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Obst Karl Heinz Eisler

Unsicherheitsfaktor Iran

Das Atomkraftwerk Buschehr ging nach Anfangsschwierigkeiten Ende August 2010 in Betrieb. Über Zwischen- oder Endlager für ausgebrannte Brennstäbe ist nichts bekannt. Es kann auch angenommen werden, dass Frankreich wegen der UNO-Ächtung den Wiederaufbereitungsvertrag nicht mehr unterschrieben hat. Experten dürften jedoch recht haben, wenn sie meinen, dass der Iran die Atombombe in 6 bis 18 Monaten haben würde. 


Dazu ist zwar eine größere Anzahl Uran- Anreicherungszentrifugen nötig, die aber vermutlich bereits beschafft wurden. Woher? Sie werden nicht überall hergestellt und auch nicht im Supermarkt verkauft.
  Zwei führende iranische Atomphysiker wurden Opfer von Bombenattentaten. Dafür verantwortlich gemacht wurde die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.

Innenpolitische Instabilität
Am Morgen des 20. November 2010 erschütterten zwei Bombendetonationen Stadtteile von Teheran.
  Bei der ersten Explosion wurde der Leiter der iranischen Atomreaktorentwicklung, Dr. Majid Shahriari, getötet; seine Ehefrau und sein Chauffeur überlebten schwer verletzt. Eine Haftmine wurde von einem Motorradfahrer an seinem Dienstwagen angebracht und explodierte nach einigen Sekunden. Shahriari war auf dem Weg zur Universität, um eine Vorlesung zu halten.
  Am anderen Ende der Stadt wurden Dr. Fereydoon Abbasi und seine Frau bei einem Bombenattentat schwerst verletzt. Die Bombe explodierte zu früh, da Abassi noch 2 m von seinem Auto entfernt war. Dr. Abbasi ist hochrangiges Mitglied der Revolutionsgarden und der iranischen Militär- und Verteidigungsagentur. Er dürfte an der Entwicklung eines Atomwaffenprogramms führend mitarbeiten.
  Teheran beschuldigte als Verantwortliche für die Attentate den israelischen Geheimdienst oder kurdische Separatisten oder die IAEA.
  Fast zur gleichen Zeit entließ Mahmoud Ahmadinejad, vermutlich auf Befehl des Hardliners und informellen Führers Ayatollah Khamenei, seinen Außenminister Manouchehr Mottaki (er hielt sich zur gleichen Zeit in Senegal auf). Mottaki dürfte sowohl in Atomfragen als auch bei der Biologisch Chemischen Waffen-Abrüstungskonferenz in Genf zu gemäßigt aufgetreten sein.
  Der Chef-Verhandler bei der IAEA, Ali Akbar Salehi, wurde als neuer Außenminister angelobt. Als Nachfolger bei der Energiebehörde wurde Mohammed Ghannadi- Maragheh ernannt.

Schlaglichter
Nachdem Russland seiner Verpflichtung, Nuklear- Treibstoffe zu liefern, nachgekommen war, nahm das Atomkraftwerk Buschehr Ende August den Betrieb auf. Es sollte in den folgenden 6 bis 9 Monaten 1.000 MW Strom liefern. Der gelieferte Treibstoff reicht für 2 bis 3 Jahre. Die IAEA in Wien protestierte gegen die Inbetriebnahme, da keine Vorkehrungen für eine etwaige (Not)-Abschaltung ersichtlich sind.
  Die Uran-Anreicherung in Natanz wurde für mehr als einen Monat eingestellt, da der Computerwurm Stuxnet das komplette System blockierte.
  Die Zentralen beider Atomzentren (Buschehr und Natanz) liegen etwa 80 m unter der Erdoberfläche.
  Das offizielle Teheran, allen voran der Minister für den Nachrichtendienst, Heydar Moslehi, beschuldigen Mossad, CIA und MI6, für Attentate im Iran verantwortlich zu sein. U.a. für das Bombenattentat auf die Hussein- Moschee in Chabar, bei dem 33 Menschen getötet wurden. Das Attentat wurde am Ashura-Festtag der Schiiten verübt und es bekannte sich die anti-iranische militante Islamistenguppe Jundallah dazu. Der Jundallah- Führer Abdolmalek Rigi war im Juni 2009 im Iran exekutiert worden.
  Trotzdem verhaf tete das Regime in Teheran eine Reihe von Ausländern, meistens Journalisten, z.B. Deutsche und Briten, und übergab der pakistanischen Regierung eine Liste von Terrorverdächtigen, die möglichst rasch an den Iran zu übergeben wären.
  Der britische Gesandte in Teheran, Simon Gass, beschuldigte das Teheraner Regime, Menschenrechte völlig zu ignorieren und wahllos Journalisten und andersdenkende Oppositionelle grundlos zu inhaftieren. Parlamentssprecher Ali Larijani verlangte daraufhin von der britischen Regierung eine offizielle Entschuldigung, die bis dato ausblieb, worauf der Sprecher des Außenministeriums den Abbruch diplomatischer Beziehungen androhte.

Internationale Ausgrenzung
Nach dem Staatsbesuch von Präsident Ahmadinejad in Saudi-Arabien meinte, lt. Wikileaks-Veröffentlichung, der saudische König Abdullah: „Einer Schlange müsse man den Kopf abschlagen.“
  Der US-Unterstaatssekretär für illegale Finanztransaktionen und Terrorismusbekämpfung, Stuart Levey, referierte über das Funktionieren der Sanktionen gegen den Iran und stützte sich dabei auf die UNO-Resolutionen 1.737 und 1.747. Beide Resolutionen verbieten Waffenlieferungen, Lieferungen von Rüstungsund Dual Use-Gütern sowie Materialien zur Herstellung derselben in den Iran.
  Tatsächlich zeigte aber Washington Berlin die „Gelbe Karte“, da angeblich deutsche Banken Rüstungsgeschäf te mit Teheran finanzierten. Die US-Regierung erließ zusätzliche Restriktionen für heimische Unternehmen, um Exporte in den Iran komplett zu unterbinden. Diese jedoch wurden bereits etwa 10.000 Mal unterlaufen, da ja „nur humanitäre Güter und Kaugummi“ geliefert wurden.
  Auch die OMV wurde von amerikanischer Seite, wie fast alle auf europäischen Flughäfen vertretenen Benzinfirmen, aufgefordert, Iran Air-Flugzeuge nicht mehr zu betanken. Dieser Aufforderung wurde bislang nicht Folge geleistet. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 4/2011 vom 23. Februar

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