HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
Sicherheitspolitik

Obst iR Kurt Gärtner

Schutz feldmäßiger Einrichtungen im Auslandseinsatz

Mit der fortschreitenden Zunahme von Auslandseinsätzen stehen die Streitkräfte der europäischen Staaten im 21. Jh. großen Herausforderungen gegenüber. Die Errichtung von Feldlagern, Flugplätzen, Unterkünften in Ortschaften usw. unter schwierigen Bedingungen sind eine notwendige Maßnahme zum Schutz und zur Erhaltung der Einsatzbereitschaft der Truppe. Solche Anlagen sind Primärziele für terroristische Anschläge von Aufständischen und Partisanen. Zur Verhinderung von eigenen Verlusten ist ein umfassendes und flexibles Schutzkonzept notwendig.


Einsatzvoraussetzungen
Die Befähigung zum Zusammenwirken unterschiedlicher Geräte und Waffensysteme (Interoperabilität) ist die Basis für erfolgreiche Einsätze im Ausland, da fast alle Auslandseinsätze multinational erfolgen. Daher müssen alle Schutzmaßnahmen zwischen den verschiedenen Truppen abgestimmt werden und eine funktionierende Kommunikation sichergestellt sein. Allein die Vernetzung bestehender Ressourcen wird deren Effizienz im Einsatz vervielfachen. Zusätzlich müssen die feldmäßigen Einrichtungen in die übergeordnete Kommandostruktur eingebunden werden.

Bedrohung
Aufgrund ihrer Lage – sowohl in Ortschaften als auch im freien Gelände – sind militärische Einrichtungen und Objekte vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Asymmetrische Angriffe, die mit den herkömmlichen militärischen Gegenmaßnahmen kaum beherrschbar sind, machen einen Großteil der Bedrohungen aus. Dazu gehören: Einfache Raketen, Granatwerfer-Granaten und Panzerfäuste, die im Nahbereich große Schäden anrichten können; improvisierte Sprengfallen an Straßen, Autobomben und durch Saboteure und Selbstmordattentäter eingeschleuste Sprengsätze. Darüber hinaus muss eine Reihe denkbarer Szenarien, wie z.B. Sprengstoffattentate mit Kleinflugzeugen oder ABC-Angriffe, einkalkuliert werden. Eine besonders heimtückische Gefahr für Feldlager und Konvois stellen Scharfschützen dar. Unter gewissen Umständen ist auch mit Luftangriffen durch Kampfflugzeuge und Hubschrauber zu rechnen.

Schutzmaßnahmen
Besonders die asymmetrische Bedrohung zwingt die Truppe, den Schutz der feldmäßigen Einrichtungen zu organisieren, rund um die Uhr verfügbar zu gestalten und in ein Gesamtsystem zu integrieren. Die Vernetzung aller Aufklärungs- und Einsatzmittel untereinander ist beim Schutz von feldmäßigen Einrichtungen und Objekten das oberste Gebot. Dabei können verschiedenste miteinander vernetzte Konfigurationen nach dem Baukastenprinzip bereitgestellt werden. Bis es später einmal ein Gesamtkonzept gibt, sollte die kurzfristige Realisierung einer Interimslösung mit den verfügbaren Mitteln ins Auge gefasst werden. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen sind vom Bedrohungsbild abhängig.

Ein wesentliches Element der Überwachung von feldmäßigen Einrichtungen sind Closed Circuit Television (CCTV)-Systeme. Sie können Eindringlinge automatisch entdecken und entsprechende Warnmeldungen abgeben. Mit Laserscannern, die einen bestimmten Bereich abtasten, lassen sich auch größere Flächen überwachen.

Feldlager sind v.a. aus der Luft verwundbar. Raketen einfacher Bauart bekommt man heute auf dem internationalen Schwarzmarkt günstig zu kaufen und sie haben im Nahbereich genügend Treffsicherheit, um eine ernsthafte Bedrohung für die Soldaten im Feldlager darzustellen. Die Firma Rheinmetall produziert das Flugabwehrsystem für Nächstbereichsschutz NBS C-RAM, eine Weiterentwicklung von Skyshield. Die Feuereinheit besteht aus einer Bedien- und Feuerleitzentrale, zwei Radar-Sensoreinheiten sowie aus sechs 35 mm Revolvergeschützen (Kadenz: 1.000 Schuss je Minute).

Die Advanced Hit Efficiency And Destruction-(AHEAD-)Munition stellt die Rocket-Artillery-Mortar-(RAM-)Abwehrfähigkeit sicher. Sie ist eine programmierbare Munition, die 152 Wolfram-Subprojektile kurz vor dem angreifenden Ziel ausstößt. Die hochenergiereichen Subprojektile zerstören anfliegende Raketen, Granaten und Geschosse.

DER SOLDAT Nr. 10/2010

Drucken