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Sicherheitspolitik

Mag. Siegrid Wilhelm

Es war einmal ein Väterchen

Die erste Sonderausstellung der Bergiselstiftung im wiedereröffneten Kaiserjägermuseum widmet sich Feldmarschallleutnant Guido Novak von Arienti und seiner Familie. Einzigartige Originalstücke, viele Bilder und Dokumente aus dem Familienbesitz des Regimentskommandanten der Tiroler Kaiserjäger sind von 6. April bis 4. November unter dem Titel „Es war einmal ein Väterchen. Aus dem Leben eines Kaiserjägeroffiziers“ im Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum zu sehen.


Innsbruck. Nach der Renovierung und Wiedereröffnung des Kaiserjägermuseums im März 2011 zeigt die Bergiselstiftung jetzt bis 4. November ihre erste Sonderausstellung. Im Mittelpunkt steht der Kaiserjägeroffizier Guido Novak von Arienti und seine Familie. In der Geschichte der Kaiserjäger ist Guido Novak von Arienti eine namhafte Persönlichkeit. 1910 übernahm er als Oberst das Kommando des 1. Tiroler Kaiserjägerregimentes in Innsbruck. Die Kaiserjägerregimenter galten als verlässliche Truppe, das 1. Regiment der Kaiserjäger war das Innsbrucker Hausregiment. Für die Offizierskameraden und späteren Generationen gilt Novak von Arienti als „Vater des 1. Regimentes“. Unvergesslich sind sein hoher Idealismus, sein Gerechtigkeitssinn, seine rücksichtslose Offenheit, seine Hilfsbereitschaft, seine Heiterkeit und seine bedürfnislose Lebensführung. Novak von Arienti erlebte Friedensund Kriegszeiten. Er setzte sich stark für die Verbesserung des Ausbildungsstandes des Regimentes ein. Als letzter Regimentskommandant der Friedenszeit war er zugleich ein Förderer des Kaiserjägermuseums.

Auf den Spuren eines Kaiserjägeroffiziers
Die Besucher begeben sich in dieser Sonderausstellung auf eine Reise in die längst versunkene Welt der Habsburger- Monarchie, vom fernen Galizien zum südlichen Gardasee, von Kärnten in die gebirgige Welt Tirols. Gezeigt werden Schauplätze der schweren Kämpfe des Ersten Weltkrieges, Szenen aus dem Leben der Soldaten und Offiziere, einzigartige Originalstücke sowie viele Bilder und Dokumente aus dem Familienbesitz Guido Novaks von Arienti. Der Ordensnachlass und persönliche Gegenstände wie Reisewecker, Zigarettendose und Zwicker sind ebenso zu sehen wie Uniformen, Blankwaffen und Ausrüstungsgegenstände. Beleuchtet wird auch der Werdegang der Söhne Novaks, die ebenfalls die militärische Laufbahn einschlugen.

Erste Sonderausstellung der Bergiselstiftung im wiedereröffneten Kaiserjägermuseum
Verwirklicht wurde die erste Sonderausstellung der Bergiselstiftung im wiedereröffneten Kaiserjägermuseum in Zusammenarbeit mit dem Traditionsverband „k.k. Landwehrinfanterieregiment Linz Nr. 2 – Militärwissenschaftliche Abteilung“. Die Konzeption und Gestaltung oblag Kurator Andreas Danner. „Die Bergiselstiftung freut sich sehr, diese Exponate aus dem Privatbesitz des Kommandanten des 1. Tiroler Kaiserjägerregimentes aus der Zeit der Doppelmonarchie im Rahmen der ersten Sonderausstellung im wiedereröffneten Kaiserjägermuseum zeigen zu können. Die Laufbahn Novaks von Arienti als vorbildlicher Offizier seiner Zeit wird hier in einen historischen Kontext gestellt und so die Geschichte der Kaiserjäger und der alten Armee von einer weiteren Seite beleuchtet“, unterstreicht Mag. Ing. Josef Ammann von der Bergiselstiftung die Bedeutung der Schau. „Der Umfang und die Qualität des Nachlasses von Feldmarschallleutnant Guido Novak von Arienti haben mich zutiefst beeindruckt und zur Recherche und Auswertung der gesammelten Daten veranlasst. Ergebnis ist diese Ausstellung, die seit 2007 mehrmals gezeigt werden konnte“, hält Kurator Andreas Danner fest.

Bewegtes Leben zwischen Friedens- und Kriegszeiten
Guido Novak von Arienti wurde 1859 als Sohn eines k.u.k. Marineoffiziers und einer Italienerin in Mailand geboren, als die Lombardei noch Teil Österreich-Ungarns war. Wie viele Buben seiner Zeit erlernte er den Offiziersberuf. Als Halbwaise, sein Vater war schon früh verstorben, verbrachte er eine entbehrungsreiche Jugend und ein karges Leben in den Militärschulen und Garnisonen weitab von den Zentren Österreich-Ungarns. Nach über 20 Jahren im fernen Galizien konnte Novak von Arienti am anderen Ende der Monarchie erstmals in Kärnten, dann in Innsbruck bei den „Tiroler Kaiserjägern“ ein eigenes Kommando übernehmen und bewährte sich dabei. Mit Beginn des Jahres 1914 rückte er in eine höhere Funktion auf und nahm als Kommandant der 1. Gebirgsbrigade in Mostar im Juni 1914 an den Manövern bei Sarajevo teil. Mit dem Mord am Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni in Sarajevo und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog Guido Novak von Arienti als Generalmajor in den Krieg und wurde in vorderster Linie am südlichen Kriegsschauplatz schwer verwundet. Nach seiner Genesung übernahm er wieder das Kommando über seine Brigade, mit der er im Mai 1915 an die Italien-Front abging. Nur wenige Wochen später stand die Einheit Novaks an der Isonzo Front in härtesten und verlustreichen Abwehrschlachten verschiedenen italienischen Verbänden gegenüber. Die Kämpfe wurden in einer bisher noch nie da gewesenen Intensität geführt. Für seine Leistungen in den Kämpfen nächst der Ortschaft Plava, nördlich Görz im heutigen Slowenien, erwarb sich Novak das Ritterkreuz des Maria-Theresien- Ordens. Als Kommandant einer Division erfolgte im August 1917 seine Beförderung zum Feldmarschallleutnant und die Berufung als Kommandant der Theresianischen Militärakademie in Wr. Neustadt. Hier erlebte Novak von Arienti den Zusammenbruch der Monarchie und den Zerfall der ihn seit Kindesbeinen prägenden Welt samt ihres Wertesystems. Ein Vorgang, den er weder akzeptieren konnte noch wollte. Nach seiner Pensionierung 1919 übersiedelte er mit seiner Frau nach Wien. Wie viele ehemalige Frontsoldaten litt Novak zunehmend an den Folgeerscheinungen seiner Kriegsverletzungen. Die Begräbnisfeierlichkeiten des 1927 in Wien verstorbenen Feldmar schallleutnants fanden am Geburtstag des von ihm verehrten Kaisers mit allen militärischen Ehren und großer Beteiligung der Bevölkerung statt.

Das Kaiserjägermuseum
Das Regimentsmuseum der Tiroler Kaiserjäger wurde 1880 im alten, für museale Zwecke adaptierten Schützenhaus der Kaiserjäger am Bergisel eröffnet. Im Laufe seiner Geschichte erfuhr das Museum mehrere Erweiterungen und Renovierungen. Seit 2011 ist es unterirdisch mit dem Tirol Panorama verbunden. Das Kaiserjägermuseum zeigt reichhaltige Sammlungen von Bildern, Fahnen, Waffen, Uniformen, Karten und Auszeichnungen aus der Geschichte der Tiroler Kaiserjägerregimenter, insbesondere des Ersten Weltkrieges. Die Andreas- Hofer-Galerie erinnert u.a. mit Gemälden und Sammlerstücken an die Zeit der Freiheitskämpfe 1809. Das Tiroler Ehrenbuch mit den Namen vieler gefallener Tiroler der Jahre 1796 bis 1945 wird in der Landesgedächtniskapelle aufbewahrt. Der Alt-Kaiserjägerclub gestaltet in Zusammenarbeit mit der Bergiselstiftung seit 1998 Sonderausstellungen, bei denen Materialien aus dem Kaiserjägerarchiv und Privatsammlungen aufbereitet werden. Als „Museum im Museum“ zeigt das Kaiserjägermuseum ein Regimentsmuseum im Stil des Übergangs zum 20. Jh. Thematisiert werden das Regimentsleben, die Regimentsgeschichte sowie herausragende Persönlichkeiten der Kaiserjäger. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 8/2012 vom 25. April

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