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analyse

Dr. Georg Bissinger

Mysterium Klimawandel

Der Klimawandel ist Realität, seine Ursachen und die Folgen sind Gegenstand vieler Forschungsprojekte, deren Ergebnisse von Wissenschaftlern und Umweltschützern unterschiedlich interpretiert werden. Im Rahmen einer Veranstaltung der Volkshochschule in Scheibbs referierte Dr. Georg Bissinger vom Bundesministerium für Landesverteidigung in Wien (Institut für Militärisches Geowesen, MilGeo) zum Thema „Mysterium Klimawandel“ und präsentierte die Studie „Das Klima in Österreich“. 


Der Scheibbser Meteorologe, der auch mit den Problemen der Bergbauern und der Grünlandwirtschaft auf dem Schlagerboden (St. Anton/ Jessnitz) im nö. Mostviertel vertraut ist, wies in seinem Vortrag u.a. nach, dass in den letzten 150 Jahren die mittlere Temperatur auf der Erde um 0,6° C anstieg, aber im Alpenraum die Zunahme drei Mal so hoch war. Dr. Bissinger: „Die Auswirkungen des sich vollziehenden Klimawandels zeigen sich anschaulich durch weniger Schnee in den Niederungen und kommen auch in einer verkürzten Dauer der Skisaison in mittleren Höhenlagen zum Ausdruck.“ Für steht auf der Grundlage seiner Untersuchungen und Beobachtungen fest, dass der Klimawandel zu einem weiteren Anstieg der Temperaturen führen wird und sich die Niederschläge bei gleichbleibender Jahresmenge eher in das Winterhalbjahr verlagern werden. Die Wetterextreme – Dürre, Überschwemmungen oder Waldbrände – dürften sich ebenfalls öfter wiederholen, während die Gletscher der Alpen weiter schmelzen werden.

Klima in Österreich
Das Wort „Klima“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Abhang oder Neigung. Die Meteorologen definieren das Klima als „einen mittleren Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort.“ Unter Wetter „sind der Zustand und die Änderung der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt oder während einer kürzeren Zeitspanne an einem Ort oder in einem Gebiet zu verstehen“. Die primären Ursachen für das wechselnde Wettergeschehen sind u.a. die unterschiedliche Erwärmung der Erdoberfläche.
   Österreich liegt im Herzen Europas. Es wird von Liechtenstein, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Italien und der Schweiz umgeben und ist mit einer Fläche von rd. 84.000 km² (davon 1.120 km² Wasser) ein Binnenland. Der tiefste Punkt ist der Neusiedlersee mit 115 m Seehöhe, die höchste Erhebung bildet der Großglockner mit 3.797 m. Die maximale Ausdehnung des Landes von Westen nach Osten beträgt 570 km, von Norden nach Süden sind es 300 km. Diese Fakten und auch die Tatsache, dass 47 % des Landes von Wald bedeckt sind, bestimmen natürlich auch die Klima und Wetterverhältnisse. Die Ostalpenländer – und dazu gehört Österreich – werden dem atlantisch-kontinentalen Übergangsgebiet zugerechnet. Österreich prägt ein feucht-gemäßigtes Klima. Die Republik liegt in einer Übergangszone, in der im Westen und Norden das ozeanisch beeinflusste und von feuchten Westwinden geprägte Klima vorherrscht, ausgenommen sind die inneralpinen Trockengebiete und das Obere Inntal. Im Nordosten, Osten und Südosten Österreichs dominiert hingegen der eher niederschlagsarme, pannonischkontinentale Klimatyp mit warmen bis heißen Sommern und relativ kühlen bis kalten Wintern. In den heimischen Südalpen prägt der mediterrane Einfluss das Wetter. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Jänner in den Flachlandschaften des Ostens zwischen 0° und -2° C, in 500 m Seehöhe werden zwischen -2° und etwa -4° C gemessen und in 1.000 m machen sie zwischen -4° und -6° C aus. Im Hochsommer liegt die Nullgradgrenze im Mittel bei etwa 3.300 bis 3.400 m, das bedeutet, dass auf dem Großglockner ständig eine Temperatur unter dem Gefrierpunkt herrscht. Zu den globalen Prognosen über mögliche Klimaänderungen stellte Dr. Georg Bissinger gegenüber der „Bürgermeisterzeitung“ fest: „Bei einem gleichbleibenden Anstieg der Emissionen wird sich schon in der ersten Hälfte d.Jh. der CO2–Gehalt gegenüber der vorindustriellen Zeit verdoppelt haben. Es wird befürchtet, dass die Temperatur bis 2100 um 1,4 bis 5,8° C ansteigen wird. Mit Veränderungen des globalen Wasserhaushalts und mit verstärkten Wetterextremen ist zu rechnen.“ (Die 236 Seiten umfassende Studie über das Klima in Österreich enthält auch detaillierte Übersichten über die Temperatur sowie Wettersituation vieler Gemeinden. Nähere Informationen können beim Institut für Militärisches Geowesen, 1070 Wien, Stiftgasse 2a, Tel.: 01/050201-1033251, E-Mail: kdofueu.img.geo@ bmlvs.gv.at angefordert werden). 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 23/2010 vom 1. Dezember

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