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Sicherheitspolitik

Obstlt Manfred Chladt

Symposium Luftstreitkräfte 2011 an der FlFlATS

Bereits zum vierten Mal lud die Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule zu einem Symposium rund um die „Luftstreitkräfte“ auf den Fliegerhorst nach Langenlebarn. Der Schulkommandant, Bgdr Mag. Günter Schiefert, konnte dazu rd. 100 Gäste aus dem Österreichischen Bundesheer sowie aus Deutschland und Norwegen begrüßen.


Nach den einleitenden Worten von GenLt Mag. Dietmar Franzisci, bei denen er auf die aktuelle Situation und die finanzielle Lage einging, erläuterte der Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, GenLt Norbert Finster, die Leitgedanken zur Restrukturierung der Bundeswehr in seinem Eröffnungsvortrag „Die Neuausrichtung der Luftwaffe – Moderne Fähigkeiten für zukünftige Einsätze“. Hierbei beschrieb er insbesondere die zukünftige Rolle von Luftstreitkräften und skizzierte die Entwicklungslinien hin zu Luftstreitkräften der Zukunft.

Panel 1
Zukunftsfähigkeit im Rahmen der Neuausrichtung bedeutet für die Luftwaffe in erster Linie, stets einen wirkungsvollen Beitrag zur streitkräftegemeinsamen Aufgabenerfüllung im nationalen bzw. internationalen Verbund leisten zu können. Nachdem jahrzehntelang der Kampf gegen feindliche Luftkriegsmittel im Vordergrund stand, werden in Zukunft unterstützende Luftkriegsoperationen einen höheren Stellenwert einnehmen. Aus dem Ziel der Politik, ein möglichst breites Spektrum an Handlungsoptionen verfügbar machen zu können, wurden die sechs operationellen Kernfähigkeiten für die Neuausrichtung der Luftwaffe abgeleitet. Diese sind die Befähigung zu
• Luftangriff,
• Luftverteidigung,
• Lufttransport,
• Luft- und Weltraumüberwachung und -aufklärung,
• Luftraumordnung,
• Planung und Führung von Luftoperationen.
Um die geforderten Fähigkeiten erbringen zu können, ist ein umfassender Generationenwechsel notwendig. Bereiche, in die die Luftwaffe zukünftig intensiver investieren will, sind auf die vier Zukunftsfelder Air- Surface Integration, unbemannte Luftfahrzeugsysteme, Weltraumnutzung und Flugkörperabwehr konzentriert. Diese Maßnahmen werden die Luftwaffe damit in die Lage versetzen, auch in Zukunft ihren Beitrag zur Sicherstellung des Friedens und der Sicherheit für die Bundesrepublik Deutschland und im Rahmen der Bündnisse zu leisten.

Breite Palette an Referaten
Das Panel 1 war dem Thema „Nationaler und internationaler Einfluss auf die Ausbildung der Österreichischen Militärpiloten. Aufzeigen möglicher Kooperationsfelder anhand internationaler Beispiele“ gewidmet. Obstlt Zwanz, der Ausbildungsleiter der Düsenmilitärpilotenausbildung im Institut Flieger der FlFlATS, stellte in seinem Referat den Notwendigkeiten der Ausbildung zum Eurofighterpiloten die vorhandenen Ausbildungsmittel gegenüber und begründete die dz. geübte Praxis der Auslagerung des FLIT (Fighter Lead In Training) zur italienischen Luftwaffe nach Lecce. Durch seine Darstellung der geforderten Fähigkeiten, um einen „4th Generation Fighter“ pilotieren zu können, zeigte er die Anforderungen an einen zukünftigen Düsentrainer auf.
  Obst Trierweiler, der Leiter des Instituts Flieger, stellte in seinem Referat das dz. Ausbildungsmodell der Schweizer Luftwaffe vor. Die Schweiz hat ein sehr aufwendiges Eignungsfeststellungsverfahren eingeführt, um Ausfälle während der Ausbildung möglichst auszuschließen. Die Ausbildung zum Schweizer Berufsmilitärpiloten beginnt für alle Anwärter mit einem 6-semestrigen Studium an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur. Integriert ist eine Berufspiloten- Ausbildung bei der Swiss Aviation Training (SAT) in Kloten. Der Abschluss des Studiums erfolgt als „Bachelor of Science in Aviation“ und Verkehrspilot „Air Transport Pilot Licence (ATPL)“. Danach erfolgt an der Pilotenschule der Luftwaffe die militärfliegerische Ausbildung auf modernen Schulluftfahrzeugen und Simulatoren, wobei die Ausbildung der angehenden Kampfflugzeugpiloten auf einem hochmodernen Turbotrainer eine Besonderheit darstellt.
  Obst Dipl.-Ing. (Univ.) Hans-Peter Grathwol stellte die Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg und ihr neues Hubschrauberausbildungskonzept vor. Besonders ging er auf den Bereich der multinationalen Ausbildung ein.

Panel 2
Die immer größer werdende Technologisierung des Gefechtsfeldes wurde im Panel 2 mit dem Themenbereich „Die Luftaufklärung im internationalen Einsatz, deren zukünftige Entwicklung und Kooperationsmöglichkeiten im Einsatz“ offensichtlich. Obst Hans-Jürgen Knittlmeier, Kommodore des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“, stellte die Luftaufklärung der Deutschen Luftwaffe im Rahmen des ISAF-Einsatzes in Afghanistan sowie die daraus resultierenden Ableitungen für die Luftaufklärung in der deutschen Bundeswehr vor.
  Entsprechend der Aufklärungsarchitektur untergliedert sich diese in
• weltweite Aufklärung,
• weiträumige Aufklärung und
• Aufklärung im Einsatzgebiet.
Die weltweite Aufklärung basiert auf dem Satellitensystem SAR (Synthetic Aperture Radar) „Lupe“, das weit oberhalb der Hoheitsgebiete souveräner Staaten Radarbilder von Einsatzgebieten liefert und der Zuständigkeit der Streitkräftebasis obliegt. Bei der weiträumigen Aufklärung setzt die Luftwaffe in Zukunft auf die unbemannten Systeme Euro Hawk (SIGINT – Signal Intelligence) und Global Hawk (IMINT – Imagery Intelligence). Den letzten und lange Zeit einzigen Pfeiler der Aufklärungsarchitektur stellt die Aufklärung bis ins Einsatzgebiet dar. Hier sind die Waffensysteme Tornado – penetrierend und Schwerpunkt bildend mit dem Recce-Lite, einem digitalen Aufklärungsbehälter, und Heron 1, einem taktischen UAS (Unmanned Aerial System) – Überwachung mit langer Stehzeit – vertreten.
  Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Ausbildung und im Einsatz wurden durch Mjr Frank Hauenstein, dem stv. Leiter des Ausbildungszentrums für Abbildende Aufklärung der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, und Obst Ing. Günter Wendner vom BMLVS präsentiert.

Panel 3
Einen unmittelbaren Bezug zu den dz. laufenden Auslandseinsätzen des Österreichischen Bundesheeres sowie der deutschen Bundeswehr stellte das Panel 3 mit dem Thema „Gefahrguttransport Luft – internationale Entwicklung und (mögliche) Auswirkungen im militärischen Transportwesen“ her. MinR Karl- Michael Hruza vom BMLVS und Fregattenkapitän Ralf Götting vom Streitkräfteunterstützungskommando in Köln legten die rechtlichen Grundlagen dar. Günter Hasel, Inhaber von LOGARConsulting in Baden-Baden konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Ausbildung nach zivilen Standards und die Notwendigkeit der zivilen Zertifizierung gemäß IATA/DGR International Air Transport Association/Dangerous Goods Regulations. Die zukünftige Entwicklung im IATA/DGR-Bereich sieht eine Umstellung auf elektronische, Internet basierende Formate vor, was zu einer wesentlichen Vereinfachung und Beschleunigung in der Administration führen und das vollständige Echtzeit-Tracking von Sendungen und Ladeeinheiten ermöglichen wird.
  In seinem beeindruckenden Abschlussreferat stellte der Kommandant der Königlich Norwegischen Luftwaffenakademie, Obst Ole- Asbjorn Fauske, sicherheitspolitische Betrachtungen in einer neuen Zeit an. Norwegen begründet seine Sicherheit in erster Linie auf seine Mitgliedschaft in der NATO. Durch das Bereithalten von Kräften und Gerät demonstriert es den Willen, den Mitgliedsländern der Allianz im Anlassfall Hilfe leisten zu können. Am Beispiel der Arktis und der vielseitigen Interessen von Nachbarländern wie Russland, den USA oder Kanada über die Europäische Union bis zu den entstehenden Großmächten wie China oder Indien zeigte Obst Fauske die Notwendigkeit schlagkräftiger eigener militärischer Mittel und Kräfte einerseits und der Allianzen und Kooperationen anderseits auf. In diesem Licht erscheint auch die jetzt eingeleitete Beschaffung von F-35 Kampfflugzeugen nur konsequent und folgerichtig. Gleichzeitig wird aber auch die internationale Vernetzung durch die Teilnahme an der Überwachung der Flugverbotszone über Libyen und der bereits zehn Jahre andauernden Unterstützung des ISAF-Einsatzes offensichtlich. Sämtliche Auslandseinsätze werden gegen die nationalen Bedürfnisse abgewogen. Bei Aufträgen von längerer Dauer muss dem Einsatz ein Niveau zugeordnet und dieser so ausgelegt werden, dass es zu keiner Beeinträchtigung der Kräftestruktur für eventuelle folgende Bereitstellungen kommt. Die Teilnahme an multinationalen Einsätzen dient nicht ausschließlich der Erreichung Norwegischer Ziele, sondern trägt vorzugsweise zur Stabilisierung einer Region, die zu erheblicher internationaler Unruhe, Krieg und Terrorismus führen kann sowie der Unterstützung der Bündnisse UNO und NATO, bei. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 24/2011 vom 21. Dezember

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