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Sicherheitspolitik

Obst iR Kurt Gärtner

Connected Forces Initiative

Um den primär materiellen Komplex der Smart Defence weiter zu ergänzen, hatte NATO-Generalsekretär Rasmussen schon auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2012 die Connected Forces Initiative (CFI) vorgestellt. Damit soll die gemeinsame Ausbildung erweitert, die Zahl der Übungen erhöht und die Nutzung von Technologien verbessert werden. Die Verteidigungsstrategie im 21. Jh. muss 5 Dimensionen berücksichtigen:
Land, See, Luft, Weltraum und Cyber.


Grundlegende Fähigkeiten
Die CFI hat die Verbesserung der Vernetzung und des Zusammenwirkens von alliierten Streitkräften bei militärischen Operationen zum Ziel. Sie verbindet zielorientierte Ausbildung, intensives Training, umfassende Übungen unter Nutzung von Spitzentechnologien, damit die alliierten Streitkräfte auch weiterhin in der Lage sind, künftige Herausforderungen zu meistern. Die Verbündeten werden ermutigt, auch bei nationalen Übungen andere Länder zur Teilnahme einzuladen, und die NATO beabsichtigt, die Intensität der multinationalen Manöver zu erhöhen. Die Übungsvorhaben werden gemeinsame militärische Fähigkeiten und übergreifende zivile Bereiche betreffen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Die Befehlshaber der nationalen Streitkräfte haben Sorge zu tragen, dass das NATO-Ziel 2020 erreicht wird. Modern ausgerüstete Verbände sollen gut ausgebildet und im multinationalen Kontext weltweit einsetzbar sein. Dabei müssen die Verbündeten effektiv miteinander kommunizieren und üben, um die Aufträge gemeinsam erfüllen zu können. Umfassende Ausbildung und intensives Training der Einzelkämpfer und von kleinen Gruppen haben sich auf Schlüsselfähigkeiten zu konzentrieren, dabei sollen die gegenwärtigen Leistungen harmonisiert und aufgetretene Ausbildungslücken ausgemerzt werden. Umfassende Übungen sind wesentliche Mittel für Streitkräfte, um Taktik, Gefechtstechnik und Verfahren zu erproben, weiters werden dabei die Fähigkeiten für das Zusammenwirken von Mensch und Material gefördert und bewertet. Ferner können das Training, die Arbeit auf den Gefechtsständen und die Leistungen der Einheiten kontrolliert werden. Manöver sollten das ganze Spektrum von Intensität abdecken und auch die geringe gemeinsame Einsatzerfahrung von multinationalen Truppen reduzieren. Hochwertige, einsatznahe Gefechtsübungen sind für die NATO-Verbände unbedingt notwendig, um die Kampfkraft zu erhalten. Der effektive Gebrauch von Technologie erleichtert die Zusammenarbeit von Verbündeten sowie Partnern und das Zusammenwirken von unterschiedlichen Geräten und Systemen. Durch moderne Technologie können auch Training, Ausbildung, Verlegung und Manöver wesentlich unterstützt werden. Vernetzte Simulatoren befähigen die Verbündeten gemeinsam zu üben, ohne die Friedensstandorte verlassen zu müssen. Dadurch kann kostensparend das notwendige Zusammenspiel der verschiedenen Verbände geübt werden. Die NATO plant für 2015 eine groß angelegte Militärübung im Süden Europas. Das multinationale Manöver „Trident Juncture“ findet in Spanien, Portugal und Italien unter Teilnahme von Land-, See- und Luftstreitkräften statt und sei ein Beispiel für die Realisierung der Connected Forces Initiative. „Geübt wird das Zusammenwirken zwischen den Streitkräften der NATO-Länder in drei Richtungen: Erhöhung der Zahl gemeinsamer Manöver, die gemeinsame Ausbildung von Armeeangehörigen und des Zivilpersonals sowie die gemeinsame Nutzung von Technologien und Waffen“, so NATOGeneralsekretär Rasmussen. Lt. Rasmussen werden multinationale Manöver wie 2015 ab dem Jahr 2016 alle zwölf Monate durchgeführt. Das Ziel bestehe darin, die NATO-Truppen auf die Abwendung moderner Bedrohungen und Gefahren vorzubereiten.

NATO Response Force
Die NATO Response Force (NRF) ist die schnelle multinationale Eingreiftruppe des Bündnisses für einen weltweiten Einsatz. Ihr Kern sind kurzfristig verfügbare Kräfte in einer Stärke von ca. 13.000 Soldaten aus Land-, See- und Luftstreitkräften, die bei Bedarf aus einem Pool ergänzt werden können. Jeweils zwölf Monate lang halten die truppenstellenden Länder militärische Verbände für die NRF in Bereitschaft. Dann übernehmen andere Verbände diese Funktion. Die NRF ist also kein zusätzlicher Großverband, sondern greift auf vorhandene Kräfte zurück. Sie ist durch die multinationale Zusammensetzung und hohe Einsatzbereitschaft eine treibende Kraft der CFI und unterstützt auch den Wechsel der NATO vom operativen Einsatz (ISAF – Afghanistan) zu umfangreichen Einsatzvorbereitungen für potenzielle Missionen. Die NRF bildet einen gemeinsamen Ansatz mit breiter, integrierter, einsetzbarer militärischer Reaktion, um die Entschlossenheit, Solidarität und Einsatzfähigkeit des Bündnisses zu zeigen.

Spezialeinsatzkräfte
Letztlich unterstützen auch Spezialeinsatzkräfte die CFI. Das neue Kommando für Spezialeinsatzkräfte der NATO (NSHQ = NATO Special Operations Headquarters) spielt eine wichtige Rolle in der Planung und Koordinierung von Einsätzen und bei der Verbesserung der Zusammenarbeit von verschiedenen Spezialeinsatzkräften. Auch Österreich und Schweden als PfP-Mitglieder haben dem NSHQ schon Personal kurzfristig zugeteilt. Spezialeinsatzkräfte werden in besonderem Maße für Missionen gebraucht, die eine kontrollierte und jederzeit begrenzbare Einsatzdurchführung unter Vermeidung bzw. Begrenzung von Eskalation und Kollateralschäden verlangen und einer besonderen Geheimhaltung bedürfen. Dabei stehen Rettung und Befreiung von Menschen aus Krisengebieten im Vordergrund. Derartige Aufträge verlangen besondere Ausbildung, Ausrüstung und Struktur und können im Allgemeinen nicht von konventionellen Einheiten erfüllt werden. Missionen der Spezialeinsatzkräfte können auch dann wesentlich zur Vorbeugung und Eindämmung von Krisen und Konflikten beitragen, wenn der Einsatz herkömmlicher Kräfte nicht oder noch nicht angemessen erscheint. Alle Einsatzaufgaben sind dabei weltweit und unter allen klimatischen Bedingungen wahrzunehmen.

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 5/2014 vom 12. März

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