HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
wehrtechnik

Bgdr DDr. Harald Pöcher

Österreichische Waffen für die Schweizergarde

Eine kurze Meldung in den Medien ließ aufhorchen: Der Vatikan bestellt bei einem österreichischen Schmiedeunternehmen Harnische für seine 110 Gardisten umfassende Schweizergarde.


Über den rein kommerziellen Wert dringt nichts an die Öffentlichkeit; aber es ist nicht die kommerzielle Seite des Geschäftes, die den an internationalen Waffengeschäften Interessierten aufhorchen lässt, sondern rein die Tatsache, dass unter allen Bewerbern, die sich der Herstellung alter Waffen verschrieben haben, gerade das traditionsreiche österreichische Schmiedeunternehmen der Familie Schmidberger aus Lacken bei Molln im Bezirk Kirchdorf in Oberösterreich den Zuschlag erhielt. Die Fa. Schmidberger liefert natürlich nur die traditionellen Waffen und Rüstungen (Hellebarde und Schwert). Neben dem traditionellen Gerät aus längst vergangenen Zeiten verwendet die Schweizergarde moderne Waffen aus Schweizer Waffenschmieden, um die Wachaufgaben im Vatikan wahrzunehmen, u.a. die Pistole 75 und das Sturmgewehr des Schweizer Herstellers SIG.

„Schmiedegerechtigkeit“
Die Schmiede der Gebrüder Schmidberger befindet sich auf historischem Boden, denn bereits 1350 wurde die heutige Schmiede in einer Gegend gegründet, die bekannt ist für die exzellente Eisenverarbeitung. Bis heute konnte sich in Oberösterreich die Leistungsfähigkeit dieser Waffenherstellung trotz aller harten Konkurrenz in der Welt erhalten und sogar die Geschäftstätigkeit ausgebaut werden. Dies liegt einerseits an der Qualität der Produkte und andererseits an der großen weltweiten Nachfrage nach alten Waffen. Das Gebäude, in dem sich die Schmiede der Gebrüder Schmidberger befindet, ist im Jahr 1688 umfassend ausgebaut worden. Das Gebäude dürfte im Inneren heute noch die Form aufweisen wie unmittelbar nach der Erweiterung. Heute ist das Gebäude gemäß der Haager Konvention als Kulturgut geschützt. Einen weiteren Meilenstein erlebte die Schmiede unter Maria Theresia, als die Monarchin den Vorbesitzern um 1750 das Privileg der „Theresianischen Schmiedegerechtigkeit“ verliehen hatte – nachzulesen im Grundbuch, in dem vermerkt ist, „auf diesem Hause haftet die Schmiedegerechtigkeit“. Diese Auszeichnung wurde damals nur jenen Meisterbetrieben gewährt, die mindestens 200 Jahre ununterbrochen bestanden hatten.

Härten und Anlassen
Die Waffen aus der Schmiede der Gebrüder Schmidberger werden aus sogenanntem Vergütungsstahl geschmiedet, geschliffen, gehärtet, geprüft, poliert und sind für den Schaukampf geeignet. Ein Vergütungsstahl ist Stahl, der durch Vergüten (= Härten und Anlassen) hohe Zug- und Dauerfestigkeit erhält. Das Anlassen ist eine Wärmebehandlung, in der ein Werkstoff gezielt erwärmt wird, um seine Eigenschaften zu beeinflussen, insbesondere um Spannungen abzubauen. Neben der Herstellung von alten Waffen, Rüstungen, Harnischen und Helmen hat sich die Firma auch auf die Restaurierung von Rüstungen sowie Hieb- und Stichwaffen spezialisiert. Die traditionelle Herstellung und die vollendete Beherrschung alter Techniken wie das Treiben (ist ein Verfahren der Metallbearbeitung, bei dem ein Blech oder Vollmaterial, eventuell nachdem es zuvor durch Wärmen weich geglüht wurde, in kaltem Zustand verformt wird), Ätzen (bezeichnet die Abtragung von Material in Form von Vertiefungen auf der Oberfläche organischer oder anorganischer Materialien durch Anwendung ätzender Stoffe), Gravieren (Einschneiden von Ornamenten, Schriften und Verzierungen in Metall, Glas, Stein und anderen festen Werkstoffen), Feuervergolden (ist eine Technik, bei der ein Schmuckstück mit einem Gold/Quecksilber Gemisch überzogen wird, hernach wird es so erhitzt, dass das Quecksilber verdampft und ein gleichmäßiger Goldüberzug zurückbleibt), Bläuen (das früher viel praktizierte Bläuen von Stahlteilen beruht auf folgendem Verfahren: Beim Erhitzen von Stahl an der Luft bilden sich mit zunehmender Temperatur die sogenannten Anlauffarben, die Schichten von Eisenoxiden darstellen, die mit zunehmender Temperatur dann immer dichter werden. Das sogenannte „Bunthärten“ gehört auch dazu. Dabei kommt es auf sehr genaue Einhaltung der Arbeitsbedingungen und der Rezepturen an, um gute Resultate zu erzielen. Diese Verfahren waren und sind gut gehütete Geheimnissen der Schmiede und Kunsthandwerker), Schwärzen (die Schwärzung wird durch chemische Umwandlung auf einer entrosteten Metalloberfläche erreicht) und Tauschieren (Tauschierung ist eine Verzierung aus Buntmetall- oder Edelmetall- Intarsien (Einlagen) in metallenen Oberflächen) sind dazu die Grundlage. Wirft man einen Blick auf die Homepage der Fa. Johann und Georg Schmidberger (www.schmiedeschmidberger. at), so erfährt man, dass das Unternehmen historische Blankwaffen, Rüstungen, Harnische und Helme für Opern- und Schauspielhäuser, historische Vereine und Museen aus aller Welt, aber auch private Sammler von antiken Waffen auf allen Kontinenten herstellt. Österreich kann stolz sein, dass es über ein derartiges Unternehmen verfügt, das in seiner Sparte Weltruhm genießt. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 15/2012 vom 1. August

Drucken