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Sicherheitspolitik

StWm Lukas Bittner

Sicherheitspolitische Entwicklungen in der arktischen Region

Die Entwicklung, die in den letzten Jahren in der arktischen Region vor sich gegangen ist, ist außerhalb der Anrainerstaaten weitgehend unbeachtet geblieben. Dennoch können diese Entwicklungen eine direkte Auswirkung auf Europa haben. Der folgende Artikel soll einen Überblick verschaffen und mögliche Vorgänge und Auswirkungen aufzeigen.


Durch die Änderung des globalen Klimas in den letzten Jahrzehnten hat sich auch die Arktis geändert. Eine Region, die noch vor wenigen Jahrzehnten durch einen dicken Eispanzer geschützt war, liegt immer öfter frei und ist damit zugänglich. Dies hat für die globale Wirtschaft zwei Auswirkungen. Zum einen werden große Öl- und Gasvorkommen in dieser Region vermutet. Manche Schätzungen gehen heute von ca. 25 % der unentdeckten förderbaren Ressourcen aus. Zum Zweiten öffnen sich durch den Rückgang des Eises die Nordostpassage – entlang Sibiriens – und die Nordwestpassage – entlang der Nordküste Kanadas und der USA – für die Schifffahrt. Diese Passagen führen nicht nur zu einer massiven Kostenersparnis durch die Verkürzung der Passage, sondern sind im Vergleich zu anderen Routen auch sichererer – Stichwort Piraterie.

Es geht um Bodenschätze
Bis zum heutigen Tag sind aber klare politische und staatliche Zuständigkeiten über das Gebiet der Arktis nicht geklärt. Für Aufsehen sorgte 2007 Russland deshalb mit dem Setzen seiner Flagge, um seinen Gebietsanspruch zu dokumentieren. Dieses Gebiet – der Lomonossow- Rücken – wird allerdings auch von Norwegen und Kanada beansprucht. Der Hintergrund dieser Aktion: Die durch internationales Recht festgelegten Wirtschaftszonen, die sich durch den Festlandsockel definieren und es den jeweiligen Staaten erlauben, dort vorhandene Bodenschätze auszubeuten.

Anpassung der Doktrinen
Alle fünf Anrainerstaaten haben in den letzten Jahren auf diese Entwicklungen durch Anpassungen in ihrer nationalen Sicherheitspolitik reagiert. So hat z.B. Kanada Anpassungen in seinen Streitkräften vorgenommen, die ein erweitertes Training unter arktischen Bedingungen, den Ausbau von Basen nördlich des Polarkreises und auch den Einsatz von Drohnen in dieser Region vorsehen. Damit soll die staatliche Souveränität, insbesondere in der arktischen Region, gewahrt werden. Dänemark führt im Rahmen des „Danish Defence Agreement 2007“ das „Greenland Command“ mit den „Faroe Command“ zum neuen „Arctic Command“ zusammen. Dieses wird mit einer eigenen „Arctic Response Force“ ausgestattet sein. Die norwegische Sicherheitspolitik setzt immer noch den Fokus auf Russland, obwohl sich die Bedrohung Norwegens zu Interessenkonflikten in der arktischen Region verschoben haben. Gleichzeitig kommt es zu einer Verlagerung des Schwerpunktes der Streitkräfte vom Süden des Landes hin zu Regionen nördlich des Polarkreises. Russland hat im Jahr 2007 regelmäßige Patrouillenflüge über die Arktis bis an die kanadische Grenze aufgenommen. Diese führen immer wieder zu Verstimmung zwischen diesen beiden Staaten. Außerdem kommt es zu einem Ausbau der russischen Nordund Pazifikflotte. Die USA setzen bis heute die wenigsten Akzente im arktischen Raum. Sowohl unter George W. Bush als auch unter Barack Obama spielt dieser Raum eine untergeordnete Rolle. Bis heute ist der arktische Raum zwischen dem US Northern Command (USNORTHCOM), dem US Pacific Command (USPACOM) und dem US European Command (USEUCOM). Auch wenn das USNORTHCOM grundsätzlich verantwortlich für die arktische Region ist, so kommt es aufgrund der Trennungen in den Verantwortlichkeiten dennoch zu Friktionen und zeigt ein gewisses fehlendes Interesse vonseiten der USA.

Risiken und Möglichkeiten
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in der arktischen Region erhebliche sicherheitspolitische Risiken, aber auch potenzielle Kooperationsmöglichkeiten nahe beieinanderliegen. Diese „neuen“ grenzüberschreitenden Herausforderungen können zu einem Modellfall für die komplexen gegenwärtigen Probleme in den internationalen Beziehungen werden. Gerade für die Europäische Union, die zusammen gesehen die weltweit größte Handelsflotte besitzt und damit die Nordost- bzw. Nordwestpassage als eine interessante Alternative zu den dz. Schifffahrtsrouten bieten könnte, aber auch stark von fossilen Brennstoffen abhängig ist, sollte großes Interesse an dieser Region besitzen. Auch wenn im Moment keine Spannungen zu erwarten sind, so gibt es im Moment noch Konfliktpotenzial, das durch internationale Abkommen geklärt werden muss.

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 13/2012 vom 4. Juli

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