HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
chronik

Hptm Mag. (FH) Pierre Kugelweis

Universität Graz und Streitkräfte blicken gemeinsam auf Bosnien-Herzegowina

Graz, 2. November. Die militärisch- wissenschaftliche Kooperation zwischen dem Streitkräfteführungskommando und der Karl-Franzens- Universität in Graz nahm sich des aktuellen Themas „Bosnien-Herzegowina zwischen Gestern, Heute und Morgen“ an. Bei dieser Tagung am Uni-Campus beleuchteten Experten des Bundesheeres, der Wissenschaft und der Politik den komplexen Krisenherd am Balkan.


Kooperation als Zukunftsoption
Der Hausherr und Rektor der Universität Graz, Univ.- Prof Dr. Alfred Gutschelhofer, eröffnete die Tagung, bei der er die traditionell hohe Bedeutung des Balkans – im Speziellen Bosnien- Herzegowina – für die Uni Graz unterstrich. Daran anschließend freute er sich als Rektor, „dass das Bundesheer an die Uni zur Kooperation herangetreten ist“. So sieht er ein Arbeiten in Bosnien der Streitkräfte und der Uni Graz „auf derselben Basis“ – das Bundesheer im Bereich der Sicherheit und die Grazer Wissenschaft beim Unterstützen bosnischer Studenten. Gutschelhofer sah zudem „den Wunsch nach weiteren Kooperationen der Karl-Franzens-Universität mit dem Bundesheer“.

Überblick des Streitkräftekommandanten
GenLt Günter Höfler, Kommandant der Streitkräfte, spannte den einleitenden Themenbogen vom ersten Auslandsengagement des Bundesheeres im Kongo vor 50 Jahren bis zur aktuellen Schwergewichtsmission am Balkan, in Bosnien-Herzegowina. Er unterstrich die beeindruckenden Leistungen der insgesamt 90.000 österreichischen Auslandseinsatz- Soldaten. In derzeit elf Missionen sind 1.180 Bundesheer- Soldaten rund um die Uhr außerhalb Österreichs Grenzen im Einsatz. Allein im bisher 15-jährigen Bosnien-Einsatz konnten neben der Sicherheit im Land auch 150 Hilfs- und Entwicklungsprojekte der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit erfolgreich umgesetzt werden.

Der militärische Blick auf Bosnien
Der derzeit führende Kommandant aller EUFOR-Truppen in Bosnien, GenMjr Bernhard Bair, betonte die große Bedeutung Bosnien- Herzegowinas für Österreich. So sah er den Balkanstaat durch die in Österreich ansässige bosnische Bevölkerungsgruppe und auch intensive wirtschaftliche Verflechtungen eng verbunden. Kontingentskommandant Bair informierte brandaktuell über die derzeitige Lage im Einsatzraum. Der militärische Fokus auf die Gegenwart wurde durch den Rückblick auf Einsatzerfahrungen von Bgdr Erwin Schmidl, dem ehemaligen Kommandanten einer multinationalen Brigade in Bosnien-Herzegowina, abgerundet.

Zivile Erfahrungen in Bosnien
Der Rechts- und Politikwissenschaftler, Univ.-Prof Dr. Josef Marko, berichtete von den Erfolgen und Misserfolgen einer umfassenden Verfassungsreform in Bosnien- Herzegowina. So war er an der Reformierung der Justiz, des Sicherheitsbereiches und der Neugestaltung der Grundlagen für das bosnische Militär maßgebend beteiligt. Erwin Kauer, Rüstungsexperte, gab dazu passend einen fundierten Überblick über die in den letzten 15 Jahren niedergegangene Rüstungsindustrie und deren erfolgreiche internationale Kontrolle.

Aktuelle Probleme wurden diskutiert
Der derzeitige österreichische Kontingentskommandant, ObstdG Johann Lattacher, beleuchtete nach seinem Überblick über die national eingesetzten Kräfte im österreichischen Verantwor tungsbereich die noch immer akute Bedrohung durch verstreute Kampfmittel und Minen im ehemaligen Kriegsgebiet. Lattacher beschrieb die laufende Lösung dieser Gefahr durch kontrollierte Munitionsvernichtung und Unterstützung bei der Entminung Bosnien-Herzegowinas.
  Johannes Viereck vom dänischen Außenministerium und in Bosnien-Herzegowina im Büro des Hohen Repräsentanten legte aktuelle Problematiken, wie die gegenseitige politische Blockade der Volksgruppen im Balkanstaat, umfassend dar.

Der Blick in die Zukunft
Abschließend diskutierten die Experten über Lösungsmöglichkeiten. Als Grundtenor war trotz der unterschiedlichsten fachlichen Zugänge der Fachleute klar herauszuhören, dass Bosnien-Herzegowina auch in Zukunft mit grundlegenden Herausforderungen in allen Lebensbereichen der Gesellschaft konfrontiert sein wird. Der Kommandant der Streitkräfte, Günter Höfler, zum Lösungsbeitrag der internationalen Gemeinschaft: „Konflikte lassen sich nur vernetzt und ganzheitlich, wie durch ein politisches, wirtschaftliches und wenn notwendig auch militärisches Engagement, lösen.“
  Die kooperative Tagung in Graz leistete so einen konstruktiven Beitrag zur interdisziplinären Herangehensweise an die Herausforderung Bosnien-Herzegowina und seine Zukunft. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 23/2010 vom 1. Dezember

Drucken