HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
wehrpolitik

Bgdr DDr. Harald Pöcher

Manga im Dienst von Streitkräften

Manga, wie die Comics aus Japan genannt werden, sind in den letzten Jahrzehnten auf der ganzen Welt bekannt geworden und man kann sie auch in Europa mit dem Text in europäischen Sprachen erwerben. In Japan selbst sind die Mangas äußerst populär, haben eine alte Tradition mit einer ersten Blütezeit im 18. Jh. und einer landesweiten äußerst dichten Verbreitung – man findet sie nicht nur im Buchhandel und im Kiosk, sondern auch in den in Japan äußerst populären „Convenience Stores“, die rund um die Uhr geöffnet haben.


Das Angebot ist reichhaltig; beliebt sind Episoden aus der Science-Fiction, neuerdings auch Episoden der japanische Kriegs- und Militärgeschichte, romantische Liebesgeschichten bis hin zu Mangas nur für Erwachsene. Aber man kann auch Klassiker der Weltliteratur für Groß und Klein als Manga kostengünstig erwerben, etwa Märchen der Gebrüder Grimm. Mangas sind oft auch für Lernende der japanischen Sprache ein gutes Lehrmittel, um spielerisch eine größere Lesefertigkeit der zweifelsohne sehr mühevoll zu erlernenden japanischen Schrift zu erhalten.

US-Streitkräfte verwenden Mangas
Mit ihrer weiten Verbreitung und der Massengewohnheit der Annahme – ähnlich unserem Geld im Tauschverkehr – werden Mangas seit jeher in Japan als wichtiges Transportmittel für Neuigkeiten verwendet und so von der Presse und Kommunikation als wichtiges Medium genutzt, um an eine große Zielgruppe heranzukommen. Dies erkannten neuerdings auch die japanischen und die USStreitkräfte in Japan und veröffentlichten einige Manga zu bestimmten sicherheitsund verteidigungspolitischen Themenbereichen. Bspw. bedienten sich die Streitkräfte der USA in Japan (US Forces Japan/USFJ) in den Jahren 2010/2011 der Mangas, um anlässlich des 50. Jahrestages der Sicherheitspartnerschaft zwischen den USA und Japan, die in ihrer heutigen Form im Jahr 1960 abgeschlossen wurde, die Bedeutung dieser Allianz einer breiten Öffentlichkeit in Japan näherzubringen. Die vier Bände einer Mangareihe zu diesem Thema wurden von bekannten japanischen Manga-Künstlern erstellt und tragen den Titel „Watashi no doomei- Eizakuteki paatonashippu/ Unser Bündnis – eine dauerhafte Partnerschaft“. Die Publikationsreihe, die von den US-Streitkräften in Japan herausgegeben wurde und nur in japanischer Sprache erhältlich ist, kann unter www.usfj.mil/manga gelesen bzw. auch heruntergeladen werden. Einige Beispiele aus diesem Manga soll dem Leser vor Augen führen, welche Möglichkeiten sich durch das Manga ergeben, um mit einfachen Worten, Sätzen und Illustrationen wichtige Botschaften an die bestimmte Zielgruppen nachhaltig zu vermitteln.

Ausgewogene Partnerschaft
Das vorgenannte Manga beherrschen zwei Jugendliche, ein US-Amerikaner mit dem Namen Usa-kun (kun ist im Japanischen nach dem Vor- oder Nachnamen gesetzt die Anrede für Jungen oder jüngere Männer; die im täglichen Sprachgebrauch am häufigsten verwendete Anrede: „-san“ nach Namen ist geschlechtsneutral und bedeutet „Herr“ oder „Frau“) besucht Fräulein Arai Anzen (die japanische Umschreibung für Sicherheitsallianz (Arai=Allianz und Anzen=Sicherheit). Die beiden Personen sind gleich groß dargestellt, dies soll dem Leser eine ausgewogene Partnerschaft zwischen den USA und Japan signalisieren. Im Gespräch der beiden Jugendlichen wird die Notwendigkeit der Allianz begründet; dabei wird das sicherheitspolitische Umfeld Japans dargestellt und die Möglichkeiten der beiden Staaten auf zukünftige Entwicklungen analysiert. Mit der Herausgabe der Mangas wurde nicht nur des Jahrestages der Allianz zwischen Japan und den USA gedacht, sondern auch indirekt in Japan für den Arbeitgeber „Streitkräfte“ Werbung gemacht.

Werbung und Info durch Mangas
Ein weiteres Beispiel sind die Mangas, die vom Verteidigungsministerium in Tokio herausgegeben werden. Diese Mangas können auf der japanisch-sprachigen Internetseite des Verteidigungsministeriums gelesen bzw. heruntergeladen werden (www.mod.go.jp). Das letzte Manga befasst sich mit dem Einsatz der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte zur Beseitigung der Schäden, die durch die Naturkatastrophe am 3. März 2011 über den Nordostteil der Hauptinsel hereingebrochen ist. Wenn auch die Mangas zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Themen außerhalb Japans nur von wenigen Menschen vollständig gelesen und verstanden werden können, entfalten sie dank ihrer professionellen Zeichnungen eine anregende Wirkung, die auch so weit gehen kann, dass der Betrachter, auch ohne die Schrift lesen zu können, erahnen kann, welche Inhalte die Autoren ihren Lesern und Betrachtern der Bilder übermitteln wollen. Eines erreichen die Herausgeber auf jeden Fall, die jungen Leute, die schon aus reiner Neugierde in die Mangas mit für sie vielleicht auf den ersten Blick abschreckenden und nichtssagenden Titeln hinsehen, beginnen, sich für die Streitkräfte zu interessieren. Ein gewisser Prozentsatz von Jugendlichen, der von den Streitkräften – die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte sind reine Freiwilligenstreitkräfte – normalerweise durch die Werbemaßnahmen nicht angesprochen und erreicht wird, kann so durch die Mangas eventuell für eine Dienstleistung als Soldat bei den Streitkräften gewonnen werden.

Viel Potenzial
In Österreich hat sich die Mangakultur noch nicht wirklich durchgesetzt und es gibt noch viel Potenzial für eine Erweiterung des Bekanntheitsgrades der Comics aus Fernost. Der Autor sieht darin aber eine große Chance und Möglichkeit, mit „Militär-Mangas“ Anliegen der österreichischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik frühzeitig auch an die Jugend heranzutragen, die normalerweise als Zielgruppe für derartige Informationen nicht zugänglich ist. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 17/2012 vom 5. September

Drucken