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Sicherheitspolitik

Hptm Prof. Ing. Ernest F. Enzelsberger

Blackout, Cyberwar – höchst aktuelle Bedrohungen

Lustenau. „Blackout und Cyberwar – Bedrohungen der hoch technisierten Gesellschaft“ lautete der Titel eines viel beachteten Vortrags, den Obst aD Mag. Udo Ladinig im Millenniumspark in Lustenau hielt. „Es gibt dagegen keinen absoluten Schutz“, appellierte Ladinig an die Eigenverantwortung.


Die Veranstaltung, die von der Industriellenvereinigung Vorarlberg maßgeblich unterstützt wurde, wurde vom Militärkommando Vorarlberg, dem Zivilschutzverband, der Offiziersgesellschaft Vorarlberg und der Gesellschaft für Landesverteidigung und Sicherheitspolitik in Vorarlberg organisiert. Der Referent, ein Absolvent der Wirtschaftsuniversität (WU) in Wien, war beruflich in verschiedenen Führungsfunktionen in internationalen Konzernen, davon neun Jahre als Generaldirektor für Zentralund Osteuropa tätig, ehe er 2008 in den Ruhestand trat. Er setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Vortragsthema auseinander und hat dazu auch 2011 im Auftrag des MilKdoNÖ eine Studie fertiggestellt.

Erschreckende Zahlen
In seinen Ausführungen ging Ladinig nicht nur auf Grundsätzliches ein, sondern entwickelte auch einen Lösungsansatz und die dafür erforderlichen Maßnahmen. Gleich einleitend ließ er mit erschreckenden Zahlen aufhorchen, die verdeutlichen, dass die Bedrohungen von Blackout und Cyberwar für die hoch technisierte Gesellschaft viel zu wenig beachtet werden. Immerhin gibt es demnach bei einem durchschnittlichen Wirtschaftsunternehmen rd. 10.000 Versuche pro Tag, in das IT-System einzudringen, beim Österreichischen Bundesheer sind es sogar etwa 40.000. Dabei sei es – so der Referent weiter – unmöglich, herauszubekommen, wer der Angreifer ist und woher er kommt, die geografische Entfernung zwischen Angriffsbasis und Angriffsziel spielt keine Rolle mehr.

Rechtlicher Graubereich
Das alles spiele sich überdies in einem völkerrechtlichen Graubereich ab – der Angriff erfolge ohne Vorwarnung und wird erst dann bemerkt, wenn er erfolgreich war. Zudem ist ein Cyber-Angriff kein singuläres Ereignis. Wie in einem konventionellen Krieg würden die Angriffe so lange fortgesetzt, bis der Zweck der Attacke erreicht ist oder die Angriffe endgültig abgewehrt werden könnten. Cyber-Waffen seien darüber hinaus relativ billig, höchst effizient und effektiv, erklärte Ladinig weiter. Sie hätten keine primäre physische Zerstörungswirkung, könnten aber eine hohe sekundäre physische Zerstörungskraft haben. Sie würden ständig weiterentwickelt, es gebe dagegen keinen absoluten Schutz und die Personen dahinter haben eine niedrige Hemmschwelle. „Es ist an der Zeit, die veränderte Bedrohungslage zur Kenntnis zu nehmen, bis zum Ende durchzudenken und entsprechend zu handeln. Cyberwar ist eine aktuelle Bedrohungsform, die von ITSpezialisten alleine nicht zu bewältigen ist, sondern die die ganze Kraft unseres Gemeinwesens erfordert“, so der Experte. Ladinig stellte im Folgenden klar, dass die größte und katastrophalste Wirkung mit einem Cyber-Angriff auf die Stromversorgung mit dem Ziel, ein Blackout auszulösen, erzielt wird. Blackout wird dabei als ein überregionaler, u.U. mehrere Staaten umfassender totaler Stromausfall definiert. Das ist ein Angriff auf die jeweilige strategische Infrastruktur. Dabei geht es um die Ausschaltung der Schlüsselstellen eines politischen und ökonomischen Systems mit den Folgeschäden Versorgungsengpässe und Wirtschaftskrisen – bis hin zum Staatszerfall.

Überraschendes Auftreten
Charakteristika eines Blackouts sind das überraschende Auftreten und die Unvorhersehbarkeit seiner Dauer sowie die unkontrollierbare, rasche und kaskadenförmige Ausbreitung. Binnen weniger Minuten können Hunderttausende Quadratkilometer und Zigmillionen Menschen betroffen sein. Die Folge ist, dass jede technische Einrichtung, die Elektrizität direkt oder indirekt in Leistung umsetzt, bei Ereigniseintritt sofort ihre Funktion verliert (Ausnahmen sind – allerdings befristet – akkubetriebene Geräte und Anlagen mit Notstromaggregaten). Damit gehen binnen weniger Stunden die Schlüsselfähigkeiten Telekommunikation und Mobilität verloren, und innerhalb von 24 Std. entstehen konkrete Gefahren für Leib und Leben der Menschen. Und – so Ladinig – ab 24 Std. treten alle Voraussetzungen für den Staatszerfall ein, die Dauerschäden für die Gesellschaft werden unübersehbar.

Telekommunikation und Mobilität erhalten
Als mögliche Gegenmaßnahmen zur Linderung der Folgen führt Ladinig auf staatlicher Ebene die Sicherstellung der Treibstoffversorgung im Notbetrieb zur Aufrechterhaltung der Telekommunikation und Mobilität (Tankstellen) auf einem erforderlichen Mindestniveau an. In Österreich würden dafür weniger als 100 Tankstellen mit Notstromaggregat ausreichen. Dazu kommen Maßnahmen für den Schutz (Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung) und Hilfe (Sicherstellung der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern) für die Bevölkerung. Ladinig appelliert aber auch an die Eigenverantwortung auf individueller Ebene (Anlegen eines Notvorrats gemäß den Empfehlungen des Zivilschutzverbandes, Erstellen eines persönlichen Notfallplans und Nachbarschaftshilfe). „Da ein Blackout und dessen Folgen grundsätzlich nicht verhindert werden können, muss der Fokus auf die Anstrengungen zur Milderung der Folgen gerichtet sein. Dafür sind entsprechende staatliche Vorsorgen zu treffen und private Vorsorgen zu fördern“, so Ladinig abschließend.

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 13/2013 vom 10. Juli

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