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Wehrtechnik

Obst Ing. Horst Treiblmaier, MSD

Wirkung vor Deckung

Nach diesem Grundsatz wurde und wird jeder Soldat und in weiterer Folge Kommandant ausgebildet. Bei der Nutzung von Führungsmitteln lässt sich dieser Grundsatz für alle Nutzer in „Verbindung hat Vorrang“ übersetzen.


Im Rahmen der Ausbildung und Einweisung in die Handhabung von Führungsmitteln, im Speziellen von Funkgeräten, wird viel Zeit in die Vermittlung von Wissen über die Wahl des Aufstellungsplatzes investiert (Ort bei der Nutzung). Zu meiden sind
• die Nähe elektrischer Anlagen, Maschinen und in Betrieb befindlicher elektrischer Motoren,
• Orte, an denen Abstrahlung und Empfang behindert werden (Stollen, enge Täler,         Kraftfahrzeugansammlungen, innerhalb von Eisenkonstruktionen und unter   Hochspannungsleitungen).

Cool – aber stumm und taub
Über das Wesen der Antenne des Funkgeräts und ihre Verwendung wird wenig informiert, und wie nachfolgender Bericht aus den Einsatzerfahrungen zeigt, hat dies fatale Folgen. Merke: „Abgeknickte/abgebundene Antennen wirken vielleicht ‚cool’, führen jedoch nicht zu Sendeleistung, sondern zu Leistungsmangel. Deine Funkreichweite geht möglicherweise gegen Null.“ Betrachten wir uns selbst im Spiegel oder funkende Soldaten auf vielen Fotos, oft sehen wir dann den „coolen“ Soldaten. Nachstehend wird daher die Antenne als System in stark vereinfachter Form zum besseren Nutzerverständnis beleuchtet.

Ohne Antenne keine Nachricht
Es ist wohl keine spektakuläre Erkenntnis, dass selbst das modernste Funkgerät eine Antenne benötigt (Antenne in der Zoologie; Sinnesorgan der Insekten/Fühler; antenna (lat.) Stange/Segelstange). Ohne Antenne gibt es keine drahtlose Nachrichtenübertragung. Ein von einem Sender eines Funkgeräts erzeugtes Signal (hochfrequenter Wechselstrom) mit einer gewählten Leistung wird von einer Sendeantenne in eine elektromagnetische Welle umgewandelt und abgestrahlt. Die Empfangsantenne wiederum nimmt eine elektromagnetische Welle auf und setzt dies wieder in hochfrequenten Wechselstrom um, der vom Empfänger verarbeitet werden kann.

Frequenz
Es gibt viele Arten von Antennen, daher wird die nachfolgende Betrachtung auf Antennen zur Nutzung während der Bewegung eingeschränkt. Bereits der vorgesehene Frequenzbereich bestimmt markant die Ausführung der Antenne. Die Grundlage hiezu ist das Verhältnis Lichtgeschwindigkeit (Geschwindigkeit, mit der sich die abgestrahlte elektromagnetische Welle ausbreitet) zur verwendeten Frequenz. Als Ergebnis erhält man die Wellenlänge der abgestrahlten elektromagnetischen Welle (Abstand zwischen zwei Wellenmaxima – analoge Welle im Wasser). Beim Truppenfunk (Funksystem CONRAD) beträgt die Wellenlänge zwischen ca. 2,7 m (108 MHz) und 10 m (30 MHz). Beim Mobiltelefon beträgt die Wellenlänge ca. 16 cm. Die erforderliche Antennenlänge steht immer in einem Verhältnis zur Wellenlänge, das kürzeste Verhältnis ist ein Viertel. Eine Verkürzung unter diese Länge bzw. ein Verzicht auf genaue Abstimmung der Länge auf eine Frequenz führt zu unkalkulierbaren Verlusten. Wird eine stark verkürzte Antenne mit technischen Maßnahmen (elektrisches Anpassungsnetzwerk) auf die „richtige Antennenlänge“ gebracht, führt dies ebenfalls zu Verlusten, die aber berechenbar sind. Die „Gummiwurschtantenne“ als Beispiel ist eine induktiv verlängerte und mechanisch gekürzte Stabantenne.

Polarisation
Eine zweite wesentliche Kenngröße stellt die Polarisation dar. Durch die Sendeantenne wird die Polarisation festgelegt. Die Sendeantenne bei z.B. militärischen Fahrzeugen ist vertikal montiert und daher schwingt auch das elektrische Feld vertikal. Selbstredend sollte die Empfangsantenne die gleiche Polarisation aufweisen und damit senkrecht stehen. Steht z.B. eine Fahrzeugantenne in einem Winkel von 45° (abgespannt während der Fahrt) ist die Hälfte der empfangenen Leistung bereits verloren. Bereits aus diesen beiden Kriterien lassen sich die vier wichtigsten Verhaltensregeln ableiten:
• Abgebundene/abgeknickte Antennen verhindern eine brauchbare Abstrahlung und einen guten Empfang.
• Waagrecht gestellte Antennen strahlen ab, können aber kaum empfangen werden und   umgekehrt.
• Verwende die Antenne aus dem Sortiment, die deine Verbindungserfordernisse am besten   abdeckt (Verbindung hat Vorrang).
• Bei fahrzeuggestützten Funkgeräten ist bei Marschhalten die Antennenabspannung zu   lösen.

Handy vs. Truppenfunk
Und für die Beantwortung der Frage: „Warum verwendet das Militär so unpraktische Frequenzen, wo doch das Mobiltelefon so praktisch klein und ohne abstehende Antenne funktioniert?“ Das Mobiltelefon arbeitet in einem höheren Frequenzbereich und benötigt zur Kommunikation eine Basisstation in durchschnittlich 1.000 m Entfernung und zwischen den Basisstationen ein gesamtes Netzwerk an Verbindungsleitungen und Steuereinrichtungen inklusive der Stromversorgung aller dieser Elemente. Der „unpraktische“ Truppenfunk kommt ohne Infrastruktur aus und garantiert damit die Führungsfähigkeit für alle militärischen Aufgaben auf der taktischen Führungsebene. Für den Bereich der Kommunikation innerhalb einer Gruppe werden demnächst für jeden Soldaten Funkgeräte zulaufen, die aufgrund der erforderlichen Reichweite von bis 500 m und damit verwendeten Frequenz nur Antennen von wenigen Zentimetern Länge aufweisen. „Ein Dekret macht uns zu Offizieren oder Unteroffizieren, aber erst ein Führungsmittel macht uns zu Kommandanten“, lautet sinngemäß ein Motto der US-Militärakademie. In diesem Sinne sollten wir unsere Führungsmittel effizient benutzen. 

DER SOLDAT-Ausgabe Nr. 5/2012 vom 7. März

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