HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
Wehrtechnik/Wehrpolitik

Obst Georg Klecatsky, MSD

Die Luftfahrzeugrettungs- & ABC-Abwehrzüge des KdoLuU (1)

Flughafenfeuerwehren – was sollen die schon groß zu tun haben? Die Zeit totschlagen mit Warten, dass nichts passiert. Stimmt nicht. Die Luftfahrzeugrettungs- & ABCAbwehrzüge des Kommandos Luftunterstützung haben mannigfaltige, interessante und v.a. wichtige Aufgaben im Betrieb der militärischen Flugplätze des Österreichischen Bundesheeres zu erfüllen.


Das Kommando Luftunterstützung betreibt als großer Verband des Österreichischen Bundesheeres insgesamt 70 Luftfahrzeuge (S-70 Black Hawk, Agusta Bell 212, Alouette III, OH-58 Kiowa, Pilatus Porter PC-6, C-130 Hercules) sowie die dazu erforderlichen Militärflugplätze in
- Hörsching (OÖ),
- Langenlebarn (NÖ),
- Wr. Neustadt (NÖ) und
- Aigen i. Ennstal (ST) sowie
- Hubschrauberstützpunkte in Schwaz (T) und Klagenfurt (K).
Einen wesentlichen Beitrag zur Flugsicherheit leisten auf diesen Militärflugplätzen sogenannte Luftfahrzeugrettungs- und ABCAbwehrzüge bzw. -gruppen (= militärische Flughafenfeuerwehren).

Drei Aufgabenbereiche
Die Aufgaben dieser militärischen Flughafenfeuerwehren sind sehr vielfältig und umfassen die Auftragserfüllung in den drei Bereichen:
• Rettung von Militärluftfahrzeuginsassen bei Flugunfällen bzw. -notfällen in der An- und        Abflugphase unter Einsatz einer Rettungskolonne (Crash Crew) während der   Flugbetriebszeit als Hauptaufgabe („Luftfahrzeugrettungsdienst“),
• (abwehrender) Objektbrandschutzdienst am jeweiligen Fliegerhorst (24 Std. täglich – 7   Tage die Woche) mit einem Tanklösch- (TLF) bzw. Flughafenlöschfahrzeug (FLF) – analog   einer Betriebsfeuerwehr und
• ABC-Abwehrdienst (Spürund Dekontaminationsmaßnahmen an Lfz und Besatzungen nach   erfolgter Kontamination mit atomaren, biologischen oder chemischen Stoffen).
Aufgrund der umfangreichen Aufgaben konzentriert sich dieser Bericht auf die Hauptaufgabe des Luftfahrzeugrettungsdienstes und geht daher auf die Aufgaben des Objektbrandschutz- und des ABC-Abwehrdienstes nicht näher ein. Die große Herausforderung in der Hauptaufgabe des „Luftfahrzeugrettungsdienstes“ besteht in der Fähigkeit, unverzüglich bei Flugnotfällen bzw. Flugunfällen mit der Rettungskolonne (Crash Crew) durch
• Brandbekämpfung an Lfz,
• Rettung der Lfz-Besatzungen und Passagiere sowie
• Bergung von Luftfahrzeugen
einzugreifen.

Alarmarten
Bei Luftfahrzeugunfällen besteht die Gefährdung der Besatzung sowohl durch thermische Einwirkungen (Hitzestrahlung, Flammenberührung, Wärmestau) als auch durch mechanische Einwirkungen infolge eines Aufschlages. Überlebt die Besatzung die mechanischen Einwirkungen eines Absturzes, so folgt unter Umständen die Gefahr von thermischen Einwirkungen. Es beginnt der Wettlauf gegen die Zeit, um die Besatzung noch rechtzeitig aus dem entstandenen Treibstoff- bzw. Luftfahrzeugbrand retten zu können. Zwei Alarmarten,
- der Bereitschaftsalarm und
- der Einsatzalarm,
sollen ein rasches Eingreifen der ständig in den Bereitschaftsräumen verfügbaren Besatzung der Rettungskolonne sicherstellen.

Bereitschaftsalarm
Ist ein Flugnotfall vorauszusehen, indem z.B. der Pilot bereits im Landeanflug über Funk technische Probleme an den Tower meldet, so wird der Bereitschaftsalarm ausgelöst. In diesem Fall gilt eine unverzügliche Sitzbereitschaft für das Löschpersonal in den auf dem Bereitschaftsplatz aufgestellten Löschfahrzeugen. Dabei sind die Schutzausrüstung anzulegen, die Empfangsbereitschaft der Funkgeräte herzustellen und die Fahrzeuge zu starten, um die Motoren warmlaufen zu lassen. Auch der Notarzt- bzw. Sanitätskraftwagen bezieht Aufstellung bei der Rettungskolonne. Abhängig von der Art des Flugnotfalles kann die Rettungskolonne auch zur Piste vorgezogen werden, wobei der erforderliche Sicherheitsabstand zur Piste eingehalten wird.

Einsatzalarm
Der Einsatzalarm erfolgt ohne Vorwarnung – z.B. bei einem Aufschlag eines Luftfahrzeuges auf den Boden, bei Vogelschlag, Triebwerksschaden bzw. bei einem Zusammenstoß zweier Luftfahrzeuge in der Luft oder auf dem Boden – und bedeutet den unverzüglichen Einsatz am Unfallort. Bei allen Flugnotfällen ist es von besonderer Bedeutung, dass der Kommandant der Rettungskolonne vom Tower bzw. von der Militärflugleitung so rasch wie möglich über Funk Informationen bezüglich
- der Art und des Ortes des Notfalles,
- des Luftfahrzeugtyps,
- der Anzahl der Insassen,
- der Treibstoffmenge sowie
- des Bewaffnungssystems
erhält, um mit der Lagebeurteilung und den ersten Einsatzmaßnahmen beginnen zu können. Darüber hinaus sieht die Alarmordnung den „Probealarm“ zur täglichen Funktionsüberprüfung der Alarmierungsmittel sowie den „Übungsalarm“ zum Zweck der Ausbildung und zur Überprüfung der durch den Einsatzplan des Such- und Rettungsdienstes festgelegten Verfahren vor. Einsatzmittel der Rettungskolonne Die auf den o.a. Militärflugplätzen während der Flugbetriebszeiten bereitgestellten Rettungskolonnen (Crash Crew) umfassen – als Sollerfordernis – jeweils
• 1 Kommandofahrzeug
• 2 Flughafenlöschfahrzeuge FLF 5000/1000 (in Wr. Neustadt nur 1 FLF)
• 1 LKW mit Berge- und Rettungsmittel
• 1 KranKw PK30 (in Hörsching und Langenlebarn)
• 1 Notarztwagen bzw. SanKw
mit den entsprechenden Feuerlösch-, Berge- und Rettungsbesatzungen sowie eine Vielzahl von Zusatzausrüstungen. wird fortgesetzt 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 8/2012 vom 25. April

Drucken