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sicherheitspolitik

Hon.A.o.Prof. Dr. habil. DDr. Andrea Riemer

LVAk-Symposium

„Comprehensive Approach: Definitionen - Ansätze - Weiterentwicklung“

Ein Schlagwort, das im Kontext mit der Bewältigung gegenwärtiger, aber auch künftiger Herausforderungen immer wieder fällt, ist Comprehensive Approach (CA). Dies geschieht in durchaus unterschiedlichen Zusammenhängen, auf unterschiedlichen Ebenen und von unterschiedlichen Akteuren sowie mit unterschiedlichen und zum Teil auch widersprüchlichen Inhalten.  


Die Diskussion dieser unterschiedlichen Zugänge stellte den Kerninhalt des diesjährigen LVAk-Symposiums mit dem Generalthema „Comprehensive Approach: Definitionen - Ansätze - Weiterentwicklung“ dar, das unter Federführung des ISS und unter Beteiligung aller Institute der LVAk von 28. bis 30. Juni stattfand.

Innovative Konzeption des Symposiums
Die Vorarbeiten begannen bereits Anfang 2011 mit der Auswahl konkreter Themenstellungen, der Ausarbeitung von Arbeitspapieren und auch der Auswahl geeigneter Experten für die Arbeitsgruppen (AGs). Schon in dieser Phase wurden die Zielsetzungen klar definiert: Einerseits eine strukturierte Diskussion verschiedenster Ansätze zu CA, andererseits der Austausch von Erfahrungen und Ableitung konkreter Anregungen und Ideen zur Weiterentwicklung von CA aus der Betrachtung theoretischer und praktischer Aspekte sowohl im nationalen als auch im europäischen bzw. internationalen Umfeld. Das Symposium wurde in deutscher Sprache abgehalten, um aufzuarbeiten, was im deutschsprachigen Raum an Expertise zum Thema CA vorhanden ist und, darauf aufbauend, genuin deutschsprachige Definitionen zu entwickeln.
  Die Themen der AGs spannten sich von konzeptiv- theoretischen Überlegungen, praktischen Einsatzerfahrungen bis hin zu konkreten Fallbeispielen. Die rd. 60 Teilnehmer der fünf AGs umfassten Vertreter der Exekutive und des Militärs, Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Forschungsbereichen, verschiedenster Ministerien sowie NGOs.
  Am 29. Juni erfolgte in den Arbeitsgruppen die Diskussion und Aufarbeitung der Fragestellungen und Vorbereitung der Präsentationen. Am 30. Juni wurden die Ergebnisse vor einem großem Fachpublikum präsentiert. Diese Präsentationen waren somit nur ein Ausschnitt des Symposiums, wenn auch ein zentraler, denn in diesen kristallisierte sich der gesamte Diskussionsprozess. Ein weiteres innovatives Element war, dass das gesamte Symposium terminologisch vom Sprachinstitut des Bundesheeres (SIB) begleitet wurde.

Zentrale Ergebnisse
Die detaillierten Ergebnisse der Arbeitsgruppen inklusive der des terminologischen Begleitprozesses werden in einer Publikation der LVAk veröffentlicht. Als zentrale Ergebnisse sind zu erwähnen:
• Der breite Sicherheitsbegriff muss, um operationalisierbar zu sein, wieder sowohl horizontal    als auch vertikal fokussiert werden.
• Es bedarf auf allen Ebenen eines stärkeren Bewusstseins für die Komplexität der   internationalen Ordnung an sich und Operationen, die sich in dieser Ordnung bewegen.
• Für alle Operationen bedarf es von Beginn an sowohl einer klaren Zielsetzung, eines klaren    Bezugsrahmen als auch einer Klärung der Verantwortlichkeiten.
• Es muss ein Wille zur Kooperation gegeben sein, wobei Kooperation v.a. als gemeinsames    und komplementäres Handeln zu verstehen ist.
• Wichtige, zumeist aber unterschätzte Komponenten sind interkulturelle Kompetenz und die   sprachliche Dimension.
• Essenziell scheint ein antizipatorisches Lernen zwischen Theorie und Praxis, wobei der   wechselseitige Anspruch aber realistisch sein muss.
• CA ist ein situatives, komplexes Konzept mit einer starken regionalen Komponente, es gibt    unterschiedlichste Ansätze, auch in definitorischer Hinsicht und diese Unterschiedlichkeiten    werden auch in Zukunft bestehen. CA ist kein Patentrezept, es gibt aber auch keine   Alternative.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Symposium auch Impulse für konkrete Ableitungen zur Weiterentwicklung der österreichischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik gab. Damit wird die LVAk einem ihrer Ansprüche gerecht, als Forschungsstätte des Österreichischen Bundesheeres konkrete Hilfestellungen für Aufgaben und Einsätze der österreichischen Streitkräfte zu entwickeln. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 15/2011 vom 3. August

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