HGM Eröffnung Erster Weltkrieg ab 29. JuniStrategie und Sicherheit 2014Vehling VerlagHeeresgeschichtliches MuseumVerein Alt-NeustadtStrategischer Führungslehrgang
personelles

Andreas Petznek

Wenn Kameradschaft zum Terror wird

„Alle Soldaten haben ihren Kameraden mit Achtung zu begegnen“ – so steht es zumindest in der Allgemeinen Dienstvorschrift. Die Realität sieht jedoch anders aus, denn Mobbing ist beim Bundesheer kein Fremdwort. Seit Ende 2010 hat die Anti-Mobbing- Initiative diesem Phänomen den Kampf angesagt. 


Konflikte und Meinungsverschiedenheiten am Arbeitsplatz sind etwas ganz Natürliches und nicht zwingend schlecht, denn die Lösung eines Problems kann positiv zum Arbeitserfolg und -klima beitragen. Eskaliert ein Konflikt und handelt es sich nicht mehr um Sachinhalte, sondern um persönliche Angriffe auf Menschen im Arbeitsumfeld handelt es sich um Mobbing.

Mobbing hat viele Namen
Mobbing – also über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommende negative Handlungen gegen eine Person oder Personengruppe – kann verschiedene Formen und Namen annehmen. Unter dem klassischen Begriff „Mobbing“ werden in erster Linie Angriffe gegen hierarchisch gleichgestellte Personen verstanden. Wenn eine vorgesetzte eine untergebene Person schikaniert, wird von „Bossing“ gesprochen. Sind es aber die Mitarbeitenden, die eine vorgesetzte Person hinausekeln wollen, ist von „Staffing“ die Rede. Auch „Chairing“, „Bullying“ und „Cyber-Mobbing“ sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang immer öfters vorkommen.
  Im Grunde ist kein Mensch davor gefeit, ein Opfer von Mobbing-Attacken zu werden. Studien belegen jedoch, dass v.a. Personen, die einer anderen Religion angehören, eine andere Hautfarbe besitzen, an einer bestimmten Krankheit leiden, homosexuell sind oder Schwierigkeiten im Umgang mit anderen haben, vermehrt betroffen sind. Beim Militär besteht v.a. für Frauen ein erhöhtes Risiko, da viele männliche Bedienstete diese noch immer nicht als gleichwertig akzeptieren. Das Bundesheer war und ist eine hypermaskuline Organisation, in der Frauen selten Respekt entgegengebracht wird.

Bundesministerium schreitet ein
Im Sommer 2010 erging durch das Kabinett des Bundesministers (KBM) der Auftrag an die Gender Mainstreaming-Beauftragte (GeMB), Maga. Silvia Moosmaier, ein umfassendes Konzept zur Reduzierung von Mobbing zu entwickeln und vorzulegen. Nach Annahme des Konzeptes wurde der Generalstab mit der Umsetzung der Anti-Mobbing-Initiative betraut und die GeMB erhielt die Koordinierungsfunktion sowie den Auftrag, regelmäßig an das KBM Bericht zu erstatten.
  Die Initiative umfasst sieben Arbeitspakete (Rechtliche Maßnahmen, zielgruppenorientierte Präventionsmaßnahmen, Interventionsmaßnahmen, Forschung und Entwicklung, Bewusstseinsbildungsmaßnahmen, soziale Kompetenz und Unternehmenskultur), die für ein gesundes Arbeitsklima sorgen sollen.
  Zukünftige Projekte der Initiative nehmen auch schon Form an. So soll der bereits bestehende Mobbing- Folder neu gestaltet werden und nicht nur psychologische, sondern auch rechtliche Aspekte beinhalten. Besondere Bedeutung wird der „Standardisierten Interventionskette“ zugemessen, die erstmalig eine Begleitung durch eine „qualifizierte Fixperson“ für die Dauer eines „Interventionsprozesses“ sicherstellt. Diese „Fixperson“ wird sowohl beratend als auch vermittelnd für psychosoziale und juristische Unterstützung zur Verfügung stehen. Die Implementierung ist im 1. Quartal 2012 vorgesehen und als erste Anlaufstelle wird das Help-Line-Service zur Verfügung stehen.
  Außerdem ist geplant, eigene Ausbildungseinheiten zum Thema Mobbing in die Laufbahnkurse zu integrieren. Um mehr Bewusstsein für die Thematik zu schaffen, sollen v.a. Bedienstete in Führungspositionen, Informationsoffiziere und Personalvertreter gezielt geschult werden.
  Bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen auch auf einen fruchtbaren Boden fallen und in die Unternehmenskultur Einzug halten. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 15/2011 vom 3. August

Drucken