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sicherheitspolitik

Hptm Prof. Ing. Ernest F. Enzelsberger

Bundesheer sichert Luftraum für Davoser Weltwirtschaftsforum

Luftraumsicherungsoperation Dädalus 11 – Kooperation mit der Schweiz

Am 30. Jänner ging die Luftraumsicherungsoperation Dädalus 11 des Österreichischen Bundesheeres, die anlässlich des Weltwirtschaftsforums (WEF) im schweizerischen Davos in enger Zusammenarbeit mit der Schweiz durchgeführt wurde, zu Ende. Das WEF dauerte heuer von 26. bis 30. Jänner. Ziel der Operation war, die Teilnehmer und auch die örtliche Bevölkerung von Davos vor Terroranschlägen aus der Luft zu schützen. 


Monatelange Vorbereitungen
Die Vorbereitungen hatten bereits im November 2010 mit der Erkundung des Einsatzgebietes in Vorarlberg samt Übungsflügen der Eurofighter begonnen. Im Zuge der Operation waren rd. 1.000 Soldaten (darunter ein Drittel Grundwehrdiener) sowie über 30 Luftfahrzeuge des Bundesheeres im Einsatz. Die Kosten für Einquartierung, Verpflegung und Überstunden lagen bei 580.000 €. Allerdings verlautete, diese Kosten stellten keine Belastung für das Heeresbudget dar, weil sich das Bundesheer damit eine Luftraumsicherungsübung erspart, die bei Weitem mehr kosten würde. Bei einer internen Übung kommt nämlich die gesamte Zieldarstellung dazu, die im Falle dieser Operation wegfiel.

Einschreiten erforderlich
Zu einem ersten Einschreiten wegen des über Vorarlberg verhängten Flugverbotes kam es am 28. Jänner. Dabei wurde ein deutsches Flugzeug aufgehalten, das trotz Verbotes über dem Montafon in der gesperrten Zone unterwegs war. Die deutsche Propellermaschine flog gegen 16.40 Uhr unerlaubt im Raum Montafon ein und wurde vom Radar des Österreichischen Bundesheeres erfasst. Zwei Heeres-Flugzeuge des Typs PC-7 stiegen auf und eskortierten die Maschine aus dem gesperrten Luftraum in Richtung Deutschland. Den Piloten erwartet eine Verwaltungsstrafe, denn die Luftraumverletzung stellt eine Übertretung dar, die von einer Abmahnung bis zum Entzug der Fluglizenz durch die zivilen Behörden geahndet wird.

Hochkarätige Konferenz
Beim 40. WEF in Davos trafen sich rd. 2.500 Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, um über die Lehren aus der Finanzkrise zu diskutieren. Mit fünf Staats- und Regierungschefs aus den G8-Staaten war die Konferenz so hochkarätig besetzt wie noch nie.   Die Eröffnungsrede hielt der russische Präsident Dimitri Medwedew. Weiters kamen der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der dz. auch die G8 präsidiert, die deutsche Kanzlerin Angelika Merkel, der britische Premierminister David Cameron und der japanische Premier Naoto Kan. Aus den USA reiste u.a. Finanzminister Timothy Geithner an.
  Aus Österreich waren Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Josef Pröll und Außenminister Michael Spindelegger in Davos. Der Kanzler traf dabei u.a. mit der Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey zusammen.
  Erklärtes Ziel des jährlich stattfindenden WEF ist es, „den Zustand der Welt zu verbessern“. Bei Seminaren und Diskussionen reden die Teilnehmer über globale wirtschaftliche Probleme und suchen Lösungsansätze für politische und soziale Herausforderungen. Heuer lautete das Generalthema „Gemeinsame Normen für eine neue Wirklichkeit“.
  Das WEF ist eine in Cologny im Kanton Genf ansässige gemeinnützige Stiftung, die in erster Linie für das von ihr veranstaltete Jahrestreffen in Davos bekannt ist. Es wurde 1971 vom Wirtschaftsprofessor Klaus Schwab in der Schweiz gegründet. Das Forum wird von seinen 1.000 Mitgliedsunternehmen finanziert. Ihre Präsidenten nehmen ebenfalls alljährlich am WEF in Davos teil. Schwab konstatierte vor dem diesjährigen Forum, die Welt leide an einem „global burnout syndrome“.

Nähe zu Österreich
Durch die Schweiz wurden während des WEF umfangreiche Sicherungsmaßnahmen auch gegen Terrorbedrohungen aus der Luft vorbereitet. Aufgrund der Nähe des Veranstaltungsortes zu Österreich war auch die Notwendigkeit gegeben, den österreichischen Luftraum im angegebenen Zeitraum ebenfalls verstärkt zu überwachen. Davos liegt nur wenige Kilometer Luftlinie von Vorarlberg und Tirol entfernt. Auch heuer war die Schweizer Armee für die Sicherungsaufgaben am WEF zuständig. 220 Armeeangehörige nahmen bereits am 21. Jänner ihren Dienst in Davos auf. Maximal hätten 5.000 Armeeangehörige für den Einsatz im Assistenzdienst aufgeboten werden können. Der Schweizer Armee- Einsatz erfolgte nach dem Subsidiaritätsprinzip, d.h. dass die Einsatzverantwortung bei den zivilen Behörden lag. In Davos gelangten während des WEF mit wenigen Ausnahmen nur Berufssoldaten für Personenschutz und Zutrittskontrollen zum Einsatz. Außerhalb von Davos schützten Milizangehörige Infrastrukturen und erbrachten Leistungen in der Logistik und in der Führungsunterstützung. Auf österreichischer Seite waren vom bewaffneten Hubschrauber bis zum Eurofighter alle eingesetzten Typen ständig einsatzbereit bzw. in der Luft. Damit war es möglich, in allen Höhenlagen sowohl auf langsam als auch auf schnell fliegende Ziele zu reagieren. Mit der Schweiz erfolgte ein elektronischer Datenaustausch. Zusätzlich befanden sich Verbindungsoffiziere im jeweils anderen Land. Der Vorarlberger Sicherheits- LR, Ing. Erich Schwärzler, betonte gegenüber dem SOLDAT die Wichtigkeit der Luftraumsicherungsoperation: „Sicherheit braucht Vorsorge, sind doch die Kriminellen auch nicht mehr mit der Schubkarre unterwegs.“ Besonders lobend erwähnte er die länderübergreifende Zusammenarbeit sowie die gute Integration der Gemeinden, Landesbehörden und der zivilen Hilfs-, Rettungsund Einsatzkräfte. Dieses gemeinsame Miteinander im Interesse der Sicherheit habe sich in den letzten Jahren zusehends verstärkt und habe mittlerweile ein hohes Niveau erreicht. „Hierfür danke ich allen Sicherheitsverantwortlichen und Akteuren vor Ort sehr herzlich“, so LR Schwärzler.

Vorarlberg Flugverbotszone
Die Flugverbotszone (Temporary Restricted Area) erstreckte sich auf den größten Teil Vorarlbergs – ausgenommen das Gebiet Bregenz und Hohenems und das Grenzgebiet zu Tirol. Der Luftraum war vom Boden bis zu einer Höhe von 6.248,4 m gesperrt. Die ausgewiesene Zone war damit um 305,4 m höher als im Vorjahr. Dadurch blieb mehr Zeit und Raum für die Überwachung zur Verfügung. In dieser Zone durften auch keine Heißluftballone fahren oder Paragleiter fliegen.
  Notarzthubschrauber waren von dem Flugverbot ausgenommen. Sie mussten ihren Flug allerdings beim Air Operation Center (AOC) in St. Johann/Pongau anmelden. Der „große“ Reiseverkehr in der Luft war von dem Verbot ebenfalls nicht betroffen, da die ausgewiesene Zone unterhalb der Fughöhe von Jets lag.
  Es war vorgesehen, unerlaubt in den gesperrten Luftraum einfliegende Luftfahrzeuge abzufangen, aus der Sperrzone zu eskortieren, abzudrängen oder auch zur Landung zu zwingen.
  2010 kam es zu keiner einzigen Luftraumverletzung, 2004 gab es noch an die 50 verbotene Flüge.

Der Auftrag der Luftstreitkräfte
• Überwachung und Durchsetzung der zum Schutz des WEF errichteten Temporary Restricted
   Area von 25. bis 31. Jänner.
• Bereithaltung von Reaktionskräften für den Anlassfall (das sogenannte Emergency Reaction
   Team Air – ERTA).
• Vorüben des Einsatzes in Kooperation mit der Schweiz.

Das Vorüben
• Grenzüberschreitende Flüge in die Schweiz simulierten Eindringlinge und ermöglichten die
   bessere Koordination in der Zusammenarbeit.
• Geübt wurde auch ein simulierter Absturz und der Einsatz des ERTA sowohl in Tirol als auch
   in Vorarlberg.

Eingesetzte Kräfte
• 3 Tieffliegererfassungsradars
• 2 Feuerleitgeräte der Fliegerabwehr
• 2 Flugmeldetrupps
• 2 mobile Funkanlagen

23 bewaffnete Luftfahrzeuge für permanente Luftpatrouillen
• 6 Eurofighter (Zeltweg)
• 5 Saab 105 (Innsbruck)
• 6 PC-7 (Innsbruck)
• 6 OH 58 Kiowa (Landeck)

11 unbewaffnete Luftfahrzeuge
• 3 S-70 Black Hawk (Transport)
• 2 AB 212 (Transport)
• 2 Alouette III (Transport)
• 2 Alouette III (Such- und Rettungsdienst/Notarzt)
• 2 Alouette III (Luftaufklärung Tag und Nacht)

Die Kommandostruktur
• Das Streitkräfteführungskommando führte als Air Component Command aus der EZ/B.
• Die Militärkommanden Tirol und Vorarlberg führten territorial.
• Das Kommando Luftraumüberwachung (Salzburg) stellte Kräfte bereit.
• Das Kommando Luftraumüberwachung (Hörsching) stellte Kräfte bereit.
• Das Radarbataillon führte die in den Einsatzraum Tirol/Vorarlberg verlegten Sensoren.

Klassische Aufgabe
ObstdIntD Mag. Josef Müller vom MilKdoV stellt dazu gegenüber dem SOLDAT fest: „Die Luftraumsicherungsoperation stellte für das MilKdoV in der Jahresplanung 2011 das größte Vorhaben im Rahmen der territorialen Unterstützung zugunsten von kurzfristig auftragsbezogen in Vorarlberg stationierten Truppenteilen des Österreichischen Bundesheeres dar. Es ist dies eine klassische Aufgabe eines Militärkommandos. Die Hauptleistungen in der Rolle als Gastgeber erfolgten in der Bereitstellung und im Betrieb der militärischen Infrastruktur (Unterkunft, Gefechtsstände), Verpflegsproduktion, Betrieb der Betreuungseinrichtungen sowie Betriebsmittelversorgung und Instandsetzung.“
  Das MilKdoV war aber mit Teilen auch in die Operation selbst einbezogen. Etwa in die Gestaltung eines Wach-/ Sicherungselementes aus Milizkadersoldaten des Jägerbataillons Vorarlberg, Notarzt und Notfall/Sanitäter für ein luftbewegliches Krisenreaktionsteam sowie die Info- und Pressestelle für die Bundesländer Vorarlberg und Tirol.
  Und Müller abschließend: „Bemerkenswert ist, dass wesentliche Teile des personellen Beitrags des MilKdoV aus der Miliz rekrutiert wurden. Das spricht für die tolle Einstellung des Milizkaders, die in der Auftragserfüllung bei Dädalus 11 auf eine gediegene Professionalität aufbauen konnte. Die Sicherstellung der Zusammenarbeit mit den zivilen Institutionen erfolgte durch Vorausinformation zuhanden der Gebietskörperschaften und Sicherheitsinstitutionen sowie Medieninformationen.“ 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 3/2011 vom 9. Februar

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