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Wehrpolitik

Bgdr DDr. Harald Pöcher

Wie kam das österreichische Hoheitszeichen auf die Bierflasche?

Ungarnliebhaber, Ungarnurlauber oder schlichtweg nur Bierliebhaber kennen sicher die Biermarke „Dreher“. Bemerkenswert am Dreher-Bier ist aus österreichisch-militärischer Sichtweise das Markenzeichen der Brauerei. Dieses Markenzeichen ist ein gut gelungenes Wappen, das in seinem Mittelpunkt anscheinend das österreichische Hoheitszeichen (ein weißes gleichseitiges Dreieck mit der Spitze nach unten in einem roten Kreis) enthält.


Flankiert wird das dem österreichischen Hoheitszeichen ähnelnde Symbol von zwei stehenden Löwen, die typische Brauerei-Utensilien in den Tatzen halten. Das Markenzeichen wird durch die Jahreszahl 1854, dem Gründungsjahr der Brauerei in Steinbruch, flankiert. Den Abschluss nach unten bildet die 2-zeilige Schrift Dreher-Sörgyárak (Dreher-Bierbrauerei). Allerdings findet sich das dem österreichischen Hoheitszeichen ähnelnde Symbol auch ohne Löwen und Jahreszahl versehen auf verschiedenen Bierdeckeln der Brauerei Dreher. Instinktiv bekommt man als österreichischer Soldat Appetit auf mehr, einerseits auf noch eine Halbe des guten Gerstensaftes altösterreichischer Brautradition, aber andererseits auch auf Antworten, wie Dreher zu seinem Markenzeichen kam.

Dreher-Bier ist altösterreichische Brautradition
Befasst man sich etwas näher mit dieser Biermarke, erfährt man sehr bald, dass dieses Bier zutiefst österreichische Wurzeln hat. Der Firmenname „Dreher“ steht für Anton Eugen Georg Dreher (1810 - 1863), der in der Brauerei Schwechat das „Schwechater Lagerbier“ entwickelte. Die Produktion dieses untergärigen Bieres erfordert niedrige Temperaturen, weshalb das Brauen vor der Erfindung der Kältemaschinen auf die kühlen Wintermonate beschränkt war. Wegen der guten „Lagerungseigenschaften“ konnte es in Eiskellern bis zum folgenden Herbst gelagert werden. Für Lagerbier wird auch synonym der Begriff Märzenbier verwendet, da dieses Bier ursprünglich in den kalten Monaten, insbesondere im März gebraut wurde. Die Vorstellung des Lagerbieres war damals eine Sensation und Dreher wurde mit seiner Erfindung reich. Dreher erwarb danach 1862 die Brauerei Steinbruch in Budapest, die heute noch das Bier unter der Markenbezeichnung „Dreher“ produziert, obwohl schon lange kein „Dreher“ mehr am Geschäftserfolg beteiligt ist. Die „Dreher-Bierbraudynastie“ war in der Monarchie sehr bekannt. Die Brauerei Schwechat war die größte Brauerei im Land und eine der größten Brauereien in Europa. Selbst während des Ersten Weltkrieges blieb die Brauerei in Betrieb. Sogar Kaiser Franz Joseph besuchte die Brauerei und verlieh Anton Dreher jun. das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens. Mittlerweile gehört die Dreher-Brauerei in Budapest zu SABMiller, dem nach Anheuser-Busch zweitgrößten Braukonzern der Welt, mit einem Umsatz von rd. 21 Mrd. US-$ im Jahr 2012 und einem Reingewinn von rd. 4,5 Mrd. US-$. Der Konzern hat rd. 70.000 Beschäftigte. SABMiller entstand durch die Fusion des südafrikanischen Braukonzerns South African Breweries und dem britischen Braukonzern Miller Brewing Company. Die bedeutendsten Absatzmärkte von SABMiller sind Afrika, Nordamerika und Osteuropa. Bekannte Biermarken des Konzerns sind „Foster’s“, „Gambrinus“ und „Pilsner Urquell“.

Das österreichische Hoheitszeichen – offiziell eingeführt 1936
Das militärische Hoheitszeichen, das aus einem weiß ausgefüllten, gleichseitigen, auf der Spitze stehenden Dreieck, das in einem rot ausgefüllten Kreis eingeschrieben ist, besteht – wurde 1936 nach einem Entwurf von Ing. Rosner, einem Flugzeugtechniker der Fliegerwerft Graz-Thalerhof, eingeführt und 1955 wieder in Kraft gesetzt. Das Aussehen des Hoheitsabzeichens ist durch eine Verordnung des Bundesministers für Landesverteidigung geregelt.

Die Marke Dreher – Wappen mit alter Tradition
Der Autor begab sich auf Spurensuche in Ungarn und erhielt von der Dreher-Brauerei die Auskunft, dass das heutige Markenzeichen der Dreher-Brauerei mit dem Kreis bereits im 19. Jh. auf Holzgegenständen eingraviert wurde. In der Brauerei selbst hat man keine genauen Aufzeichnungen mehr, wann genau das Markenzeichen zum ersten Mal auf Bierflaschen verwendet wurde. Die Presseabteilung geht aber davon aus, dass dies ebenfalls im 19. Jh. gewesen sein muss. Faktische Beweise bestätigen die Aussagen der Brauerei. So gesehen wurde das Symbol, das heute auf österreichischen Militärluftfahrzeugen und bestimmten Militärfahrzeugen verwendet wird, in Ungarn früher verwendet.

Das österreichische Hoheitszeichen – keine Marke, nur ein Symbol unter vielen
Das Aussehen des österreichischen Hoheitszeichens ist zwar durch eine Verordnung geregelt. Es ist aber keine Marke im Sinne des Markengesetzes und kann ohne Strafverfolgung von Jedermann, bspw. im Modellbau, verwendet werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist natürlich die Frage, was passiert, wenn bspw. ein Eigentümer eines Privatflugzeugs das österreichische Hoheitsabzeichen und eine dazugehörige Buchstaben-Ziffernkombination auf sein Flugzeug malt und damit denn Anschein erweckt, sein Flugzeug ist ein Militärflugzeug. Zweifellos eine interessante rechtliche Frage, deren Diskussion den Umfang dieses Beitrags bei Weitem übersteigen würde. Es steht also fest, dass die Brauerei Dreher bzw. ihre Vorgänger in Ungarn das eigentlich sehr simpel aussehenden Symbol, das heute auch unser Hoheitszeichen für Militärluftfahrzeuge und bestimmte Militärfahrzeuge ist, früher für die Kennzeichnung ihrer Produkte verwendet hat als das Bundesheer für die Kennzeichnung seiner Luftfahrzeuge und Militärfahrzeuge.

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 19/2013 vom 9. Oktober

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