HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
sicherheitspolitik

Mag. Cornelia Harwanegg Komm/BMLVS

Frauen und Männer dienen gemeinsam

Symposium „WoMen serving together“

Soldatinnen sind seit 1. Jänner 1998 fixer Bestandteil des Österreichischen Bundesheeres. Dennoch beträgt der Anteil der Soldatinnen weniger als 2 %. Das Symposium „WoMen serving together“ suchte Lösungen zur Steigerung des Frauenanteils.

Die Präsidentin des Nationalrates, Mag. Barbara Prammer, eröffnete am 10. Oktober das für drei Tage anberaumte Symposium im Wiener Parlament. Der Sitzungssaal war besetzt mit Soldatinnen und Soldaten aller Dienstgrade sowie mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Verteidigungsminister Norbert Darabos bekräftigte den Anlass der Veranstaltung: Einerseits den gemeinsamen Dienst von Frauen und Männern zu einem erfolgreichen Regelfall zu machen, und andererseits den Anteil von Soldatinnen im Bundesheer, wie im Regierungsprogramm vorgesehen, weiter zu erhöhen. „Es stellt sich nicht die Frage, ob Frauen Soldatinnen werden sollen oder können, sondern vielmehr, wie der gemeinsame Dienst von Frauen und Männern im Heer optimiert werden kann“, so Verteidigungsminister Darabos.

Ziel: Kultur der Wertschätzung
Der Kommandant des Kommandos Einsatzunterstützung und Organisator des Symposiums, Bgdr Franz Reißner, stellte fest: „’Wo- Men serving together‘ verfolgt das Ziel, die Kultur der Wertschätzung des gemeinsamen Dienstes von Frauen und Männern im Bundesheer zu vertiefen und zu optimieren.“ Die Weiterentwicklung dieser Kultur der Wertschätzung ist gesellschaftspolitisch und ethisch geboten und für die Weiterentwicklung der Fähigkeiten des ÖBH zur Aufgabenerfüllung jetzt und in Zukunft erforderlich, so Reißner weiter.

Knapp 400 Soldatinnen beim Heer
Mit Stichtag 5. September leisteten insgesamt 372 Soldatinnen ihren Dienst beim Bundesheer. 288 stehen in einem Dienstverhältnis, 76 absolvieren dz. den Ausbildungsdienst und 3 Frauen befinden sich zurzeit im Auslandseinsatz. Der dz. höchste von einer Frau Offizier (insgesamt 68) erreichte Dienstgrad ist „Oberstarzt“, der höchste Unteroffiziersdienstgrad ist „Oberstabswachtmeister“.

Kritische Stimmen und Forderungen
Nationale und internationale Soldatinnen und Soldaten sowie Expertinnen und Experten diskutierten während des Symposiums über den gemeinsamen Dienst von Frauen und Männern in Einsatzorganisationen. Die Vorträge beinhalteten persönliche Erfahrungsberichte von aktiven Soldatinnen aus der Truppe – kombiniert mit theoretischen/rechtlichen Rahmenbedingungen.
  Eindrucksvolle Schilderungen von Verteidigungsattaché Oberst iG Christine Poussineau und jene von zwei deutschen Soldatinnen ließen erkennen, dass eine gelungene Integration von Frauen in Armeen in noch keinem Land völlig problemlos stattgefunden hat. Kritische Bemerkungen zu diesem „Integrationsprozess“ kamen v.a. aber aus Österreich. Die Soldatinnen sprachen sich gegen ein „Vorgeführtwerden“ und das rege Interesse der Medien an ihrer Person aus, insbesondere wenn sie durch Medienpräsenz-Pflichten von Übungen und Kursen fernbleiben mussten.

Familie und Dienst
Die oft mit Schwierigkeiten behaftete Vereinbarkeit von einer Tätigkeit in Einsatzorganisationen und Familie beschrieb u.a. Hptm Mona Stuber aus Deutschland. Sie bezog diese Aussage auf Frauen und Männer in Armeen. „Denn Berufsoffizier ist generell kein familienfreundlicher Beruf“, so die Sicht der Gleichstellungsbeauftragten im deutschen Bundesministerium der Verteidigung. Aufgrund dieser „ursprünglichen“ Schwierigkeit gibt es sowohl in Deutschland als auch in Österreich ständig Bestrebungen, den Beruf familienfreundlicher zu machen. Erreicht wurde einiges – militärische Berufe können in Deutschland auch als Teilzeit-Jobs ausgeübt werden. Die Bundeswehr stellt Telearbeitsplätze bereit und in den Liegenschaften sind Eltern-Kind-Arbeitszimmer eingerichtet. Auch in Österreich wurde vieles im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Dienst getan. Man ist um eine bedarfsgerechte Betreuung der Kinder von Angehörigen des Bundesheeres bemüht. Das Referat Gender Mainstreaming des BMLVS hat einen Fachbereich eingerichtet, der sich verstärkt den Bedürfnissen von Familien annimmt. Seit 2010 werden in den Sommermonaten an zehn Standorten 221 Kinderbetreuungsplätze angeboten. Ein weiterer Ausbau ist angedacht. Ein besonderes Augenmerk gilt der Unterstützung der Angehörigen von Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz. Referenten für Familienbetreuung in allen neun Militärkommanden und eine Familien-Service- Line, die 24 Stunden Hilfe in Notfällen bietet, ergänzen das Angebot.

Gleichbehandlung ist nicht Frauensache
Gleichbehandlung, indem das Hauptaugenmerk auf die Leistung gelegt wird, ist der Wunsch, den die anwesenden Soldatinnen und Soldaten äußerten. Die Wertschätzung und das Bewusstmachen des gemeinsamen Einsatzes bringt Vorteile für eine Organisation. In der Wirtschaft ist es selbstverständlich, dass optimale Erfolge erzielt werden können, wenn die Leistungen von Frauen und Männern zusammenwirken.
  Mjr Elisabeth Schleicher ist seit August als Gender Advisor im Kosovo tätig. In dieser Funktion berät sie den Kommandanten der KFORTruppen, wenn es darum geht, die Lebensumstände von Frauen und Männern zu analysieren. Sie unterbreitet ihm Vorschläge, wie man die militärischen Lösungen und Unterstützungsleistungen „geschlechterfreundlicher“ gestalten könnte. Ziel ist es, die Situation aller Menschen im Einsatzgebiet zu verbessern. „Konkret geht es darum, herauszufinden, welchen unterschiedlichen Bedrohungen Männer und Frauen in Krisengebieten ausgesetzt sind“, so die Politikwissenschaftlerin Schleicher. Mit den unterschiedlichen Sichtweisen von Frauen und Männern kann ein vollständiges Bild der Sicherheitslage im Kosovo gemacht werden: „Indem auch die weibliche Bevölkerung involviert wird, ist es möglich, ein umfassenderes Bild über die Lage im Land zu gewinnen, dies führt wiederum zu einem umfassenderen Bild über die Sicherheitslage“, erklärte Schleicher.
  Genauso wie ihre deutsche Kollegin, Hptm Emily Irmisch, die 2010 fünf Monate im Einsatz in Afghanistan war, konnte Mjr Schleicher davon berichten, welche positiven Wirkungen in Krisengebieten erzielt werden können. Denn alle Kulturen bestehen aus Frauen und Männern. Um ihnen bei der Friedenswiederherstellung Schutz und Hilfe bieten zu können, braucht es die Leistung von Frauen und Männern. Nur so kann ein gegenseitiges Verstehen und Zusammenleben v.a. in konfliktbetroffenen Kulturen funktionieren.
  Bundesminister Mag. Darabos bekräftigte die Wichtigkeit des gemeinsamen Dienstes in internationalen Einsätzen. „Es ist notwendig, das Bundesheer hinsichtlich seiner Personalstruktur in Bezug auf die Relation Frauen und Männer international vergleichbar zu machen, um so gemeinsam mit den Partnernationen im Rahmen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union für Frieden und Stabilität sorgen zu können“, sagte der Minister.
  Bgdr Reißner wies darauf hin, dass die Frage nach Gleichbehandlung nicht mit einer Diskussion um die Haarlänge oder um Laufsekunden abgetan werden könne. „Gleichbehandlung ist ein bewusstes Wahrnehmen von eventuellen Unterschieden oder Gleichheiten und ein Steuern in Richtung Chancengleichheit“, so der Organisator des Symposiums. Darüber hinaus sprach er sich für die ausgewogene Einbindung beider Geschlechter in Organisationen auf allen Führungsebenen aus.

Blick in die Zukunft
Im Österreichischen Bundesheer herrscht ein großes Engagement, dass es irgendwann als ganz selbstverständlich angesehen wird, wenn sich junge Frauen für eine Karriere beim Heer entscheiden. Der gemeinsame Dienst von Frauen und Männern soll zukünftig also der Normalität entsprechen. Dazu müssten nicht dazu beitragende Verhaltensweisen zurückgewiesen werden, betonten GenLt Othmar Commenda und Bundesminister Norbert Darabos im Rahmen des Symposiums. Mag. Cornelia Harwanegg Komm/BMLVS Oberst iG Poussineau, Mjr Schleicher und Edith Schlaffer auf dem Podium am Eröffnungstag im Parlament Bundesheer/Pusch 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 22/2011 vom 23. November

Drucken