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sicherheitspolitik

Bgdr DDr. Harald Pöcher

Viren in Drohnen der US Air Force

Der Cyberwar ist um eine kleine Facette reicher

Schenkt man Berichten des US-amerikanischen Computermagazins „Wired“ Glauben, so hat sich ein hartnäckiges Virus in Ground Control Stations (Bodenkontrolle) der unbemannten Luftfahrzeuge der US Air Force eingenistet und kann nur schwer wieder entfernt werden. Das Problem mit dem Virus wurde auf der Creech Air Force Base in Nevada im Herbst vorigen Jahres entdeckt. Offensichtlich durch ein Informationsleck ist der bedauerliche Zwischenfall an die Redaktion der renommierten Computerfachzeitschrift gelangt. Weder das Pentagon noch die US Air Force haben den Bericht kommentiert.


Die Creech Air Force Base, benannt nach dem Fliegergeneral Wilbur L „Bill“ Creech, besser bekannt als der Vater der „Thunderbirds“, der Kunstflugstaffel der US Air Force, deren Maschinen in den US-amerikanischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau lackiert sind. Auf der Creech Air Force Base sind Drohnen der Typen MQ-1 Predator und MQ-9 Reaper stationiert. Auf dem Flugplatz sind auch die Steuereinrichtungen und ortsfesten Cockpits untergebracht, durch die die Drohnen von ihren Piloten vom Boden aus mithilfe von Monitorüberwachung und Joystick-Steuerung an ihr Ziel herangeführt werden.

Zahllose Erfolge
Die USA sind mit ihrer unbemannten Luftwaffe weltweit führend und konnten bereits auf spektakuläre Erfolge verweisen, etwa im Irak und in Afghanistan, wo mehr als 150 Drohnen der US Air Force Überwachungs- und Kampfaufgaben erfüllen; in Pakistan, wo durch Drohneneinsatz der CIA in 230 Einsätzen mehr als 2.000 als gefährlich eingestufte Personen getötet worden sein sollen; im jüngsten Libyeneinsatz durch gezielte Einsätze gegen Stellungen der Gaddafi-Anhänger sowie am Horn von Afrika durch die Tötung des Topterroristen Anwar al-Awlaki.

Predator und Reaper
Die neue Waffe ist Hochtechnologie. Hier eine kurze Vorstellung der Leistungsdaten: MQ-1 Predator (Raubtier, Jäger) ist eine ferngesteuerte Drohne (Unmanned Aerial Vehicle/UAV) der US Air Force. Erzeugt wird die Predator von General Atomics, einem US-amerikanischen Hochtechnologieunternehmen in den Bereichen Nuklearenergie und Militärtechnik. Das seit 1995 eingesetzte UAV ist ein wichtiger Bestandteil der Luftraumaufklärung der US-Streitkräfte. Die MQ-1 Predator ist in ihrer Grundvariante 8 m lang und hat eine Flügelspannweite von 14,8 m. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 222 km/h und mit einer Tankfüllung von rd. 400 l kann die Drohne ca. 40 Std. durchgehend in der Luft bleiben. Die optimale Einsatzhöhe beträgt rd. 7.700 m. Je nach Variante kann die Predator mit zwei bis vier AGM-114 Hellfire ausgerüstet werden. Die Hellfire (Höllenfeuer) ist eine Luft-Boden-Rakete zur Panzerabwehr. In der Grundausführung benutzt die Hellfire ein Laser-Lenksystem, spätere Versionen verfügen über einen Radarsuchknopf. Anstelle der Hohlladung kann die Hellfire auch eine Sprengladung umfassen. Die MQ-9 Reaper (Sensenmann) basiert auf der MQ-1 Predator, ist in ihrer Grundvariante rd. 11 m lang und hat eine Flügelspannweite von mehr als 20 m. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 482 km/h und mit einer Tankfüllung von rd. 1.815 l kann die Drohne ca. 30 Std. durchgehend in der Luft bleiben. Die optimale Einsatzhöhe beträgt rd. 15.400 m. Je nach Variante kann die Reaper mit GBU- 12 Paveway Präzisionsbomben, IIGBU-38 DAM (Direct Attack Munition/ DAM – gemeinsame Direkt- Angriffs-Munition; präzisionsgelenkte Bomben) und GBU-39 SDB (Small Diameter Bomb/SDB – Bombe mit geringem Durchmesser; neueste Type einer präzisionsgelenkten Bombe) ausgestattet werden.

… und Global Hawk
Um einen Vergleich zu haben, seien hier die wichtigsten Daten der Global Hawk genannt. Ein größeres UAV ist die Northrop Grumman RQ-4 Global Hawk (weltweit einsetzbarer Adler). Als hochfliegender Langstreckenaufklärer ersetzt es bemannte Spionageflugzeuge. Die Global Hawk ist in ihrer Grundvariante 13,5 m lang und hat eine Flügelspannweite von 35,4 m. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 644 km/h und mit einer Tankfüllung von rd. fast 7.000 l kann die Drohne ca. 36 Std. durchgehend in der Luft bleiben. Die optimale Einsatzhöhe beträgt rd. 19.800 m. Bislang fand sich noch kein Virus in den größten Drohnen, wie der Global Hawk, sehr wohl jedoch in den UAVs wie Predator und Reaper. Das Virus dürfte bei der Übertragung von Daten über externe Festplatten in das System eingeschleust worden sein. Sämtliche Befehlseingaben von den Bodenstationen der UAV könnten durch das Virus aufgezeichnet werden. Die Experten sind zurzeit noch ratlos, ob das Virus harmlos oder gefährlich ist. Bislang versuchte man, das Virus zu eliminieren, aber es schreibt sich immer wieder in die Steuerprogramme, schilderte ein Informant der Computerfachzeitschrift. Nicht auszudenken, wenn das Virus bösartig ist, eine Steuerung der Drohnen im Zielanflug behindert und die Waffenauslösung auf unschuldige Zivilisten, v.a. auch auf US-amerikanische Staatsbürger, erfolgt. Wir wissen nicht viel über den Vorfall im Herzen der Einsatzzentrale des im asymmetrischen Kriegsund Gefechtsbild immer wicht iger werdenden Kampfmittels Drohne. Die Computersysteme der USStreitkräfte galten bislang als einigermaßen sicher gegenüber Virenbefall bzw. es sickerten nur wenige Anschläge von Hackern auf das Computersystem der USStreitkräfte tatsächlich an die Öffentlichkeit durch. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 7/2012 vom 4. April

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