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nationalfeiertag 2011

Obst Franz Langthaler, MSc

Österreichs Beitrag für die EUBG 2012-2

Im Juni 2004 beschloss der Rat der Europäischen Union Vorkehrungen und Strukturen zu schaffen, die geeignet sind, die sicherheitspolitische Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit zur Wahrung gemeinsamer Sicherheitsinteressen zu erhöhen. Das sogenannte Battle Group-Konzept, eine nicht ganz unproblematische Wortwahl, wurde einstimmig verabschiedet.


Hinter diesem Konzept steht die Ambition der EU, rasch verfügbare militärische Kräfte bereitzuhalten, um im Bedarfsfall unmittelbar auf sicherheitspolitische Krisen reagieren zu können. Das mögliche Einsatzspektrum ist ambitioniert und reicht von humanitären Einsätzen, Einsätzen zur Konfliktprävention, Evakuierungseinsätzen über friedenserhaltende Einsätze bis zu friedensschaffenden Einsätzen. Die EU sieht in diesen Reaktionskräften ein Mindestmaß an militärischen Kapazitäten, die schnell verlegbar sind, sowohl autonom Operationen im Umkreis von 6.000 km von Brüssel führen können als auch als Vorauskräfte für eine größere Operation dienen. Da das militärische Potenzial einer solchen Battle Group jedoch limitiert ist – der Kern der Einsatzkräfte ist in der Regel ein gehärtetes Infanteriebataillon – versteht sich von selbst, dass solche Kräfte nicht als Interventionskräfte angesehen werden können, was Kritiker der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik fälschlich oft ins Treffen führen.
  Seit 2007 wird dieses Konzept durch die Mitgliedstaaten auch in die Realität umgesetzt und dem Rat der EU-Staaten stehen permanent zwei Battle Groups, die im Halbjahresrhythmus wechseln, zur Verfügung. Eine Battle Group besteht aus bis zu 3.000 Soldaten, die meistens unter der Koordinierung einer Leitnation multinational aufgestellt und formiert werden.

Österreich übernimmt logistische Führung
2008 wurde durch Österreich auf militärdiplomatischer Ebene signalisiert, dass die Bereitschaft zur solidarischen Beteiligung an EU Battle-Groups besteht. Für die EUBG 2011-1 wurde als Beitrag eine verstärkte Infanteriekompanie eingemeldet, die unter der Leitnation Niederlande aufgestellt wurde. Für die EUBG 2012-2 erhöhte Österreich seinen Beitrag auf ein 350 Soldaten umfassendes Logistikkontingent. Der Kern des Kontingentes ist ein Logistikbataillon, im internationalen Sprachgebrauch auch als Combat Service Support Battalion (CSSBn) bezeichnet. Österreich stellt den Großteil des Kommandos; eine Stabseinheit und eine Transporteinheit, die Einzel- und Mengenversorgungsgüter innerhalb des Einsatzraumes von der logistischen Basis zu den Bedarfsträgern transportiert. Das Hauptgerät der Transportkompanie stellen die ab dem Jahr 2008 beschafften gepanzerten Hakenlastsysteme vom Typ MAN dar. Neben der Transporteinheit stellt die Beteiligung an dem unter deutscher Führung stehenden Sanitätsbataillon mit gehärteten und ungehärteten Notarztfahrzeugen sowie einem mobilen Notfallchirurgieelement einen weiteren qualifizierten Beitrag dar. Zusätzlich hat Österreich die Führung in der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit übernommen und stellt ein aus Spezialisten bestehendes CIMIC-Element.

Vorbereitung dauert 18 Monate
Aufbauend auf die Erfahrungen des Beitrages an der EUBG 2011 wird seit Jahresmitte 2011 das AUTCON EUBG 2012-2 in personeller, ausbildungsmäßiger und materieller Hinsicht auf mögliche Einsätze vorbereitet. Die Aufstellung des österreichischen „Force Packages“ dauert 18 Monate und gliedert sich in drei Halbjahresblöcke. Die ersten sechs Monate standen unter dem Titel Personalgewinnung und Formierung; diese Phase wurde mit Juni 2011 erfolgreich abgeschlossen. In der Phase II werden die Kontingentsangehörigen einer sechs Monate umfassenden nationalen Einsatzvorbereitung unterzogen, die noch bis Jahresende 2011 läuft. Nach dem Jahreswechsel übernimmt die Leitnation Deutschland die Koordinierung und es folgt eine 6-monatige Phase der internationalen Einsatzvorbereitung, während der gemeinsame multinationale Übungsvorhaben stattfinden und eine Zertifizierung der verschiedenen Elemente durchgeführt wird. Das österreichische CSSBn wird gemäß NATO-Richtlinien nach dem Operational Capabilities Concept in einem 2-stufigen Evaluierungsvorgang sowohl auf Interoperabilität als auch auf Einsatztauglichkeit (Combat Readiness) evaluiert.

6 Nationen - 2.900 Soldaten - ein Auftrag
Neben der Leitnation Deutschland, die mehr als die Hälfte der Kräfte der Battle Group stellt, beteiligen sich Österreich, Tschechien, Kroatien, Irland und das Nicht-EU-Mitglied Mazedonien mit wesentlichen Kräften, Fähigkeiten und Ausrüstung. Deutschland stellt neben dem Großteil des Einsatzverbandes (auch als Core-Battle Group bezeichnet) viele Force Multiplier wie z.B. Hubschrauber, weitere Logistikelemente, eine Militärpolizeikompanie, Führungsunterstützungskräfte und den Großteil des Sanitätsbataillons mit einem mobilen Feldspital. Der Gesamtumfang des deutschen Kontingentes beträgt ca. 1.600 Soldaten. Tschechien stellt wie Österreich ca. 350 Soldaten und bringt neben einer Infanteriekompanie noch ABC-Abwehrkräfte, Pionierkräfte und Fliegerabwehrkräfte in die EUBG ein. Mit ca. 240 Soldaten stellt Kroatien ebenfalls eine Infanteriekompanie sowie einen Feldlagerpionierzug. Irland stellt Aufklärungsfähigkeiten in Form einer ca. 150 Soldaten umfassenden ISTAR-Kompanie bei und Mazedonien beteiligt sich mit einer Infanteriekompanie, die auf Sicherungsaufgaben spezialisiert ist.

Österreich auch prominent mit Führungspersonal beteiligt
Aufgrund der logistischen Führungsrolle und weiterer umfangreicher und hochqualitativer Fähigkeiten wie z.B. Feldlagerbetrieb und Wasseraufbereitung sind österreichische Soldaten auch prominent in der Kommandostruktur vertreten. Der Einsatz einer EUBG wird gemäß Battle Group-Konzept von einem designierten Operational Headquarters geführt, das die militärstrategische Führung wahrnimmt und in Europa verbleibt. Der designierte Militärstrategische Kommandant ist Generalleutnant Markus Bentler, Kommandant des Kommandos Operative Eingreifkräfte der Bundeswehr in Ulm. Generalleutnant Bentler verfügt über umfangreiche Einsatzerfahrung, u.a. war er im Jahr 2010 Kommandant der KFOR. Als stv. Operations Commander während der Stand-by-Phase der EUBG 2012-2 ist der österreichische Bgdr Pronhagl designiert, der dz. ebenfalls am Kommando Operative Eingreifkräfte in Ulm Dienst versieht. Bgdr Pronhagl war der erste österreichische Kommandant der multinationalen Taskforce in Bosnien.

Führung im Einsatzraum durch das Force Headquarters
Die Führung einer EUBG im Einsatzraum wird in der Regel durch einen Brigadegeneral wahrgenommen. Als Force Commander der EUBG 2012-2 ist der deutsche Brigadegeneral Frank Leidenberger designiert, der über umfangreiche Auslandseinsatzerfahrung, u.a. als Kommandeur des RC North in Afghanistan im Jahr 2009, verfügt. Als stv. Force Commander und Nationaler Kontingentskommandant EUBG 2012-2 ist Obst Franz Langthaler, stv. Kommandant der 3. Panzergrenadierbrigade, designiert. Er bringt ebenfalls umfangreiche Auslandserfahrung, u.a. als Bataillonskommandant AUCON/ KFOR und ACOS CIMIC im Hauptquartier von EUFOR/ Tchad/RCA im Jahr 2008, mit. Schließlich wird auch das multinationale CSSBn durch einen österreichischen Offizier geführt. Kommandant ist Obstlt Michael Lippert, Kommandant des Panzerstabsbataillons 3 aus Mautern, der ebenfalls Auslandserfahrung, u.a. aus dem Kosovo, mitbringt.

Zusammenfassung
Die österreichische Teilnahme an der EUBG 2012 wird auf militärdiplomatischer Ebene als sichtbarer und hochgeschätzter Beitrag zu den europäischen Krisenreaktionskräften angesehen. Damit beweist Österreich seine Ambition, gemäß seiner nationalen Kapazitäten aktiv an der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union teilzunehmen. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 20/2011 vom 19. Oktober

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