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Wehrpolitik

Vzlt Othmar Wohlkönig

Das Österreichische Bundesheer leistet einfach mehr

Gerade in den letzten Wochen und Monaten der parteipolitischen Auseinandersetzungen rund um das ÖBH wurde dessen Leistungsfähigkeit, insbesondere jener der Soldatinnen und Soldaten, massiv infrage gestellt.


So lange wir im Zentrum einer andauernden politischen Auseinandersetzung stehen, wird auch unser Bundesheer immer schlechter dargestellt werden, als es wirklich ist. Damit wird der steuerzahlenden Bevölkerung ein Bild vermittelt, das sich überwiegend nicht mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Bundesheeres deckt. Das Schlimme dabei aber ist, dass sich diese in der Boulevardpresse publizierte externe Meinungsbildung auf die Stimmungslage unserer Soldatinnen und Soldaten auswirkt.

Ein anderer Blick auf das ÖBH
Internationale Militärbeobachter sehen unser Heer mit anderen Augen. Zu den umfangreichen Aufgaben der rd. 60 in Österreich akkreditierten Verteidigungsattachés gehört auch die Bewertung von Entwicklungen im Gastland als Beitrag zur Erstellung des strategischen Lagebildes. Das beinhaltet auch die Meinungsbildung über die Streitkräfte.

US-Attaché Soto trat ab
Colonel Ulises José Soto war von 2008 bis 2012 als Verteidigungsattaché der Vereinigten Staaten von Amerika in Wien tätig. Colonel Soto kann auf eine umfangreiche Auslandserfahrung in Europa zurückblicken, seit er im Jahr 2000 in den diplomatischen Dienst eingetreten ist. 1978 begann er seine beeindruckende militärische Laufbahn und diese führte ihn von der Luftwaffe beginnend über die Rangerausbildung sowie zahlreichen Kommandanten- und Stabsfunktionen letztlich in den militärdiplomatischen Dienst. Seine sprachliche Kompetenz versetzte ihn in die Lage, sich seine Meinung über unser Heer in vielen Gesprächen mit Offizieren und Unteroffizieren zu bilden. Am 28. März 2012 beendete Colonel Soto nicht nur seine Verwendung als Verteidigungsattaché in Österreich, sondern er wurde auch in einem beeindruckenden Festakt in den Ruhestand verabschiedet.

Wunderbares Militär
Colonel Soto nahm die Gelegenheit wahr, um sich einerseits zu verabschieden und andererseits schilderte er in seiner Rede seine Eindrücke über Österreich. Neben Kultur und Land hat Colonel Soto besonders die Zusammenarbeit mit einem, wie er sagte, „wunderbaren Militär“ hervorgehoben. Zitat: „Die US-Streitkräfte haben große Ressourcen und Unterstützungen und sind daher oft verwöhnt. Sie erledigen viele, oft schwierige und gefährliche Missionen.“ Colonel Soto sagte weiters: „Ich bin Republikaner, aber ich kann ihnen versichern, dass wir unser Budget kürzen können, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden.“

US-Streitkräfte können vom ÖBH lernen
Colonel Soto stellte weiters fest: „Hier in Österreich haben Sie ein Militär, das mit einem fast nicht vorhandenen Budget Unglaubliches leistet. Ihre Politiker erwarten von Ihnen, dass Sie zur Stelle sind, wenn Sie gebraucht werden, aber sie verstehen es nicht, dass das Geld, Training und Zeit erfordert. Das Bundesheer ist immer das erste Ministerium, dem die Gelder gekürzt werden und trotzdem haben Sie über 1.500 ausgezeichnete Soldaten im Ausland, die wichtige Aufgaben des Weltfriedens übernehmen. Wann immer eine Katastrophe oder Tragödie innerhalb des Landes passiert, sind Sie schnell zur Stelle, um den Leuten zu helfen. Ihre Soldaten bekommen immer die höchsten Noten und Lob, wo immer sie auch dienen. Dies ist nur möglich durch die außergewöhnliche Qualität der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Irgendwie schaffen sie es immer, ihre Missionen zu erfüllen, trotz der vielen Hindernisse, die ihnen ihre Politiker in den Weg stellen, denn sie wissen, dass die Bevölkerung sie braucht und sie wollen sie nicht enttäuschen. Die US-Streitkräfte können viel vom Bundesheer lernen.“ Diese öffentliche Betrachtung eines erfahrenen Offiziers der US-Streitkräfte wirkt wie Balsam auf den Wunden der Soldatinnen und Soldaten, die durch eine jahrelange vernachlässigte Sicherheitspolitik verursacht wurden. Auch wenn wir ungewissen Zeiten entgegengehen, wo für jeden von uns noch große Herausforderungen warten werden, so sollten wir uns unser Selbstwertgefühl nicht nehmen lassen und uns darüber bewusst sein, dass unser Bundesheer mehr leistet, als uns von der politischen Führung zugestanden wird.

Weiter Europa
Colonel Ulises José Soto bleibt in Europa und er wird mit seiner charmanten Gattin sowie den beiden Söhnen nach Deutschland übersiedeln, wo er auch seine Frau kennengelernt hat. Wir, die Soldatinnen und Soldaten des ÖBH, wünschen ihm alles Gute für die Zukunft. Wir bedanken uns für die gelebte Kameradschaft und die objektive Beurteilung unserer Armee. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 8/2012 vom 25. April

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