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landesverteidigungsakademie

Bgdr Mag. Rene Segur-Cabanac

Der Wissenschaft verpflichtet

Die Gründung der Stabsakademie vor 50 Jahren

Es ist 50 Jahre her, als nach dem Zweiten Weltkrieg und der darauf folgenden Besatzungszeit die höhere Offiziersausbildung in der neu geschaffenen „Stabsakademie“ 1961 in der Wiener Stiftskaserne wiederum Einzug fand. Damit konnte ein Weg in der österreichischen Offiziersausbildung weiter fortgesetzt werden, der 1938 unterbrochen worden war. 


Die Zielsetzung der höheren Offiziersausbildung damals war durch Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges geprägt. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die Rahmenbedingungen der Sicherheitspolitik für das neutrale Österreich, an der Konfrontationslinie des Eisernen Vorhanges gelegen, eine neue verteidigungspolitische Konzeption verlangte, um dem Sicherheitsbedürfnis unserer Bürger entsprechen zu können. Dies führte zur Entwicklung des Konzeptes der Umfassenden Landesverteidigung.

Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kriegführung
Militärisches Handeln in diesem Konzept war in Wechselwirkung mit den Aspekten geistiger, wirtschaftlicher und ziviler Landesverteidigung zu sehen. Dieser umfassende Ansatz führte naturgemäß auch zu einer breiten Diskussion mit den Inhalten und Zielen der Ausbildung militärischer Führungskräfte. Neu und wesentlich dabei war die permanente wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sich ändernden Einflussfaktoren auf die moderne Kriegführung sowie deren Konsequenzen für unsere Gesellschaft im Zentrum Europas.   Modelle der Konfliktprävention, Möglichkeiten der Kampfführung eines Kleinstaates im Konfliktfall im hoch industrialisierten Europa und das Sicherstellen einer Durchhaltefähigkeit im Verteidigungsfall waren Inhalte der Forschung. Die Ergebnisse dieser Forschung bildeten Grundlagen für die Entwicklung von Verfahren in der Anwendung militärischer Mittel und beeinflussten dadurch auch die Ausbildung höherer militärischer Führungskräfte.

Gründung der LVAk
Die Notwendigkeit einer umfassenden Bildung für höhere Offiziere wurde erkannt und führte unter General Spannocchi 1967 zur Gründung der Landesverteidigungsakademie. Hier sollten wesentliche Aspekte moderner Kriegführung auch in Zusammenarbeit mit externen Forschungseinrichtungen untersucht und mögliche Lösungen mit Relevanz für die österreichischen Streitkräfte sowie anderer sicherheitspolitischer Akteure entwickelt werden. Die neu geschaffene Forschungsabteilung sowie die Lehrabteilung ermöglichten von Anfang an eine forschungsgeleitete Lehre an der LVAk. Eigene Forschungsaktivitäten wurden durch externe Expertisen ergänzt. Dadurch wurde frühzeitig die Schaffung eines Expertennetzwerkes mit anderen Forschungseinrichtungen ermöglicht, was andererseits zunehmend die Anerkennung der an der Akademie tätigen Forscher und Lehrer förderte. Dieser Umstand ermöglichte eine kontinuierliche Erweiterung der Forschungsorganisation an unserer Bildungsstätte.

Einrichtung der Institute
So gingen, um den zeitgemäßen Wissensbedarf entsprechen zu können, aus der ursprünglichen Forschungsabteilung die Institute für Strategie und Sicherheitspolitik, für Friedenssicherung und Konfliktmanagement sowie eines für Human- und Sozialwissenschaften hervor.
  In diesen Instituten wird jenes sicherheitspolitisch und militärisch relevante Wissen generiert, das als Grundlage in der Politikberatung, in der fachspezifischen Information sowie für die Durchführung der Lehre auf universitärem Niveau benötigt wird.
  Die Forschungsinhalte werden durch das Forschungsmanagement der Akademie koordiniert und im jährlichen Forschungsprogramm des ÖBH durch die Abteilung WFE/BMLVS verfügt.   Dem vermehrten Ausbildungsbedarf an Fremdsprachen, bedingt durch die wachsende Zunahme des internationalen Engagements Österreichs bei friedensschaffenden und friedenserhaltenden Einsätzen von EU und UN, konnte durch Einrichtung des Sprachinstituts des Bundesheeres (SIB) entsprochen werden. Dieses Institut verfügt heute, nach einem mehr als 10-jährigen Bestehen, über einen weit über das Ressort reichenden Ruf im Bereich der Translationswissenschaften.
  In der Abteilung Zentraldokumentation werden offene militärisch und sicherheitspolitisch relevante Informationen aus Printmedien und elektronischen Medien gesammelt, mittels Thesaurus beschlagwortet und dokumentiert, und an die Institute (Forscher oder Studienteilnehmer) sowie an alle Dienststellen des ÖBH verteilt. Ziel ist die Minimierung des Suchaufwandes bei der Recherche in Lehre und Forschung und Optimierung der Studienzeit sowie der Grundlagenarbeit.
  Darüber hinaus wird in dieser Abteilung das zentrale Thema Wissensmanagement für das ÖBH wahrgenommen. Hier entstehen Modelle zur Wissensgenerierung und Wissensverarbeitung, Thematiken, in denen die LVAk eine führende Rolle in Österreich innehat.
  Im Institut für Höhere Militärische Führung sind alle Lehrgänge für obere militärische und zivile Führungsfunktionen beheimatet. Hier wird in den Kernkompetenzen der militärischen Wissenschaft Militärstrategie, Operation, Taktik, Führungslehre und Versorgung geforscht und diese auf universitärem Niveau vermittelt. Hier wird auch der Strategische Führungslehrgang der Republik Österreich geführt, in dem sicherheitspolitisches Grundlagenwissen auf strategischer Ebene an ausgewählte Führungspersönlichkeiten aus allen Segmenten der österreichischen Gesellschaft nähergebracht wird.
  Dieses Institut ist auch die Heimat der österreichischen Generalstabsoffiziere.
  Die Österreichische Militärische Zeitschrift ist das wissenschaftliche Publikationsorgan des Bundesheeres und aus diesem Grund mit der Redaktion in der LVAk eingegliedert. Sie ermöglicht fachspezifische Erörterung von Themen der Polemologie, der Operation, der Taktik und der Führung sowie sicherheitspolitischer Thematiken auf wissenschaftlichem Niveau und ist unter europäischen Fachzeitschriften hoch anerkannt.

Herausforderungen angenommen
Die Landesverteidigungsakademie hat sich den Herausforderungen der letzten zehn Jahre am Bildungsund Forschungssektor gestellt. Der Entwicklung am tertiären Bildungssektor wurde durch das nunmehr akkreditierte Masterstudium „Militärische Führung“ im Rahmen des Fachhochschulgesetzes entsprochen und bildet somit den Anschluss an das Bachelorstudium „Militärische Führung“ an der TherMilAk.
  Eine Weiterentwicklung zur Bildungsstätte der Militärischen Wissenschaften auf universitärem Niveau, wie sie kürzlich der Wissenschaftsrat der Republik Österreich in seiner Empfehlung vorgeschlagen hat, ist beabsichtigt. Hier liegt eine der Herausforderungen für die Zukunft.
  Im Forschungsbereich haben Experten der Akademie maßgeblich am Forschungskonzept des Bundesheeres mitgewirkt. In diesem Konzept, das die Leitlinie jeder Forschungstätigkeit im Bundesheer festlegt, hat die LVAk die Aufgaben des Forschungsmanagementelementes für alle Soft Science-Projekte und Wissensmanagement wahrzunehmen. Hier bewährt sich das über Jahre gewachsene nationale und internationale Netzwerk von Forschern mit den Experten aus dem eigenen Haus.
  Insbesondere wäre dabei die erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen der Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Wissenschaftskommission beim BMLVS sowie mit der Universität Wien, der Universität für Bodenkultur sowie der Universität der Bundeswehr in München zu nennen.
  Insgesamt eine Entwicklung, die Zuversicht für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen der höchsten Bildungs- und Forschungsstätte geben sollte.
  Dem Motto der Akademie gerecht: Viribus Unitis – der Wissenschaft verpflichtet. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 12/2011 vom 22. Juni

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