HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
Sicherheitspolitik

Anton Dengg

Internationaler Terrorismus nach Osama bin Laden

Mit den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA wurden eine bis dahin in der Öffentlichkeit kaum geläufige islamistische Terrororganisation namens Al-Qaida und deren Anführer Osama bin Laden weltweit bekannt. Es dauerte zehn Jahre, bis der meistgesuchte Terrorist im Mai 2011 in der pakistanischen Stadt Abbottabad von einem US-Sonderkommando aufgespürt werden konnte und getötet wurde.


Das Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) veranstaltete am 7. Juli 2011 an der Landesverteidigungsakademie (LVAk) in Wien eine Podiumsdiskussion zum Thema „Terrorgefahr nach Osama bin Laden – Ende oder Beginn einer neuen Ära im Terrorismus?“.

Hochkarätiges Podium
Auf dem Podium, das von Bgdr Dr. Walter Feichtinger geleitet wurde, saßen namhafte Experten aus dem Bereich der Terrorismusforschung und -bekämpfung. Sie referierten aus unterschiedlichen Perspektiven über mögliche Entwicklungen des transnationalen Terrorismus nach dem Ende der Ära von Osama bin Laden. Ein Kurzreferat von Obst Mag. Anton Dengg über die historische, aktuelle und zukünftige Bedeutung von Al-Qaida leitete die Podiumsdiskussion ein. Dr. Raphael Perl, Leiter der Action against Terrorism Unit (ATU) der OSCE, sprach über die Post-bin Laden-Phase aus Sicht der OSCE. Dr. John Le- Beau, Professor am George Marshall Center und Vorsitzender der PfP-Consortium Combating Terrorism Working Group (CTWG), analysierte aus US-Perspektive die aktuelle Situation im Kampf gegen den transnationalen Terrorismus. Der Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Mag. Peter Gridling, informierte über das Gefahrenpotenzial für Österreich und Europa, das von Al-Qaida sowie dem weltweiten Dschihad ausgeht.

Gefahr nicht gebannt
Einhellige Meinung der Referenten: Es gibt durchaus noch ein zu beachtendes Bedrohungspotenzial, das von Al-Qaida ausgeht. Ihre Möglichkeiten, große Anschläge zu planen und durchzuführen, werden aber als gering eingestuft. Neben der letzten US-Kommandoaktion gegen bin Laden wurde die Terrororganisation auch durch andere gezielte Bemühungen der USA im Kampf gegen den Terrorismus geschwächt. Ayman al- Zawahiri wurde mittlerweile zum neuen Anführer der Al- Qaida ernannt. Analytiker bezweifeln jedoch, ob er die Gruppierung zu inspirieren und zu mobilisieren imstande ist und damit bin Laden ersetzen kann. Trifft dies nicht zu, würde das die Gruppierung zusätzlich schwächen. Nichtsdestotrotz wird vor einer verfrühten Euphorie mit Blick auf die weiteren Entwicklungen in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten gewarnt.

Krieg gegen Terror
Bei der Beurteilung der unterschiedlichen Zugänge zwischen den USA und Europa im Kampf gegen den Terrorismus sind zwei Aspekte ausschlaggebend: Erstens, die USA sehen sich gegenüber dem „Terrorismus“ im „Krieg“. Damit empfinden sie ihr Handeln als legitime Reaktion. Zweitens eröffnen aus US-Perspektive insbesondere die umfassenden Fähigkeiten der USA in den Bereichen Militär, Nachrichtendienste und Technologie eine zusätzliche Option im Antiterrorkampf. Der Einsatz von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen gegen terroristische Ziele wird als „notwendig“ und „richtig“ bezeichnet. Diskutiert wurden die Effektivität von Drohnenangriffen sowie deren völkerrechtliche Legitimität.
  Österreich stellt gegenwärtig keine Drehscheibe für den transnationalen Terrorismus dar. Dennoch sind rechtliche Grundlagen für die Terrorismusbekämpfung weiter zu optimieren. Da die Exekutive nur bei strafrechtlichen Tatbeständen eingreifen kann, müssen im Kampf gegen den Terrorismus den Sicherheitsorganen entsprechende rechtsstaatliche Mittel zur Seite gestellt werden.

Internationale Kooperation
Abschließend hielten die Experten fest, dass sich ideologische Sichtweisen im Terrorismus nicht verändert haben. Es ist mit einer gesteigerten Zusammenarbeit zwischen Splittergruppen zu rechnen. Künftig ist mit dem Ansteigen lokaler bzw. regionaler Anschläge zu rechnen. Terrorismus wird auch für die USA und Europa als konkrete Bedrohung bestehen bleiben. Mit welcher Intensität Terrorismus allerdings auftreten wird, hängt u.a. von den weiteren Entwicklungen in Krisenregionen wie z.B. Nordafrika und im Nahen Osten ab. Politische Unterdrückung, soziale Missstände und Armut verstärken Extremismus und erhöhen die Bereitschaft, sich aktiv an Terroraktionen zu beteiligen. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 15/2011 vom 3. August

Drucken