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wehrpolitik

GenLt Mag. Günter Höfler

Jahresrückblick 2010 und Ausblick des Kommandanten der Streitkräfte

Auch im Jahr 2010, im bereits fünften Jahr des Bestehens des Streitkräfteführungskommandos mit Sitz in Graz und Salzburg, waren die Anforderungen, die an unser Kommando und an unsere Streitkräfte gestellt wurden, sehr umfangreich, vielfältig und herausfordernd. 


Einsätze – national und international
In Österreich und im Rahmen des internationalen Krisenmanagements waren wiederum zahlreiche Einsätze zu bewältigen. Die Luftraumsicherungsoperation „Dädalus 10“ im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos im Jänner wurde in Zusammenarbeit mit der Schweizer Luftwaffe und den zivilen Luftfahrtsorganisationen erfolgreich durchgeführt.
  Auch in diesem Jahr waren wiederum zahlreiche Assistenzeinsätze im Rahmen der Katastrophenhilfe zu bewältigen. Heuer waren es etwa 140.000 Personenstunden in 18 Einsätzen. Der Assistenzeinsatz Schengen an der burgenländischen und niederösterreichischen Grenze mit einer durchschnittlichen Stärke von 750 Soldaten darf an dieser Stelle auch erwähnt sein. Besonders erwähnenswert erscheint mir der mehrwöchige Assistenzeinsatz „Sölktal“ im Sommer. In über 90.000 Personenstunden leisteten unsere Soldaten und Soldatinnen eine äußerst wertvolle Unterstützung für die Bevölkerung und Behörden dieser Region.
  Im Internationalen Umfeld hat unser Bundesheer auch in diesem Jahr wieder einen wichtigen Beitrag geleistet. 2010 waren wieder zeitgleich bis zu 1.200 österreichische Soldaten und Soldatinnen in 13 Missionen weltweit im Einsatz.
  Mitte März kehrte Obst Herbert Haller, letzter Nationaler Kontingentskommandant und Stabsoffizier im Hauptquartier von MINURCAT, gemeinsam mit weiteren Offizieren aus dem Tschad zurück. Damit fand die österreichische Beteiligung an der herausfordernden und letztlich erfolgreichen Mission in Afrika ein offizielles Ende.
  Auf den Golanhöhen ging, ebenfalls im März, die erfolgreiche und international sehr anerkannte Kommandoführung der Force durch GenMjr Mag. Wolfgang Jilke zu Ende. Die Soldaten des kroatischen Kontingentes haben sich sehr rasch in das österreichische Bataillon AUSBATT integriert und die Zusammenarbeit im Bataillon ist ausgezeichnet – davon konnte ich mich vor wenigen Wochen vor Ort selbst überzeugen.
  Unsere Kräfte im Kosovo wurden weiterhin reduziert und werden damit der neuen Force-Struktur angepasst.
  Im Einsatzraum Bosnien- Herzegowina wurde GenMjr Mag. Bernhard Bair für ein weiteres Jahr als COM EUFOR bestätigt. Dies ist durchaus als internationale Wertschätzung der Leistungen, die österreichische Kommandanten, Soldaten und Soldatinnen in dieser Region des Westbalkans erbracht haben und erbringen, zu betrachten.
Zwei maßgebliche Vorhaben
Zwei Vorhaben in der zweiten Jahreshälfte waren schließlich für das Streitkräfteführungskommando von herausragender Bedeutung: Es waren dies die multinationale Übung „European Advance 2010“ (EURAD 10) sowie die „1. Kommandantenkonferenz“ der Streitkräfte im Oktober.
  Handelte es sich bei der „European Response 2009“ um eine computergestützte Stabsübung mit etwa 500 Übungsteilnehmern, so wurden im September 2010, unter der Federführung des Exercise Director, Bgdr Mag. Karl Pernitsch, nicht nur Stäbe, sondern auch Truppen voll beübt. 6.700 Soldaten und Soldatinnen aus neun europäischen Nationen haben an der EURAD 10, mit den wesentlichen Übungsräumen Allentsteig und Tritolwerk bei Grossmittel, zu Lande und v.a. in der Luft sehr erfolgreich teilgenommen. Mit dieser multinationalen Übung wurde das Potenzial unserer Truppen und von Stäben eindrucksvoll dargestellt und es konnte ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Kooperation im Rahmen künftiger internationaler Missionen gesetzt werden. Der Teilstab Luft beübte in dieser Übung innovativ auch die internationalen Fliegerkräfte. Im Rahmen der EURAD 10 wurde auch ein sehr wesentlicher Abschluss der Evaluierung im Rahmen des NATO– Operational Capabilities Concept erreicht.
  Unter dem Motto „W I M“, Wertschätzung – Information – Motivation, wurde im Oktober die 1. Kommandantenkonferenz der Streitkräfte durchgeführt. Über 300 Kommandanten der Streitkräfte, von der Ebene Einheit bis zu den Militär- und Brigadekommandanten, nahmen an dieser 3-tägigen Konferenz in der Belgier-Kaserne in Graz teil. Unseren Führungskräften wurden dabei nicht nur interessante Vorträge renommierter Persönlichkeiten aus dem Militär und der Öffentlichkeit geboten, sie hatten auch die Möglichkeit, zu Themen ihres unmittelbaren Verantwortungsbereiches zu referieren und zu aktuellen Fragen in Arbeitsgruppen Stellung zu nehmen.
Leitbild
In unserem Kommando wurde heuer in zahlreichen Sitzungen und unter Einbindung aller Abteilungen das Leitbild des Streitkräfteführungskommandos erarbeitet. Dieses Leitbild wurde in einem langen Prozess entwickelt und kann als lebende Materie betrachtet werden. Es liegt jetzt an uns, den Angehörigen dieses Kommandos, unser Leitbild mit Leben und Geist zu befüllen.
  Letztlich ist noch zu erwähnen, dass mit der Überleitung der letzten Verbände aus dem Führungsbereich des Streitkräfteführungskommandos, nämlich des Zentrums Internationale Kooperation und der Auslandseinsatzbasis in Götzendorf, die Struktur 2010 plangemäß eingenommen werden konnte.
Neustrukturierung
Das Kommando des Zentrums für Internationale Kooperation wurde mit Dezember aufgelöst, der Stabsunterstützungszug dem Militärkommando Steiermark und die Abteilungen Psychological Operations, Civil and Military Cooperation und ein Referat Dienstbetrieb der Auslandseinsatzbasis, kurz AUTINT, vormals Zentrum Einsatzvorbereitung, unterstellt.
  Die Militärkommanden haben nun auch ihre neuen Organisationspläne eingenommen. Hiezu waren u.a. über 4.000 Personalmaßnahmen erforderlich; dies erfolgte ohne große Probleme – das spricht schon für sich.
  Mit Berechtigung und Stolz kann ich sagen, dass wir im Rahmen des Möglichen das Ziel – die Einsatzbereitschaft erhalten und erweitern – im Wesentlichen erreicht haben.
Ausblick 2011
Den Auftakt wird auch 2011 wieder die Luftraumsicherungsoperation „Dädalus 11“ im Westen Österreichs machen. Einen weiteren Höhepunkt wird sicherlich die „AirPower11“ bilden, die am 1. und 2. Juli 2011 in Zeltweg stattfinden wird.
  Im Hinblick auf die „Strukturanpassung 2014“ wurden bereits verschiedene Modelle erarbeitet. Es liegen konkrete Vorstellungen über die künftige Organisation unserer kleinen Verbände vor – keine Auflösungen, jedoch Strukturänderungen.
Sicherheit im Vordergrund
Die im heurigen Jahr begonnene Diskussion um das Wehrsystem wird 2011 mit großer Intensität fortgesetzt werden. Ende des Jahres fand in Wien eine „Enquete über Wehrsysteme in Europa“ statt. Verteidigungsminister Norbert Darabos wird Anfang des Jahres verschiedene Modelle präsentieren, die die Grundlage für die angekündigte Volksbefragung Mitte des Jahres darstellen werden.
  Uns allen steht, was die Sicherheitspolitik Österreichs betrifft, ein ereignisreiches Jahr bevor. Ich bin der Meinung und sage das immer wieder öffentlich, dass die Sicherheitspolitik kein Randthema sein darf. Ausgehend von der Sicherheitsstrategie sind zunächst die geforderten Aufgaben des Bundesheeres in der Bewältigung der gegebenen Bedrohungen klar zu definieren. Davon sind die Fähigkeiten abzuleiten, die wiederum in notwendige Strukturen münden. Erst im Rahmen der Strukturbeurteilung ist die Frage zu diskutieren, mit welchem Wehrsystem das Bundesheer die zu erfüllenden Aufgaben am besten bewältigen kann und welche Rahmenbedingungen begleitend zu schaffen sein werden. Nur die Frage des Wehrsystems zu diskutieren, geht an den Erfordernissen einer zeitgemäßen und auch seriösen Sicherheitspolitik vorbei.
  Neben diesen sicher essentiellen Fragen über die Zukunft des Bundesheeres haben wir unsere Aufgaben auf der operativen Ebene, als Scharnier zwischen Zentralstelle und Truppe, bestmöglich zu erfüllen – und das werden wir auch tun.
  Auch oder gerade das Jahr 2011 wird die Streitkräfte vor große Herausforderungen stellen. Aufgrund des bekannten und geschätzten Engagements der Angehörigen der Streitkräfte bin ich mir sicher, dass wir auch im Jahr 2011 unsere Ziele erreichen werden.
  Ich wünsche allen Kommandanten, Soldaten, Soldatinnen und Zivilbediensteten der Streitkräfte alles Gute, viel Erfüllung, Erfolg und das nötige Soldatenglück. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 1/2011 vom 12. Jänner

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