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nationalfeiertag 2011

BMLVS/Red/ObstltdG Loschek

EU-Battle Group 2011-1

Nationalfeiertag 2011: Ein Schwergewicht der Präsentation des Österreichischen Bundesheeres auf dem Heldenplatz ist die Teilnahme an den Europäischen Krisenreaktionskräften. Mit 30. Juni 2011 ging die Beteiligung an der Battle Group 2011-1 zu Ende. Ein Rückblick und ein Resümee des Kommandanten der österreichischen Teile, ObstltdG Andreas Loschek.


EUBG formiert sich
Rd. 180 Soldaten, darunter zwei Soldatinnen, formierten sich Anfang April 2010 in der Kaserne des Jägerbataillons 17 im steirischen Straß. Sie stellten den österreichischen Anteil an der EUBG 11-1. Im ersten Halbjahr 2010 erfolgte die Einsatzvorbereitung in Österreich, danach trainierte der Verband im internationalen Rahmen.
  Geführt wurde die Battle Group von den Niederlanden. Neben Österreich stellten Deutschland, Finnland und Litauen Truppen. Der österreichische Anteil setzte sich aus einer gepanzerten Infanteriekompanie sowie aus einem Führungs- und Versorgungsanteil zusammen.

Übung in Belgien
Im Oktober 2010 trainierten rd. 1.700 Soldaten bei der Übung „European Rhino 1“ im belgisch-niederländischen Grenzgebiet. Die Soldaten bereiteten sich auf mögliche Einsätze als Battle Group der Europäischen Union vor, Teil des Verbandes waren auch die 180 Soldaten des Österreichischen Bundesheeres.
  Nach dem Eintreffen der Österreicher in den Niederlanden, ihre Fahrzeuge kamen per Zug ins Übungsgebiet, begannen die Vorsorgungseinheiten, gesichert durch Mannschaftstransportpanzer Pandur, mit dem Antransport und Aufbau der für die Soldaten notwendigen Infrastruktur.
  Neben dem Übungsszenario nutzten die österreichischen Soldaten die Zeit, um ihre Kameraden aus den Niederlanden, Deutschland, Finnland und Litauen kennenzulernen sowie ihre Ausrüstung vorzustellen; so übten unter Anleitung der Österreicher niederländische Soldaten mit Sturmgewehren des Bundesheeres am Schießplatz im Grenzgebiet.

Übungsphase
Im Rahmen des Übungsszenarios wurden die österreichischen Soldaten alarmiert: Grund war eine Auseinandersetzung zweier verfeindeter ethnischer Gruppen bei einer Gedenkstätte in der Nähe der Stadt Eksel in Belgien. Die Lage begann zu eskalieren, begleitet von Sprechchören fanden Wurfgeschosse erste Ziele.
  Den Soldaten der gepanzerten Infanterieeinheit gelang es, sich zwischen die Gruppen zu stellen und die Streitparteien zu trennen. Die Soldaten verwendeten dabei eine spezielle Schutzausrüstung, auch ein neuartiger Einmann-Wasserwerfer kam zum Einsatz. Um den Abstand zwischen den beiden Gruppen zu vergrößern, wurde eine Mauer aus Soldaten und Pandur-Panzern gebildet: Auf diese Entfernung wurden die Wurfgeschosse wirkungslos und die Gruppen ließen voneinander ab.

Das EUBG-Konzept
Mit dem Battle Group-Konzept deckt die EU verschiedene Szenarien im
Rahmen des „Petersberg-Abkommens“ ab, die wahrscheinlichsten Szenarien sind:
• friedenserhaltende Einsätze
• Stabilisierungs- und Wiederaufbaumaßnahmen nach Konflikten
• friedensschaffende Maßnahmen
• humanitäre Einsätze
• Rettungseinsätze
Im Einsatzfall sollen die Soldaten bis zu 30 Tage selbstständig handlungsfähig sein, die Einsatzdauer kann auf bis zu 120 Tage verlängert werden.

Ab Jänner 2011 mit 180 Soldaten einsatzbereit
Ab 1. Jänner war das Bundesheer mit rd. 180 Soldatinnen und Soldaten – neben niederländischen, deutschen, finnischen und litauischen Streitkräften – für sechs Monate an der EU-Battle Group beteiligt.
  Diese Krisenreaktionskräfte der EU haben innerhalb von fünf Tagen abmarschbereit zu sein. Die Entscheidung für einen Einsatz bedarf eines einstimmigen Beschlusses des Rates der Union. Der Einsatz österreichischer Soldaten setzt außerdem die Zustimmung der Bundesregierung im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss des Nationalrates voraus.
  „Europa muss zum Schutz seiner Bürger sicherheitspolitisch handlungsfähig sein, deshalb halte ich die ‚Battle Groups‘ für sinnvoll und richtig. Europäische Sicherheit ist österreichische Sicherheit“, stellte Verteidigungsminister Norbert Darabos in diesem Zusammenhang fest.

Erste Beteiligung planmäßig beendet
„Mit 30. Juni wurde die Zusammenarbeit innerhalb der EUBG 2011-1 planmäßig beendet. „Die Erfahrungen, die das Österreichische Bundesheer im letzten halben Jahr im Rahmen der Battle Group gemacht hat, werden uns 2012 bei der nächsten Teilnahme sicher zugutekommen. Und unsere Soldatinnen und Soldaten werden wieder unter Beweis stellen, dass sie absolute Profis sind und über hohe, international anerkannte Kompetenz verfügen“, so Verteidigungsminister Norbert Darabos.
  Das Österreichische Bundesheer stellte für die EUBG eine gepanzerte Infanteriekompanie sowie Soldaten für Führungs- und Versorgungsaufgaben. Ausgerüstet u.a. mit Mannschaftstransportpanzern Pandur sowie dem neuen gepanzerten Hakenladesystem zum Transport von Versorgungsgütern und Ausrüstungsgegenständen bestand die Truppe aus Soldaten der Kaderpräsenzeinheit des JgB 17 und des JgB 19.

Resümee des Kontingentskommandanten
Die erste österreichische Beteiligung an einer EUBG ist mit 30. Juni 2011 zu Ende gegangen, ohne dass es zu einem Einsatz gekommen ist. Unter der Führung der Niederlande hat sich das österreichische Kontingent von 1. Jänner bis 30. Juni zusammen mit Soldaten aus Deutschland, Finnland und Litauen für mögliche Einsätze im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheitsund Verteidigungspolitik der Europäischen Union bereitgehalten.
  Die Vorbereitung auf diese Herausforderung erfolgte in mehreren Phasen:
1. Nationale Vorbereitungsphase im ersten Halbjahr 2010: Herstellen der Einsatzbereitschaft     des österreichischen Kontingentes.
2. Internationale Vorbereitungsphase im zweiten Halbjahr 2010: Zusammenführen der        multinationalen Kräfte und die Durchführung von zwei Übungen (EUROPEAN RHINO 1 und     2) zur Integration von Personal und Einheiten.
3. Stand-by-Phase in der ersten Jahreshälfte 2011: Bereithalten der Kräfte und Fortführung     der Planungen und Vorbereitungen für mögliche Einsätze und
4. Nachbereitungsphase zur Auswertung der gemachten Erfahrungen.

Fast - Flexible - Ready
Die gesamte Vorbereitung des österreichischen Kontingentes erfolgte nach dem Motto „Fast - Flexible - Ready“, das vom Konting e n t s k omma n d a n t e n ObstltdG Andreas Loschek als Grundlage für jegliches Handeln vorgegeben wurde, da es die notwendigen Tugenden und Fähigkeiten einer Krisenreaktionskraft am besten beschreibt. Die wohl größte Herausforderung bestand nämlich darin, dass man eigentlich nicht genau weiß, worauf man sich vorbereiten soll. Die Beschreibung des möglichen Einsatzraumes mit ca. 6.000 km rund um Brüssel weist eine Vielzahl verschiedener klimatischer Zonen auf, die teilweise unterschiedliches Gerät verlangen. Das Einsatzspektrum von der humanitären Hilfeleistung bis zum robusten Trennen von Konfliktparteien verlangt jeweils anderes Auftreten und Agieren der Soldaten im Einsatzraum. Zusätzlich musste das Kontingent auf unterschiedliche Akteure vorbereitet werden: Von unterschiedlichen staatlichen und nicht staatlichen Einrichtungen, unbeteiligten Zivilisten, hilfesuchenden Schutzbedürftigen, kriminellen Einzelpersonen und Organisationen über terroristische Netzwerke bis hin zu militärischen Einheiten reicht das breite Spektrum, auf das es sich vorzubereiten und einzustellen gilt, da jeder anders agiert und andere Reaktionen erfordert.

Professionell und verlässlich
Dies gelang dem Bundesheer im Wesentlichen durch eine gut organisierte und intensive Ausbildung in Österreich und im Ausland. Bei den internationalen Übungen konnten die Österreicher beweisen, dass sie professionelle und verlässliche Partner sind, was durch ranghohe internationale Kommandanten immer wieder bestätigt wurde.
  Die Stand-by-Phase im ersten Halbjahr 2011 war v.a. durch die politischen Entwicklungen in den Krisenregionen rund um Europa gezeichnet. Die politischen Entwicklungen in den Unruheregionen wurden dabei ständig beobachtet und mögliche Auswirkungen auf die EUBG beurteilt, auch wenn es final nicht zu einem Einsatz selbiger kam.
  Nach der Beendigung der Stand-by-Phase wurden die gemachten Lehren zusammengefasst, um diese bei zukünftigen Auslandsoperation einfließen lassen zu können.
  Zusammenfassend bleibt festzuhalten:
  Die Soldatinnen und Soldaten des österreichischen Kontingentes der EUBG 2011-1 konnten im internationalen Umfeld die hohe Professionalität unter Beweis stellen und waren gern gesehene und respektierte Partner.
  Auch relativ kleine Staaten sind in der Lage, wertvolle militärische Beiträge für internationale Organisationen zu liefern, auch im Rahmen von Krisenreaktionskräften mit einem derartig hohen Bereitschaftsgrad wie jene der EUBG.
  Aus der Zusammenarbeit mit den anderen vier truppenstellenden Nationen und im Rahmen der Planungen und Übungen konnten wesentliche Erkenntnisse für zukünftige BG-Beteiligungen und mögliche Einsätze gezogen werden. Dies trägt wesentlich zur Weiterentwicklung der Streitkräfte bei.

Kontingentskommandant ausgezeichnet
Für sein Engagement im Rahmen der EU-Battle Group wurde der Kommandant des österreichischen Kontingentes, ObstltdG Andreas Loschek, mit dem niederländischen Ehrenzeichen für Verdienste in Silber ausgezeichnet. Das Ehrenzeichen wurde in einem feierlichen Festakt in Oirschot (Niederlande) verliehen und ist eine jener offiziellen Auszeichnungen, die international hohes Ansehen genießen. (Details dazu siehe DER SOLDAT Nr. 18 vom 21.9.2011). 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 20/2011 vom 19. Oktober

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