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lvak/sicherheitspolitik

ObstdG MMag. Franz Hollerer

Militärwissenschaften studieren an der Zrínyi Miklós Verteidigungsuniversität in Budapest

Angesichts der stetig wachsenden Anforderungen einer sich entwickelnden Wissensgesellschaft werden massive Anstrengungen unternommen, um den Zugang zum lebensbegleitenden Lernen zu fördern und die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen nachhaltig zu steigern. 


Beispiele dafür sind eine Vielzahl von einschlägigen Papieren der Europäischen Union oder auch entsprechende Beiträge in österreichischen Regierungsprogrammen der jüngeren Vergangenheit. Österreich lag laut harmonisiertem Strukturindikator zur Beteiligung am lebensbegleitenden Lernen hinsichtlich der Teilnahme an solchen Bildungsmaßnahmen in der jüngsten Vergangenheit knapp über dem EU- Schnitt.

Das Österreichische Bundesheer misst dem lebensbegleitenden Lernen einen hohen Stellenwert bei. Gemäß „Ausbildungsphilosophie für das Bundesheer 2010“ bildet das lebensbegleitende Lernen „… die Grundlage für die Aufgabenerfüllung in der Funktion und somit für die verpflichtende Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Angehörigen des Bundesheeres“. Es wurde damit festgeschrieben, was dem Selbstverständnis des ÖBH entspricht: Ein umfangreiches Fort- und Weiterbildungssystem stellt sicher, dass die Ressortangehörigen auf ihre Aufgaben bestmöglich vorbereitet werden.
  Im ÖBH ist nunmehr die Akademisierung der Offiziersausbildung als Notwendigkeit weitgehend unbestritten; die einschlägigen Konzepte, auch wenn diese teilweise derzeit nur in Entwurfsform vorliegen, weisen eindeutig in diese Richtung.

Wissenschaft als Beruf
Damit einher geht auch unabdingbar die Notwenigkeit der Implementierung der Militärwissenschaften im ÖBH zur Optimierung der Forschung und Lehre auf akademischem Niveau; dies wurde konsequenterweise auch in einzelnen Planungspapieren festgeschrieben.
  Im Rahmen einer zukunftsorientierten Initiative von Verantwortlichen der LVAk wurde eine Kooperation mit der Zrínyi Miklós Verteidigungsuniversität in Budapest geschlossen und damit ein wesentlicher Schritt zum Aufbau bzw. zur Entwicklung eines den höchsten Ansprüchen genügenden Know-hows in diesem Bereich gesetzt.
  Das gegenständliche Programm, auf das sich diese Zusammenarbeit bezieht, ist als wissenschaftliches Doktorat (international als PhD, philosophiae doctor, bekannt) implementiert und damit auf höchster Stufe angesiedelt. Die primäre, jedoch nicht ausschließliche Zielsetzung eines solchen Programmes ist darin zu sehen, dass „Wissenschaft als Beruf“ betrieben wird.

Höchste Anforderungen
Seit dem Herbstsemester 2008 studieren nunmehr einige Angehörige des Verteidigungsressorts im Rahmen dieser Kooperation an der ungarischen Verteidigungsuniversität. Zu erwähnen ist, dass das Studium von den betreffenden Offizieren und Zivilbediensteten in der Freizeit und auf eigenes finanzielles Risiko absolviert wird, sodass für das BMLVS keinerlei Kosten anfallen.
  Die Anforderungen des Programmes entsprechen den internationalen Standards. Ein Master Degree oder ein vergleichbarer akademischer Abschluss, der in den sehr breiten Bereich der Military Sciences/Schwerpunkt Security Studies einordenbar sein muss, ist nachzuweisen. Weiters sind am Ende des Studiums Kenntnisse einer weiteren Fremdsprache neben Englisch auf zumindest der Leistungsstufe B zu erbringen. Mit mindestens drei wissenschaftlichen Publikationen muss zu Beginn des Studiums die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten sowie das Interesse an Forschung demonstriert werden.
  Das Studium, das zur Gänze in Budapest stattfindet, dauert sechs Semester und macht somit die Erbringung von 180 Credit Points notwendig. Es besteht aus einem Seminaranteil mit entsprechend zu absolvierenden Prüfungen sowie einem weitgehend eigenverantwortlich zu gestaltenden Forschungsanteil. Die Programmsprache ist ausschließlich Englisch. Aufgrund der vorhandenen gesetzlichen Grundlagen, sowohl bilateral als auch innerhalb der EU, ist der zu erwerbende akademische Grad voll in Österreich anrechenbar.

Lehrer mit Niveau
Die Lehrenden, die klarerweise durchwegs die entsprechende Qualifikation für die Lehre auf diesem Niveau aufweisen, rekrutieren sich u.a. aus Wissenschaftlern sowie aus akademisch umfassend gebildeten, weitgehend einsatzerfahrenen Offizieren, die großteils auch Kommandantenfunktionen entsprechender Ebenen aufweisen. Dieser überaus gelungene Mix ist als äußerst zweckmäßig zu bewerten, da dadurch das weite Feld der Militärwissenschaften optimal abgedeckt werden kann.
  Ein zentrales Element stellt die PhD-Arbeit dar. Das Thema kann entweder einerseits aus einer Liste von veröffentlichten Themen ausgewählt oder andererseits selbst vorgeschlagen werden. In jedem Fall ist eine Themenapprobation durch das Doctorate Council erforderlich. Die österreichischen Studenten bearbeiten im Rahmen dieser Arbeit weitgehend Themen aus ihren jeweiligen Arbeitsbereichen. Nach umfassenden Prüfungen am Ende des Studiums ist zu erwarten, dass die ersten österreichischen Studenten im Jahr 2012 abschließen werden und damit entsprechendes Know-how in das ÖBH einbringen können.

Conclusio
Zusammenfassend stellt diese weitsichtige Initiative der LVAk zweifellos einen zweckmäßigen Schritt zu der offensichtlich angestrebten Etablierung der Militärwissenschaften im Österreichischen Bundesheer auf einer breiten Ebene dar. Dieses Studium stellt ein musterhaftes Beispiel eines zweckmäßigen lebensbegleitenden Lernens von Ressortangehörigen dar. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 12/2011 vom 22. Juni

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