tage dieser Ausbilderkonferenz. Er betonte, dass auch er selbst von den Aussagen und Gruppenarbeiten der Teilnehmer viel Positives erkennen und aufnehmen konnte. Er wird versuchen diese Vorschläge auch in seiner Funktion als Kommandant der Streitkräfte in Umsetzung zu bringen. Die neu formulierten Leitsätze der Streitkräfte müssen jetzt von den Ausbildern übernommen und umgesetzt werden:
Menschenwürde
Ich achte und schütze die Würde des Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Ethnie und gesellschaftlicher Stellung.
Gehorsam
Ich leiste Gehorsam, gebunden an Recht und Gesetz – geleitet durch mein Gewissen – und trage stets die Verantwortung für mein Handeln.
Persönliches Vorbild und Vertrauen
Ich bin Vorbild an Kameradschaft. Disziplin und Loyalität und schaffe durch meine untadelige Haltung die Basis für gegenseitiges Vertrauen.
Führung mit Auftrag
Ich führe mit Auftrag, setze die Soldatinnen und Soldaten ihren Fähigkeiten entsprechend ein und achte auf die Nachvollziehbarkeit meiner Entscheidung.
Leistung
Ich fördere und fordere körperliche Leistung und psychisches Durchhaltevermögen.
Fehlerkultur
Ich respektiere die mir Anvertrauten mit ihren Schwächen und Stärken und trage so zu einer positiven, von Respekt getragenen Unternehmenskultur bei.
Offen für Neues
Ich gehe optimistisch an neue Herausforderungen heran und bin bereit, mir das dazu erforderliche Wissen anzueignen und erforderliche Änderungen mitzutragen.

Beim Corporate Behavior galt es, einen weiteren Schritt der Streitkräfte zu setzen, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich die Mitarbeiter/-innen im Umgang miteinander an den Leitsätzen orientieren und zu einem zeitgemäßen, gesellschaftlichen, verständlichen und akzeptierten gemeinsamen Verhalten beitragen.

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 18/2013 vom 25. September

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