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Ausbildung

GenLt Mag. Günter Höfler - Kdt der Streitkräfte

Innovativer Ausbildungs- und Dienstbetrieb 2010

Die Umsetzung in den Streitkräften des Österreichischen Bundesheeres hat begonnen

„Die Streitkräfte des Österreichischen Bundesheeres haben im Wesentlichen zwei Hauptaufgaben zu erfüllen: erstens eine umfassende Ausbildung als Einsatzvorbereitung in verschiedensten Bereichen durchzuführen und zweitens Einsätze im eigenen Land sowie als Beitrag zum internationalen Krisenmanagement zu bewältigen.“


Die Bewältigung des Einsatzes hat in den Streitkräften immer oberste Priorität. In Hinblick auf die zu erwartenden Aufgaben und unter Berücksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen ist daher die Ausbildung innerhalb der Streitkräfte den neuen Herausforderungen anzupassen. Die Gestaltung und Durchführung des Ausbildungs- und Dienstbetriebes in innovativer dynamischer Art und Weise ist dabei ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.
Auf Grundlage der gemeinsam mit den Kommandanten erarbeiteten „Bregenzer Botschaft“ (vgl. DER SOLDAT Nr. 13 vom 8. Juli 2009 und Kasten) und relevanter Erlässe des Generalstabes wurde innerhalb der Streitkräfte die Umsetzung von breit gefächerten Truppenversuchen angeordnet.
Die Absicht dabei ist es,
• unterschiedlichste Ideen und Verbesserungsvorschläge für einen zeitgemäßen Ausbildungs- und Dienstbetrieb zu erproben, um in weiterer Folge
• die daraus gewonnenen Ergebnisse flächendeckend in den Streitkräften einfließen zu lassen.
In der praktischen Umsetzung des „Innovativen Ausbildungs- und Dienstbetriebes“ geht es darum, einerseits mutig und innovativ neue Ideen zu entwickeln und zu erproben und andererseits bewährte, aber zum Teil in Vergessenheit geratene Ausbildungsgrundsätze wieder aufzugreifen. So sollte die Erreichung von Ausbildungszielen besonders im Rahmen des Grundwehrdienstes vermehrt gesamtheitlich unter direkter Verantwortung der unmittelbaren Kommandanten erfolgen. Die Ausbildung soll, von den individuell unterschiedlichen Fähigkeiten der Rekruten ausgehend, erlebnisorientiert und fordernd sein.
Gerade bei den Streitkräften können bspw. Kameradschaft, Teamgeist, Disziplin, persönliche Überwindung und die Vorteile körperlicher Fitness erlebbar gemacht werden. Das sind Faktoren, die später in jedem anderen Berufsfeld sehr wertvoll anwendbar sind. Der Grundwehrdiener soll seine Zeit beim Bundesheer gesamt betrachtet als für ihn wertvoll beurteilen.
Zahlreiche Verbände haben mit der Umsetzung des innovativen Ausbildungs- und Dienstbetriebes bereits begonnen. Die durchaus unterschiedlichen Inhalte und Erkenntnisse sollen in der Folge in DER SOLDAT vorgestellt werden. Den Anfang macht das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4, mehr dazu im unten stehenden Beitrag.
Bregenzer Botschaft – die wesentlichen Inhalte in kurzer Form

Die Ressourcen, die innerhalb der Streitkräfte verfügbar sind, müssen noch optimaler genutzt werden. Kommandanten und Mitarbeiter/-innen muss größtmögliche Handlungsfreiheit im Sinne klassischer Auftragstaktik eingeräumt werden, damit die Ressourcen optimal genützt werden können. Klare und erreichbare Ziele sind daher vorzugeben.
Engagement und Eigeninitiative im Dienstbetrieb, in der Ausbildung, in der Einsatzvorbereitung und im Einsatz sind zu fördern. Inhalte und Dauer der Ausbildung sowie Abläufe im Dienstbetrieb sind im Lichte der Rahmenbedingungen zu überprüfen und erforderlichenfalls anzupassen.
Im Rahmen von Truppenversuchen können die Vorschläge der Kommandanten überprüft und als „best practice“ zur weiteren Umsetzung angeordnet werden.
Maßnahmen zur Stärkung des Selbstwertgefühls der Angehörigen der Streitkräfte, Innere Haltung – Äußere Stärke, z.B.: durch ein korrektes Erscheinungsbild oder Anerkennung der Leistungen, sind verstärkt im eigenen Verantwortungsbereich wahrzunehmen.
Zur Verbesserung der Akzeptanz des Bundesheeres und der damit verbundenen Ressourcenlage kann jede Ebene Maßnahmen setzen, die zur Erhöhung des Stellenwertes der Streitkräfte in der Gesellschaft und v.a. in der Politik beitragen.

Anmerkung
Die Bregenzer Botschaft wurde im Rahmen einer Kommandantenbesprechung im Juni 2009 in Bregenz vom Streitkräfteführungskommando und unmittelbar geführten Kommandanten erarbeitet.

(Foto: Sooft es geht bei seinen Soldaten – GenLt Günter Höfler © BMLVS/Steinberger)

DER SOLDAT Nr. 7/2010

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