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CHRONIK

Gabriele Schaumann
Karin Schmid

Sonderausstellung „Frauen im Krieg“

Sonderausstellung „Frauen im Krieg“

Vor 100 Jahren fand der erste „Internationale Frauentag“ statt. Am 19. März 1911 gingen in Wien – so wie in vielen Städten Europas – Zigtausende Frauen auf die Straße. Sie demonstrierten für das Frauenwahlrecht, forderten u.a. die Reduzierung der Tagesarbeitszeit, gleichen Lohn bei gleicher Arbeit sowie die demokratische Gestaltung des Mutter- und Kinderschutzes.


Dieses Jubiläum nahmen wir zum Anlass, um die heurige Sonderausstellung den Frauen zu widmen. Der Schwerpunkt der Ausstellung „Frauen im Krieg“ liegt natürlich in den Jahren 1914 bis 1918.

Suffragetten
Unsere Zeitreise beginnt Ende des 19. Jh., als Frauenvereine sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzten. In Großbritannien und den USA kam es zu Demonstrationen radikaler Frauenrechtlerinnen, den sogenannten Suffragetten (von engl./ franz. Suffrage = Wahl). Es waren vorwiegend Frauen aus dem Bürgertum, die mit passivem Widerstand, Störungen offizieller Veranstaltungen und Hungerstreiks, aber auch Rauchen in der Öffentlichkeit – was damals nur Männern erlaubt war – für ein allgemeines Frauenwahlrecht eintraten.
  Zu Kriegsbeginn 1914 galten Frau und Kinder als Inbegriff der Schutzbedürftigkeit. Stellvertretend für den in den Krieg ziehenden Mann lag die Hauptaufgabe der Frau nun darin, die Familie und damit die Existenz weiter aufrechtzuerhalten. Tausende Zivilisten zwang der Krieg zur Flucht, ehe die Front ihre Heimstätten erreichte. Oft alles hinter sich zurücklassend, zogen endlose Kolonnen mit Frauen, Kindern und Greisen durch halb Europa in der Hoffnung, irgendwo eine Bleibe zu finden.

Industriesklaven
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wandelte sich das Bild der Frauen drastisch. Sie mussten nun die eingezogenen Männer im Hinterland ersetzen und Arbeiten verrichten, die man ihnen nie zugetraut hätte. Galten sie doch in den Augen der Männerwelt nach wie vor als schwach, undiszipliniert und unzuverlässig.
  Am stärksten belastet waren die Arbeiterinnen und verarmten Frauen aus der Mittelschicht. In Industrie und Gewerbe mussten sie unter katastrophalen Arbeitsbedingungen, wie Aufhebung der Sonntagsruhe und des Nachtarbeitsverbotes, der Nichtbezahlung von Überstunden bei Erhöhung der Arbeitszeit auf bis zu 14 Std. täglich, arbeiten, wodurch sich Unfälle, Krankheiten und Fehlgeburten mehrten.
  Es waren die Frauen, die die Wirtschaft damals aufrechterhielten. Sie leisteten in der Rüstungsindustrie teilweise unter Lebensgefahr Schwerstarbeit.
  Viele Frauen milderten als Krankenschwestern das Leiden zahlreicher verwundeter Soldaten. Einige kämpften sogar in Uniform an vorderster Front.

Los der Kriegerwitwen
Und es waren die Frauen, die in diesen Jahren trotz fatalem Rohstoff- und Nahrungsmittelmangel in der Heimat um das Überleben ihrer Familien kämpften. Die Lebensmittelknappheit bedeutete oft stundenlanges Anstellen vor den Geschäften. Auch Angehörige der Mittelschicht und des Großbürgertums sahen sich vor bisher nicht gekannte Probleme gestellt. Zusätzliche Belastungen bereiteten der Bevölkerung auch der Schleichhandel und die damit verbundene Preistreiberei.
  Millionen Soldaten kehrten von den Schlachtfeldern nicht mehr zurück. Die vielen Frauen, die in den Kriegsjahren Unmenschliches geleistet und Entbehrungen auf sich genommen hatten, wurden nun als Kriegerwitwen zu Bittstellerinnen. Bei den regelmäßigen Gängen zu den Versorgungsämtern zeigte sich rasch, wie der „Dank des Vaterlandes“ aussah. Besonders schwierig war die Situation für die Frau, wenn der Mann als Kriegsinvalide zurückkehrte und keiner Arbeit mehr nachgehen konnte.
  Wer könnte nicht verstehen, dass die Frauen aus dem Ersten Weltkrieg mit gestärktem Glauben an sich selbst hervorgingen und so einen gewaltigen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung taten. Mit Gründung des neuen Staates „Deutschösterreich“ am 12. November 1918 war das Frauenwahlrecht – gewissermaßen die Belohnung für ihren Einsatz im Krieg – endlich erreicht und gehörte zu den frühesten in Europa.
  In dieser Sonderausstellung präsentieren wir nicht nur viele historische Fotos, Original-Postkarten, zahlreiche Exponate und Dokumente sowie Dioramen im Maßstab 1:1, sondern auch einige Kurzbiographien von Frauen, die Geschichte schrieben.
  Die Ausstellung läuft von 18. Juni bis 15. Oktober zu folgenden Öffnungszeiten:
  Montag bis Freitag 10.00 bis 13.00 und 15.00 bis 18.00 Uhr;
  Samstag, Sonntag und Feiertag 14.00 bis 18.00 Uhr.  

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 14/2011 vom 20. Juli

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