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Sicherheitspolitik

Hannah Stadlober/Mag. Kacper Wieczorek, BA

LVAk - BOKU Tagung 2011

Seit nunmehr zwei Jahren besteht eine Kooperation zwischen der Universität für Bodenkultur und der Landesverteidigungsakademie. Ein Kernbereich dieser Kooperation ist eine gemeinsame Lehrveranstaltung, an der Studierende der Universität Wien, der BOKU und des Ressorts teilnehmen. Erstmals wurde die Gruppe auch durch die Teilnehmer des Lehrganges „Militärische Führung“ ergänzt.


Als Abschluss des diesjährigen Seminars zum Thema „Die Krisenregionen Afrika und Afghanistan - Pakistan: Globaler Wandel und Nachhaltigkeit und deren sicherheitspolitische Implikationen“ wurden am 21. Juni in der Sala Terrena der LVAk die Ergebnisse präsentiert. Mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion am selben Abend fand diese Veranstaltung ihren Höhepunkt und Abschluss.

Trans- und Interdisziplinäres
Lernen Seit diese Lehrveranstaltung im Sommersemester 2010 als Pilotprojekt ins Leben gerufen wurde, hat sich die Anzahl der Seminarteilnehmer mit diesmal 26 Personen bereits verdoppelt. Ein Erfolg, der die Notwendigkeit widerspiegelt, in einer Zeit globalen Wandels komplexe und vernetzte Sachverhalte zu behandeln.
  Der trans- und interdisziplinäre Zugang spiegelte sich sowohl bei der Auswahl der Vortragenden der LVAk und der BOKU als auch bei der Zusammensetzung der Experten der Arbeitsgruppen wider.

Globaler Wandel und Nachhaltigkeit
Nach der Eröffnung der Tagung durch Gen Mag. Raimund Schittenhelm und Univ.-Prof. Dr. Herwig Waidbacher wurden die Ergebnisse vorangegangener Forschungstätigkeiten präsentiert und diskutiert. Zwei Gruppen beschäftigten sich mit sicherheitspolitischen Grundlagen von Ressourcenknappheit sowie deren Auswirkungen auf die MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) und den Sudan. Zwei Arbeitsgruppen beleuchteten das Horn von Afrika und dessen Transportinfrastruktur sowie auch die Problematik des Abfallmanagements in dieser Region. Die Problematik Opiumanbau in Afghanistan und mögliche Gegenmaßnahmen waren das Thema der fünften Gruppe.
  Diese Thematik der Veränderungsnotwendigkeit wurde von Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb in ihrer abschließenden Reflexion aufgegriffen. In einer Zeit globalen Umschwungs, in der große Kräfte wie Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Ressourcenverbrauch auf globaler wie auch auf lokaler Ebene wirken, wird die Nicht-Nachhaltigkeit des Weltwirtschaftsund Finanzsystems immer mehr sichtbar. Lehrveranstaltungen wie die im Rahmen der LVAk-BOKUKooperation stellen somit eine wichtige Möglichkeit dar, an nachhaltigen Veränderungen zu arbeiten, neue Ansätze zu finden und diese in bestehende Systeme zu integrieren.

Podiumsdiskussion
Bei der folgenden Podiumsdiskussion waren Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Forschung zum Thema „Eiserner Vorhang im Mittelmeer? Europa und Nordafrika – eine natürliche Partnerschaft“ zu Gast. Unter der Moderation von Bgdr Dr. Walter Feichtinger diskutierten Univ.-Prof. Dr. Barbara Hinterstoisser (Vizerektorin der Universität für Bodenkultur), Dr. Walter Koren (Außenwirtschaftsexperte der Wirtschaftskammer Österreich), Dr. Thomas Oberreiter (Außenministerium) und Mag. Wolfgang Ebner (Innenministerium).
  Neben demografischen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen im Mittelmeerraum und den Folgen für den europäischen Raum wurde auch hier die Notwendigkeit der Einbindung aller Akteure auf gleicher Augenhöhe betont. So entspräche u.a. das mediale Bild der Abschottung vor einer nordafrikanischen Flüchtlingswelle nicht der Wahrheit.
  Univ.-Prof. Hinterstoisser ließ aufhorchen, als sie das Verständnis von Grenzen infrage stellte. Als Vizerektorin der Universität für Bodenkultur definierte sie Grenzen in erster Linie durch geografische, vegetative und geologische Gegebenheiten.
  Für Bgdr Feichtinger und Mag. Ebner stand eines fest: Der arabische Umbruch würde noch länger andauern – die dz. Entwicklungen seien nur eine Vorwarnung. Der demografische Höhepunkt (Youth Bulges) stünde der Region noch bevor und ein Transformationsprozess von rd. 20 Jahren müsste angenommen werden.

Folgen für Österreich
Interessanterweise war laut Information von Mag. Ebner kein erhöhter Migrationsdruck aus Nordafrika in Österreich zu bemerken. Die medial propagierte Flüchtlingswelle aus dem Mittelmeer sei ausgeblieben. Vielmehr bewegten sich die Migrationsströme an Österreich vorbei und hätten andere EU-Mitgliedsstaaten zum Ziel. Auch seien kaum Flüchtlinge aus Tunesien, Libyen und Ägypten zu vermerken. Der Großteil seien 25- bis 30- jährige Männer aus Somalia, Tschad oder dem Sudan, die in überfüllten Fischerbooten nach Europa gelangten.
  Dr. Walter Koren, der die wirtschaftlichen Aspekte der Region beleuchtete, wies darauf hin, dass die österreichische Wirtschaft trotz der Umbrüche kaum betroffen sei. Die größten Wirtschaftspartner stellten für Österreich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) dar. Die MENA-Region nähme nur 1,5 bis 2 % der österreichischen Gesamtexporte ein. In Zukunft könnten sich hier neue Wirtschaftskooperationen auftun.
  Nach einer anregenden Diskussion kamen alle Gesprächsteilnehmer einhellig zum Schluss: Europa hat gar keine andere Wahl, als den Weg zu einer konstruktiven Partnerschaft mit den Ländern der Mittelmeerregion zu suchen – und zu finden. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 16/2011 vom 24. August

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