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Wehrpolitik

HR Univ.-Doz. Dr. Erwin A. Schmidl

Vor 200 Jahren:

Das Gefecht bei Feistritz im Rosental am 6. September 1813

Die Erinnerung an die Völkerschlacht von Leipzig vor 200 Jahren ist heuer Anlass für Tagungen und Vorträge – aber kaum jemand hat schon vom Gefecht bei Feistritz im Rosental (Bistrica v Rožu) in Kärnten 1813 gehört. Welthistorisch betrachtet, war dieses Gefecht natürlich weniger bedeutsam als die Schlacht bei Leipzig – aber unwichtig war es nicht, v.a. aus einer lokalen Perspektive.


Als sich Österreich im August 1813 erneut der Koalition gegen Napoleon anschloss, da lag das Hauptgewicht der Kämpfe in Deutschland. Unter dem Befehl von Feldmarschall Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg gelang es den vereinten Armeen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens, in der Völkerschlacht von Leipzig zwischen dem 16. und 19. Oktober 1813 die französischen Truppen zu schlagen. Schwarzenbergs Stabschef war der österreichische Generalstabschef Feldmarschallleutnant (= Generalleutnant) Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky von Radetz. Insgesamt dürften etwa 600.000 Soldaten an dieser Schlacht beteiligt gewesen sein, die rd. 92.000 Tote oder Verwundete forderte. Napoleon musste sich mit dem Rest seiner Armee aus Deutschland zurückziehen; das Ende seiner Herrschaft war nur noch eine Frage der Zeit.

Nebenfront in Innerösterreich
Neben den Hauptkräften im Norden operierten ein österreichisches Korps in Bayern und die „Armee von Innerösterreich“ unter Feldzeugmeister Johann von Hiller im Süden. „Innerösterreich“ bezeichnete traditionell Steiermark, Kärnten und Krain – wobei allerdings Oberkärnten und Krain (das heutige südliche Slowenien) zusammen mit dem Gebiet von Osttirol über Istrien bis Cattaro (heute Kotor in Montenegro) und dem dalmatinischen und kroatischen Hinterland seit 1809 von Frankreich annektiert waren und als „Illyrische Provinzen“ von der Hauptstadt Laibach (Ljubljana) aus von einem französischen Generalgouverneur verwaltet wurden. Die Grenze zwischen Österreich und Illyrien verlief in Kärnten zwischen Klagenfurt und Villach, südlich des Wörthersees, eben knapp westlich von Feistritz (wo die umgangssprachliche Flurbezeichnung noch heute „An der Maut“ lautet). Bereits im 18. Jh. waren die habsburgischen Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slawonien zeitweise unter dem Begriff „Illyrien“ zusammengefasst gewesen. Napoleon griff auf diese Bezeichnung zurück, als es darum ging, die 1809 von Österreich abgetrennten Gebiete neu zu verwalten (Dalmatien und Istrien waren schon 1805 an Frankreich gefallen und zunächst mit dem von Napoleon errichteten Königreich Italien vereinigt gewesen).

Unerfahrene Franzosen
Die 1813 in Illyrien verfügbaren französischen Truppen – darunter aus Italien entsandte Verstärkungen – waren schwach: Viele der erfahrenen Soldaten aus den Kriegen vor 1812 hatten Napoleons Russland-Feldzug nicht überlebt. Die danach in Italien und Illyrien neu aufgestellten Formationen waren großteils auf den deutschen (Haupt-)Kriegsschauplatz verlegt worden. Trotz teils mangelhafter Ausrüstung waren die von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais, dem Vizekönig von Italien, befehligten Truppen – insgesamt über 50.000 Mann – aber den 35.000 Mann Hillers zahlenmäßig überlegen. Im August 1813 begann ein Teil der österreichischen Truppen, von der Steiermark und von Ungarn aus, in die Illyrischen Provinzen vorzustoßen. Dabei kam ihnen ein Aufstand der Kroaten gegen die französische Herrschaft zu Hilfe. Am 11. September wurde Pola (Pula) erobert; am 20. September war Ragusa (Dubrovnik) erreicht. Unterstützt wurden die k.k. Truppen von britischen Kriegsschiffen, die schon seit 1807 in der Adria operierten und u.a. einen Stützpunkt auf der Insel Lissa (Vis) errichtet hatten. Nur die Festung Zara (Zadar) hielt noch bis zum 6. Dezember 1813 aus.

Villach in Flammen
Demgegenüber war Hiller mit dem Gros der österreichischen Truppen bei seinem Versuch, aus dem Raum Klagenfurt nach Westen vorzustoßen, weniger erfolgreich. Am 20. August erreichte die Brigade Frimont zwar Villach und konnte die Stadt gegen einen ersten Gegenangriff der Franzosen halten, wurde aber am 28. August durch eine Division unter Pierre Guillaume Gratien nach Osten, Richtung Klagenfurt, abgedrängt. Dabei wurden große Teile Villachs ein Opfer der Flammen. Eine Woche später, am 6. September, griffen bei Feistritz überlegene französische Truppen – zwei Divisionen unter dem Befehl General Paul Greniers, zusammen ca. 15.000 Mann – eine schwache österreichische Brigade (ca. 3.300 Mann) unter August von Vécsey an. Trotz heftiger Gegenwehr –wobei mehrere Ortschaften teilweise zerstört wurden und das Schloss in Feistritz in Flammen aufging – mussten sich Vécseys Truppen schließlich bei Hollenburg auf das Nordufer der Drau zurückziehen. Beide Seiten beklagten über 60 Tote und 300 Verwundete, die Österreicher überdies 400 Gefangene. Eugène de Beauharnais hatte diesen Angriff befohlen, um die Verbindungsroute über den Loiblpass zu sichern, die vom österreichischen Brückenkopf bei Feistritz, südlich der Drau, bedroht schien. Eugène kannte die Region übrigens schon von früheren Operationen, war er doch bereits 1809 durch Kärnten in die Steiermark marschiert (Gefecht von St. Michael-Leoben, Mai 1809).

Ende der Satellitenreiche
Angesichts des Vormarsches der österreichischen Truppen in Kroatien konnte Eugène de Beauharnais aber seinen Erfolg in Kärnten nicht ausnützen. An seiner linken Flanke durch das Vorrücken der Österreicher nach Tirol bedroht und nach Rückschlägen im slowenischen Raum mussten sich die französisch-italienischen Truppen Anfang Oktober über den Isonzo (Soča) nach Italien zurückziehen. Mit dem Rückzug der französischen Truppen aus Deutschland nach der Schlacht von Leipzig war dann auch das Ende der napoleonischen Satellitenreiche in Illyrien und Italien gekommen. Auf dem Wiener Kongress von 1814/15 wurden die früheren Grenzen wieder hergestellt. In diesem großen Rahmen spielte das Gefecht bei Feistritz keine entscheidende Rolle. Es zeigt aber, wie sehr auch Gegenden abseits der großen und bekannten Schlachten von den kriegerischen Ereignissen dieser Zeit erfasst wurden – mit teils schrecklichen und dramatischen Folgen für die Bevölkerung. Zahlreiche Bewohner kamen ums Leben oder verloren ihre Existenzgrundlage. Häuser wurden geplündert, Ortschaften niedergebrannt, Brücken zerstört. Einige Gebäude in Feistritz und Umgebung zeigen noch heute Spuren der Kämpfe.

Ausstellung in Feistritz
Für ObstdhmfD Ing. Mag. Klaus Mak (den Leiter der Zentraldokumentation der Landesverteidigungsakademie) war dies jedenfalls Anlass genug, sich mit der lokalen Geschichte seines Heimatortes zu befassen und möglichst viele Fakten rund um das Gefecht von Feistritz zusammenzutragen. Daraus entstand eine kleine Ausstellung, die am 23. August 2013 in der Galerie Kraigher in Feistritz eröffnet wurde. Außer den lokalen Honoratioren, der Bürgermeisterin Sonya Feinig und dem Bezirkshauptmann, waren auch Botschafter Dr. Valentin Inzko (Hoher Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina und Vorsitzender des Rates der Kärntner Slowenen) und seine Frau Bernarda Fink gekommen. Für viele Ortsbewohner ist diese Ausstellung wohl auch Anlass, sich verstärkt mit ihrer eigenen Geschichte zu befassen.

Die Ausstellung „Feistritz 1813“ ist bis zum 25. Oktober, dem Tag der zu diesem Anlass stattfindenden Angelobung in Feistritz/Rosental, in der Galerie Kraigher zu besichtigen (Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr und jederzeit nach tel. Vereinbarung unter
0664/64 82 166). Weiterführende Literatur: Rudolf Jeřábek, Die Kämpfe in Südkärnten 1813
(= Militärhistorische Schriftenreihe 56, Wien: Bundesverlag, 1986).

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 19/2013 vom 9. Oktober

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