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Sicherheitspolitik

Hptm Mag.(FH) Dr. René Hudribusch

Konferenz „Sexual Violence, the Armed Forces and Military Operations“

120 Teilnehmer aus 16 Nationen trafen sich am 18. Juni in Oslo/Norwegen, um über die Formen, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen von bzw. zu sexueller Gewalt in militärischen Konflikten zu diskutieren. Unter der Schirmherrschaft der norwegischen Verteidigungsministerin Grete Faremo und der Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs zum Thema sexuelle Gewalt in Konflikten, Margot Wallström, wurde diese richtungsweisende Konferenz eröffnet.


Grete Faremo brachte klar zum Ausdruck, dass in vielen Konfliktzonen dieser Erde mehr Frauen lebensbedrohlich gefährdet seien als männliche Soldaten. Es ist daher die Aufgabe der Soldaten und Soldatinnen, in friedensschaffenden und friedenserhaltenden Missionen die besonderen Bedürfnisse von Frauen in Konflikten zu berücksichtigen und diese vor Übergriffen, Diskriminierung und Tod zu schützen. Diese Aufgabe kann jedoch nicht nur mit Waffeneinsatz erfüllt werden, sondern benötigt auch Werte, die wir der Zivilbevölkerung vermitteln. Jeder einzelne Soldat bzw. jede einzelne Soldatin fungiert als Vorbild (Role Model) und wird durch die Zivilbevölkerung daran gemessen, wie er bzw. sie die Frauen in der Krisenregion sowie auch die Frauen in der eigenen Truppe behandelt, und welche Werte den Menschen vermittelt werden.

Disziplinlose Gruppen
Margot Wallström, die in ihrer Funktion der Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs zum Thema sexuelle Gewalt in Konflikten die Veranstaltung eröffnete, stellte klar, dass der Schutz der Bevölkerung nicht genderblind durchgeführt werden dürfe und zur Erreichung von langfristigen Zielen der Schutz und die Einbeziehung von Frauen in den Friedensprozess notwendig seien.
  Kriege und Konflikte haben sich in ihrer Form maßgeblich verändert. Während sich das Kräftemessen zwischen zwei klar deklarierten Konfliktparteien zum Ausnahmefall entwickelt, steigt die Anzahl an Konflikten zwischen mehreren Gruppierungen, die oftmals führungs- und disziplinlos agieren und schwer bis nicht kontrollierbar sind. Die Hauptleidenden dieser Konflikte sind die Zivilisten, die schutzlos den Gräueltaten dieser Gruppierungen ausgesetzt sind.

Gewalt gegen alle
Eine dieser Gräueltaten ist die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen, Kindern aber auch Männern. So werden u.a. folgende Verbrechen begangen:
• Massenvergewaltigungen
• Sexsklaverei
• Sexuelle Übergriffe auf Minderheiten
• Vergewaltigungen, die durch Familienangehörige mit angesehen werden müssen
• erzwungene Schwangerschaften
• erzwungene Sterilisation
• Verbreitung von übertragbaren Krankheiten
Es ist daher die Aufgabe aller internationalen Schutztruppen, im Hinblick auf die humanitäre Hilfe große Anstrengungen darauf zu richten, diese Verbrechen zu verhindern und die Täter vor Gericht zu bringen.
  Als trauriges und aktuelles Beispiel wurde erst kürzlich durch den Chefankläger des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag und die US-Außenministerin Hillary Clinton bestätigt, dass in Libyen durch die Regierungstruppen gezielt Vergewaltigungen als ein Mittel der Kriegführung gegen die Rebellen eingesetzt werden. Maßnahmen wie
• Eskortierung von Frauen zu den Marktplätzen und Schulen,
• Patrouillen zum Schutz der Frauen beim Holzsammeln oder Wasserholen,
• Informationskampagnen,
• Wahlunterstützung für Frauen und
• gendersensible Justiz und Sicherheitssektorreformen
können helfen, die Situation zu verbessern und die Frauen vor Übergriffen zu schützen.

Stigma Vergewaltigung
Während Konfliktparteien die sexuelle Gewalt z.B. dazu nützen, die gegnerische Konfliktpartei in ihrer Moral zu schwächen oder Räume ethnisch zu säubern, haben auch terroristische Organisationen die systematische Vergewaltigung von Frauen für ihre Kampfführung entdeckt. So konnte Dr. Bloom mittels ihrer Studien aufzeigen, dass terroristische Organisationen die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen als eine ihrer Rekrutierungsmaßnahmen nutzen. Vergewaltigte Frauen, die aufgrund der sexuellen Schändung ihr Ansehen in der Gesellschaft verloren haben, werden durch die Terrorzellen als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt, um durch ihre Tat das Stigma der Vergewaltigung ablegen zu können. Weibliche Selbstmordattentäter, die einen Bombengürtel in Form eines Babybauches unter ihrer Kleidung tragen, erhalten eine viel höhere mediale Aufmerksamkeit als männliche Selbstmordattentäter und spornen dadurch auch wieder Männer an, sich freiwillig zu terroristischen Organisationen zu melden. Aufgrund dieser neuen Bedrohung ist es äußerst wichtig, Frauen im Einsatzland korrekt zu behandeln und vor Übergriffen zu schützen, um sie nicht in die Arme der terroristischen Organisationen zu treiben.

Auch militärisches Problem
Österreich beteiligte sich mit Hptm Mag. (FH) Dr. René Hudribusch an der Konferenz, der als Gastredner über sexuelle Belästigung in militärischen Organisationen referierte. Während der Fokus in Bezug auf sexuelle Gewalt stets auf die Bevölkerung in Krisenregionen gelegt wird, verlieren wir die Sicht auf die eigene Organisation. Internationale Studien haben ergeben, dass sexuelle Belästigung in militärischen Organisationen ein Faktum darstellt und es an den Organisationen liegt, dieses Tabuthema anzusprechen, den Missstand abzustellen und die Organisation so zu gestalten, dass Männer wie auch Frauen frei von sexueller Belästigung ihren Dienst versehen können. Besonders interessant sind nationale wie auch internationale Forschungsergebnisse im Hinblick auf das Geschlecht der Opfer. So konnte festgestellt werden, dass Männer sehr oft Opfer sexueller Übergriffe durch Männer werden und somit Opfer sexueller Belästigung nicht zwangsläufig Frauen sein müssen.

Werte bringen
Abschließend soll zu dieser Konferenz über sexuelle Gewalt in Streitkräften und militärischen Operationen die norwegische Verteidigungsministerin Grete Faremo zu Wort kommen: „Wir tragen im Auslandseinsatz nicht nur Waffen, um die Lage zu stabilisieren, wir bringen auch Werte.“ Deshalb müssen die Soldaten und Soldatinnen aller Ebenen über die UN-Sicherheitsratsresolution 1325 geschult werden, um sie in ihrem Verhalten so zu ändern, dass sie den Genderaspekt im Auslandseinsatz von sich aus überzeugt mittragen und somit wesentlich am Erfolg einer Mission beteiligt sein können.   

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 14/2011 vom 20. Juli

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