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personelles

Hauptmann Mag. (FH) Harald Reitbauer

Die Kaderschmiede für das ÖBH

Die Lehrkompanie des PzStbB 4

Die im Zuge der Reform ÖBH 2010 aufgestellten und den Brigaden zugeordneten Lehrkompanien ermöglichen nunmehr die Ausbildung, Erziehung und Formung des eigenen Kadernachwuchses entsprechend den Bedürfnissen der Truppe.


Die Aufgaben der Lehrkompanie sind die Durchführung von Chargenkursen (ChK), Einjährig Freiwilligen Kursen (EFK1 bzw. EFK 2) sowie die Durchführung des Vorbereitungssemesters (VbS) für die Theresianische Militärakademie. Seit 2009 wird auch der Nachfolger des Chargenkurses, der neu geschaffene Kurs Militärische Führung 1 (MilFü1), bei der Lehrkompanie abgehalten. Am 4. Oktober haben 140 Unteroffiziersanwärter mit der Ausbildung im 4. MilFü1 in Freistadt begonnen.
Bei allen Kursen steht das Ausbilden des militärischen Handwerkszeuges im Mittelpunkt. Praxisbezogenes Arbeiten und Führen im Gefechtsdienst hat Vorrang vor theoretischen Lehrsaalkursen. Darauf aufbauend ist ein wesentlicher Kernauftrag das Vermitteln jener Kenntnisse und Fertigkeiten, die für jede Kommandantentätigkeit notwendig sind.
Darüber hinaus werden Werte und soldatische Tugenden, die für die Einordnung in das Bundesheer unabdingbar sind, weitergegeben und anerzogen.

Aufgaben am Beispiel EF
Zielsetzung des Einjährig Freiwilligen-Kurses 1 ist das Vermitteln der für alle Waffengattungen und Funktionen erforderlichen infanteristischen Grundlagen am Modell der Jägergruppe. Neben der Einjährig Freiwilligen-Basisausbildung 1 und erweiterten Basisausbildung 1 werden im Verlauf des Ausbildungsganges die Inhalte einer vorbereitenden Kaderausbildung an den Kursteilnehmer gebracht.
Der Einjährig Freiwilligen-Kurs 2/Jäger für Milizoffiziersanwärter, der neben der Heerestruppenschule auch bei der Lehrkompanie/PzStbB 4 durchgeführt wird, vermittelt die erforderlichen waffengattungsspezifischen Grundlagen am Modell der Jägergruppe.
Auch in diesem Bereich war und ist die Lehrkompanie tätig. Beginnend mit 1. Oktober 2007 führte die Lehrkompanie einen Einjährig Freiwilligen-Kurs 1 mit 113 Kursteilnehmern durch. Nach der Bestenauswahl am TÜPl Allentsteig folgte die Zuweisung eines Einjährig Freiwilligen-Kurses 2/Jäger für Milizoffiziersanwärter.
2009 wurde ab 1. September wiederum ein Einjährig Freiwilligen-Kurs 1 bei der Lehrkompanie/PzStbB 4 durchgeführt, an den das Vorbereitungssemester für die TherMilAk anschloss.

Philosophie
Was diese unterschiedlichen Kurse verbindet, ist die Tatsache, dass bei den Lehrkompanien der Brigaden jener Kadernachwuchs im Offiziers- und Unteroffiziersbereich ausgebildet und geformt werden kann, der später auch in den Brigaden Dienst versehen wird. Somit findet keine Fremdausbildung für irgendeinen Abnehmer statt, sondern die Ausbildung für den eigenen Bedarf.
Genau hier liegt das Schwergewicht der Lehrkompanie. Jeder Kursteilnehmer soll nicht einfach nur ausgebildet werden, sondern ihm sollen im Verlauf des Kurses Bilder vermittelt werden, an denen er sich während seiner weiteren Karriere orientieren und messen kann. Die Inhalte dieser Bilder sind Führen durch Vorbild, hohe Qualität in der Ausbildung, ziel- und auftragsorientiertes Handeln, Kameradschaft, Disziplin, bewusste Inkaufnahme von Strapazen sowie praktisches Arbeiten statt theoretischer Unterrichte.
Den Gruppen- und Zugskommandanten der Lehrkompanie kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Sie sind die Vorbilder und Vorkämpfer ihrer Soldaten. Der Zugskommandant führt seinen Zug in allen Situationen (Märsche, Gefechtsdienst usw.) persönlich und unmittelbar. Der Gruppenkommandant als Fachmann bringt das Wissen praktisch an den Mann bzw. die Frau, führt seine Gruppe im Gefechtsdienst, zeigt alles vor, nimmt an Märschen, Waffenläufen usw. teil, vermittelt grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten und wirkt ebenfalls als Vorbild.
Ziel ist es, die jungen Kaderanwärter am Vorbild lernen zu lassen und von Beginn an zu einem leistungsfähigen, leistungswilligen, gut ausgebildeten und selbstbewussten Soldaten zu formen, der sich seiner Fähigkeiten und Verantwortung bewusst ist und dies auch anderen vorleben kann und will.
Durch gezielte Steigerung der Belastung wird die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Kursteilnehmers angehoben, aber auch die persönlichen Grenzen werden aufgezeigt. Dadurch erkennen die jungen Soldaten, was sie imstande sind, zu leisten und gewinnen an Selbstvertrauen.
Für die Lehrkompanie bietet sich hier die Möglichkeit, maßgeblich an der Formung des Führungspersonals der Zukunft mitzuarbeiten. Dem zugrunde liegt ein strenger Maßstab, der in einem Satz zusammengefasst lautet: „Nicht jeder kann Offizier/Unteroffizier im Österreichischen Bundesheer werden.“

Qualität in der Ausbildung
Als Lehr- und Ausbildungsstätte werden bei der Lehrkompanie nicht nur jene Inhalte vermittelt, die in den jeweiligen Dienstvorschriften vorgegeben sind, sondern auch Inhalte, die über dieses grundlegende Wissen hinausgehen. Hierbei verlangt der Qualitätsanspruch der Lehrkompanie, dass umfassend nicht nur das ausgebildet wird, was unbedingt sein muss, sondern auch jene Inhalte abgebildet werden, die zusätzlich von Nutzen sein können. So werden bspw. Schießtechniken, die im Zuge der Schießausbilderseminare gezeigt wurden, in die laufende Ausbildung eingebunden und weitergegeben.
Grundlage hierfür ist, dass das eingesetzte Personal fachliche Qualifikationen aufweist, die über das normale Maß hinausgehen. Ortskampfseminare, Scharfschützen- und Nahkampfkurse, Sportausbilder sind nur einige der Eckdaten, die das eingesetzte Personal beschreiben. Jeder Kursteilnehmer muss spüren, dass er in allen Bereichen durch kompetente und erfahrene Kommandanten ausgebildet wird.
Begleitend werden jene Rahmenbedingungen geboten, die ein Erreichen der über die geforderten Ausbildungsziele gesteckten Ziele ermöglichen.
Durch Ausstattung der Lehrsäle mit modernstem Gerät und unter Einbindung verschiedenster Medien werden neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung eröffnet.
Die praktische Ausbildung im Gefechtsdienst wird durch Beistellung von Duellsimulatoren, Luftfahrzeugen und Feinddarstellern von Beginn an auf ein hohes Niveau gehoben und gehalten. So wurden im Zuge eines 24 Std. Kampftages während des EFK2 ein Zug Panzergrenadiere, ein Halbzug Jagdpanzer, zwei PC 6 für einen Sprühangriff und ABC-Abwehr Elemente zur Dekontamination eingesetzt, um ein anschauliches Bild für die Kursteilnehmer zu bieten und Ausbildung weg vom „Angenommen, dass“ durchzuführen.
Weiters greift die Lehrkompanie auf das im PzStbB 4 und in der 4. PzGrenBrig vorhandene Know-how und Gerät zurück und stützt sich auf Experten aus dem Bereich Fernmeldedienst oder ABC-Abwehr ab. Dabei wird Wissen, das in der Lehrkompanie nicht in diesem Umfang vorhanden ist, von außen zugeführt, um auch hier die geforderte Wirkung zu erzielen.
Gerade in der Kaderausbildung kann nicht zu viel an Zeit und Material investiert werden, um einen soliden Grundstock für die weitere Verwendung der Kursteilnehmer zu schaffen.

Fazit
Die der 4. PzGrenBrig zugeordnete Lehrkompanie erlaubt die Ausbildung, Erziehung und Formung des eigenen Kadernachwuchses und bieten die Möglichkeit, entsprechend den Bedürfnissen der Truppe auszubilden. Im Mittelpunkt steht das Ausbilden des militärischen Handwerkszeuges, praxisbezogenes Arbeiten und Führen im Gefechtsdienst. Darauf aufbauend werden jene Kenntnisse und Fertigkeiten, die für jede Kommandantentätigkeit notwendig sind, vermittelt, aber auch Werte, soldatische Tugenden und eine gesunde Grundhaltung anerzogen, die für die Einordnung in das Bundesheer unabdingbar sind.
Ziel ist es, den jungen Kaderanwärter am Vorbild lernen zu lassen und zu einem leistungsfähigen, leistungswilligen, gut ausgebildeten und selbstbewussten Soldaten zu formen, der sich seiner Fähigkeiten und Verantwortung bewusst ist und dies auch Anderen vorleben kann und will.
Der Stellenwert dieser Aufgabe ist hoch, da hierbei die militärischen Führer der Zukunft bestmöglich auf ihre Aufgaben vorzubereiten sind.

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 20/2010 vom 20. Oktober

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